20 Jahre Medienfreiheit in Ostdeutschland

 

Thema 9: Journalisten

Indem sie Informationen sammeln und verbreiten, haben Journalisten eine zentrale Funktion für die Meinungsbildung innerhalb des demokratischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. Doch ostdeutsche Journalisten hatten in der DDR nicht gelernt, kritisch und mit Abstand zu den Staatsträgern zu berichten. Nach der Wiedervereinigung war die Umwandlung des staatlich gelenkten Mediensystems der DDR und dessen Auswirkungen auf die Arbeit von Journalisten Gegenstand verschiedener Untersuchungen. Zwei zentrale Erkenntnisse gibt es aus dieser Zeit: Erstens, dass ein Großteil der Journalisten aus der DDR auch nach der Wende ihrem Beruf weiter ausüben konnte. Und zweitens, dass ostdeutsche Journalisten über wenig Medienkompetenz, Eigeninitiative, Ideenreichtum und Ausdauer verfügten. Statt die "vierte Gewalt" auszuüben, fühlten sich die Journalisten vielmehr dem Service- und Ratgeberjournalismus verpflichtet und wollten ihren Rezipienten Lebenshilfe im vereinigten Deutschland geben.

Doch wie haben sich die Journalisten aus Ostdeutschland im vereinigten Deutschland entwickelt? Welche Unterschiede bestehen zu den Kollegen aus den alten Bundesländern? Antworten auf diese Fragen existieren nicht, denn seit fast 15 Jahren gibt es kaum Kommunikatorforschung, die sich mit Journalisten aus Ostdeutschland beschäftigt. 2005 hat Siegfried Weischenberg in einer großen repräsentativen Studie zwar das Anstellungsverhältnis, die Arbeitsweise und die Ziele von Journalisten in ganz Deutschland erforscht, aber auch hier wird nicht mehr zwischen ost- und westdeutschen Journalisten unterschieden.

In dieser Untersuchung sollen deshalb der Arbeitsalltag, das Rollenverständnis und der Umgang mit der Medienfreiheit untersucht werden. Dabei wird es auch darum gehen, welche neuen Zwängen eine freie Berichterstattung erschweren. Neben der Analyse der verschiedenen Forschungen von Anfang der 1990er Jahre werden 75 feste und freie Journalisten in Ostdeutschland aus den Bereichen Hörfunk, Fernsehen, Nachrichtenagentur, Online und Print in Leitfadeninterviews zu ihren persönlichen Erfahrungen und Einstellungen befragt.

Projektmitarbeiter: Anne-Kathrin Jeschke, Jana Rehse und Juliane Richter


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