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Ein Leipziger Blick auf den Balkan PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Friday, 18. May 2007


Zum 75. Todestag des Leipziger Romanisten und Balkanlinguisten Gustav Weigand (1860-1930) veranstaltet das KOMOEL gemeinsam mit dem Zentrum für Höhere Studien der Universität Leipzig (ZHS) und dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO) eine Tagung, die am 7. Oktober 2005 an der Universität Leipzig stattfinden wird.

Das 19. Jahrhundert stellt sich als bürgerliches Zeitalter und zugleich als die Epoche dar, in der neue, untereinander konkurrierende politische Ideen und Gesellschaftsentwürfe in Deutschland und Frankreich sich Bahn brachen und auf dem Balkan verbreitet wurden. Im Zeichen dieser Öffnung - man spricht auch von Kulturtransfer - war Leipzig die deutsche Stadt des 19. Jahrhunderts, die Kontakte mit Südosteuropa suchte und pflegte. Das Prestige der Stadt Leipzig als einer der ersten west- bzw. mitteleuropäischen Standorte der Wissenschaft war im 19. Jahrhundert ungebrochen gewesen. Anders ist nicht zu erklären, warum noch vor und nach der Jahrhundertwende hier junge Leute promovierten oder sich habilitierten, die später die europäische Wissenschaft revolutionieren würden: Ferdinand de Saussure in der Linguistik, Émile Durkheim in der Soziologie, Marc Bloch in der Geschichtswissenschaft, schließlich auch Sextil Puscariu, späterer Gründungrektor der rumänischen Universität Cluj/Klausenburg und Initiator des Museums der rumänischen Sprache sowie des rumänischen Sprachatlasses, der rumänische Nationalhistoriker Nicolae Iorga, die Bulgaren Aleksandar Balan und Penco Slavejkov. Leipzig galt mit seiner junggrammatischen Schule als das international renommierteste Zentrum der Sprachwissenschaft. Besonderen Anteil an der südosteuropäischen Linguistik hatte jedoch Gustav Weigand.

Weigand war ein vorzüglicher Kenner des Rumänischen und der Sprachen und Kulturen des Balkans. Er war vor allem Sprachwissenschaftler, aber auch Ethnograph, beherrschte - neben mehreren romanischen Sprachen - auch das Türkische, Neugriechische, Bulgarische, Serbische. Er gründete die Institute für rumänische, bulgarische und albanische Sprache und widmete sich mit besonderem Eifer der Untersuchung der gesprochenen Variante der Sprachen in Südosteuropa.

Beim Thema „Ein Leipziger Blick auf dem Balkan“ sollen vor allem zwei Fragen zur Orientierung dienen:

(1) Was für ein Projekt bzw. Vision hatte Weigand für den Balkan? Warum hat er eher nach dem Verbindenden als nach dem Trennenden zu einer Zeit gesucht, als die Nationalitäten auf dem Balkan ihre Verschiedenheiten in Sprache, Kultur und Geschichte betonten und von einer engen kulturellen Verbindung mit ihren Nachbarvölkern wenig wissen wollten?

(2) Wann und wie gewannen die von Weigand begründeten Institute an Bedeutung? Welche Stellung nehmen sie in der Institutionengeschichte der Leipziger Universität ein? Dienten sie als Instanzen des Kulturtransfers? Wie wurden die Ideen der Weigandschen Schule in Südosteuropa rezipiert und bewertet? Haben seine Schüler diese Ideen weiter geführt?

Das Programm der Tagung finden Sie hier.
Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 29. May 2007 )
 
 

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