Die Neuordnung des Mediensystems der DDR stellte nicht nur die ideologisch beeinflusste Arbeitsweise der ostdeutschen Journalisten in Frage sondern auch das System der Journalistenausbildung und die dazugehörenden Ausbildungseinrichtungen selbst. An dieser Stelle begann ein Prozess, der Gegenstand der Analyse sein soll. So unterlag zum Beispiel die Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig einem Transformationsprozess, der bis zur Neugründung des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft 1993 andauerte.
In den Folgejahren etablierten sich an ostdeutschen Universitäten und Fachhochschulen zahlreiche Fakultäten, Institute und Seminare, die sich die Ausbildung im Bereich der Medien- und Kommunikationswissenschaft auf die Fahnen schreiben. Praxisnahe Ausbildung soll dabei vielerorts durch Ausbildungsmedien gewährleistet werden. Diesen Schwerpunkt setzen auch Journalistenschulen, die sich mittlerweile ebenso in Ostdeutschland etabliert haben. Gibt es also in Ostdeutschland eine qualitativ hochwertige Hochschulausbildung im Bereich Medien und Journalismus?
Einen größeren Personenkreis sollen die Medienkompetenzprojekte der ostdeutschen Landesmedienanstalten ansprechen. Sie sind somit komplementär zur Ausbildung an den Hochschulen und in Journalistenschulen zu sehen. Das Internet-ABC, bei dem auch die Medienanstalt Sachsen-Anhalt mitwirkte, ist ein Beispiel für die erfolgreiche Kompetenzvermittlung im Umgang mit Medien. Einen Sonderweg unter den ostdeutschen Landesmedienanstalten hat die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) beschritten, indem seit 1997 mit den Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanälen (SAEK) ausschließlich ein Großprojekt gefördert wird. Ein zentrales Aufgabenfeld der Landesmedienanstalten wird auch in Zukunft die Durchführung von Medienkompetenzprojekten sein.
Ziel soll es sein, Entwicklungen, den Ist-Zustand sowie Perspektiven in diesen beiden Themenfeldern aufzuzeigen. Dazu wird anhand einer aufwändigen Internetrecherche zunächst ein Überblick über die Ausbildungseinrichtungen an ostdeutschen Hochschulen und Journalistenschulen erstellt. Mit dem Fokus auf der Journalistik wird dann anhand von fünf Best-Practice-Beispielen die Entwicklung der Ausbildungslandschaft in Ostdeutschland nachgezeichnet. Dazu sind Leitfadeninterviews mit den jeweiligen Dekan, Rektoren, Prorektoren und Seminarsprechern geplant. Zu den Medienkompetenzprojekten der ostdeutschen Landesmedienanstalten werde ich mit den jeweiligen Bereichsleitern sprechen, um so Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Projekte herauszuarbeiten.
Projektmitarbeiter: Tobias Winzer