26. January 2008, 14:13 Uhr

Personalhaushalt der Uni Leipzig

Wenn das Rekorat beschließt...

Eingang des Rektorats in der Ritterstraße 26 in LeipzigDas Rekoratsgebäude in der Ritterstraße: Hier wird entschieden, welche Stelle wann besetzt wird. (Foto: Benadette Patzak)
Was tut die Universität, um Geld einzusparen? Sie beschließt, auslaufende Stellen über einige Monate zu sperren. Das ist schmerzlich, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft. Gleichzeitig sollen aus den so eingesparten Mitteln neue Stellen erwirtschaftet werden.

Eine „unglaubliche Idiotie“, nennt es Professor Marcel Machill vom Lehrstuhl für Journalistik II. „Eine Notmaßnahme, die im Einzelfall mehr oder minder hohe Kosten nach sich zieht“ nennt es Professor Wolfgang Fach, Prorektor für Lehre und Studium der Universität Leipzig. Fakt ist, dass der Nachfolger des in der Journalistik für die Fernsehausbildung zuständigen Wissenschaftlichen Mitarbeiters Sebastian Köhler seine Stelle nicht zum 1. Februar, sondern erst zum 1. April antritt. Denn: Um Geld zu sparen, hat die Universitätsleitung die Stelle für zwei Monate gesperrt. Eine Prozedur, die längst üblich geworden ist.
Für den Hochschulbetrieb hat das natürlich konkrete Folgen. „Zum einen hat der neue Mitarbeiter keine Zeit sich einzuarbeiten. Zum anderen fehlen uns für diese zwei Monate Lehrkräfte, die z.B. Prüfungen abnehmen“, schildert Machill. Prüfungen müssen so auf andere Lehrende verteilt werden oder können gar nicht stattfinden, befürchtet er. Eine konkrete Ausweichmöglichkeit gibt es in diesem Fall noch nicht. „Es ist nicht meine Aufgabe, die Fehlplanung und Unfähigkeit der Universitätsleitung, ihr Personalmanagement im Griff zu haben, auszubügeln.“
Das ist kein Einzelfall. Alle Institute sind von dieser Regelung betroffen, „vor allem der Mittelbau, weil hier der Personalumschlag größer ist“, erklärt Professor Hans-Jörg Stiehler, Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie. „Das ist schmerzlich. Wenn man Glück hat, bekommt man als Ausgleich mehr Geld für Lehraufträge oder Studentische Hilfskräfte, aber auch das ist nur eine kleine Linderung“, findet Stiehler. „Im Allgemeinen zieht die Verwaltung das durch – zu Lasten der Studiengänge, zu Gunsten des Universitätshaushaltes.“

Gesamtpool für neue Stellen schaffen

Laut Sächsischem Hochschulgesetz ist das Rektoratskollegium für die Wieder- und Neubesetzung von Stellen zuständig. Ein Generalbeschluss bestimmt darüber, ob und wie lange auslaufende Stellen gesperrt werden. Das Sperren kann bis auf vier Monate ausgedehnt werden. Planbar ist dies jedoch nicht. Es hängt immer davon ab, wann die Stellen auslaufen.
„Dass wir das nicht gerne machen, liegt auf der Hand, aber wir müssen ein Gesamtbudget ansammeln, damit wir neue Stellen einführen können“, erklärt Prorektor Fach. „Wenn die Wahl zwischen zwei Übeln besteht, wählt man eben das kleinere, in diesem Fall das künstliche Pausieren einer Planstelle.“. Dass Stellen dann für kurze Zeit nicht besetzt werden, sei nicht das Hauptproblem, behauptet Fach. Oft würden Stellen auch nicht besetzt, weil es keinen passenden Nachfolger gibt.

Lehre hat Vorrang?

„Eine Einschränkung der Lehre wollen wir mit aller Macht vermeiden“, versichert auch Dr. Fritz König, Leiter des Personaldezernats der Universität. „Stellen zu sperren ist eine hochschulinterne Maßnahme, die das Rektorat treffen muss, um mit den Mitteln hinzukommen.“ Zudem handele es sich ja nur um einen temporären Einschnitt. „Wir versuchen immer Abhilfe zu schaffen – entweder durch Kürzen der Sperren, durch Verlagern der Sperren auf einen anderen Zeitraum oder durch den Ausgleich mit Lehrauftragsmitteln.“ Ein gravierendes Problem sei ihm nicht bekannt. „Beschwerden diesbezüglich kommen nicht oft, aber wenn, dann reagieren wir sofort“, versichert das Personaldezernat. Als Professor Machill vor zwei Jahren mit demselben Problem an die Universitätsleitung herangetreten war, kam dabei jedoch nichts heraus.

2007 – schwieriger Haushalt

Dass die Pausen von Vornherein in den Haushaltsplan eingerechnet werden, bestreitet König: „Alle zwei Monate wird eine Personalkostenhochrechnung veranschlagt, die prognostiziert, wie das Geld die nächsten Jahre reicht. Stellt sich heraus, dass es eng wird, reagiert das Rektorat mit Stellensperrung.“
Im Allgemeinen gebe es Jahre, die schwieriger zu haushalten sind, erklärt König. „So hatten wir 2007 mehr finanzielle Probleme, weil auch die Mittel vom Land geringer ausfielen als geplant.“ Zudem müssen die Hilfskraftmittel jedes Jahr auf vier Millionen Euro aufgestockt werden, da das Land nur zwei Millionen zur Verfügung stellt. „Dieses Geld muss aus den Stellen erwirtschaftet werden“, bekräftigt König.