
Zepterpaar der Universität Leipzig, 1476, Silber über Holzkern teilvergoldet,
Kunstbesitz der Universität
Leipzig

Rektorkette der Universität, Werkstatt Th. Strube & Sohn, Gold, Emailemalerei, Edelsteine, 1855, Kunstbesitz der Universität Leipzig

Graphische Kunstanstalt Trenkler & Col, Leipzig nach Eugen Urban: Rektor
und Dekane im Jubiläumsjahr 1909, 1909, Dreifarbendruck nach Gemälde
(Öl
auf Leinwand), Kunstbesitz der Universität Leipzig

Depositionsinstrumente der Universität Leipzig, um 1620 bis um 1714, Kunstbesitz der Universität Leipzig |
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Seit Gründung der Universitäten im Mittelalter wurde das akademische Leben durch Rituale geprägt. Bei Amtsantritt übernahm der neue Rektor die prächtigen Insignien als Symbole der Macht: goldene Zepter, prunkvolle Siegel und später auch den mit Hermelin besetzten Rektormantel. Bei jedem Amtswechsel wurden außerdem die Statuten der Universität und die mit prachtvollen Malereien ausge-statteten, seit 1409 geführten Matrikeln, übergeben, in die jeder Student anfangs noch vom Rektor eigenhändig eingetragen wurde. Auf das Schwurblatt musste jeder neu immatrikulierte Student einen Eid leisten und seine Finger auflegen. Deshalb ist das farbig prächtig gestaltete Blatt aus den Matrikeln von 1409 heute am unteren Rand sehr abgenützt.
Ein anderes akademisches Ritual mussten die angehen-den Studierenden der Universität über sich ergehen lassen. Bevor sie sich offiziell an der Universität einschreiben durften, sollten sie ein den Initationsriten im Handwerk ähnliches Aufnahmezeremoniell durchlaufen: verkleidet als tierhaftes Wesen wurden sie mit überdimensionalen Kosmetikartikeln frisiert, gehobelt und ihnen wurden "die Hörner abgeschlagen" Durch diesen Vorgang der "Zivilisierung" sinnbildlich geläutert, konnten sie in die akademische Gemeinschaft aufgenommen werden.
Bei Prozessionen und Umzügen, wie sie bei Universitäts-feiern, Huldigungen, Doktorpromotionen und Begräbnissen stattfanden, respräsentierten Fahnen bis zur Universitäts-reform 1830 die vier Nationen und vier Fakultäten. Erhalten haben sich Wappenbilder aus der Nationenstube im Großen Kolleg, die die Symbole der sächsischen, polnischen, bayerischen und meißnischen Nation zeigen.
Im Jahre 1855 wurde der Universität Leipzig mit der Rektorkette eine neue Insignie geschenkt. Die wertvolle Originalkette
aus 14-karätigem Gold, mit Smaragden und Rubinen
besetzt, trägt das Große Universitätswappen
und die Bildnismedaille des Stifters, König Johann von Sachsen.
Im Jahr 1909 wurden seitlich als separate Bildnismedaillen
die Portraits des damaligen sächsischen Königs
Friedrich August (links) sowie des Markgrafen von Meißen
Friedrich der Streitbare (rechts), des wichtigsten Förderers
der Universität im Zusammenhang mit ihrer Gründung
1409, hinzugefügt. Die im „Renaissancestyl“ gehaltene Rektorkette
wurde der Hochschule 1855 in Dresden als
Geschenk König Johanns in einer feierlichen Zeremonie überreicht. Sie wurde schon in den Reden
anlässlich der Übergabe zur Insignie erklärt,
von der Hochschule als solche angenommen und als Symbol eines
gegenseitig verpflichtenden Bundes zwischen König und
Universität gedeutet worden.
Über Jahrhunderte hinweg markierten symbolische Akte wichtige Ereignisse und waren sinn- und identitätsstiftend für Lehrende und Studierende. Das Zeitalter der Aufklärung und gesellschaftliche Veränderungen im 20. Jh. hatten eine Abschaffung von Ritualen zur Folge, so dass viele von ihnen heute in Vergessenheit geraten sind.
Führungen zur Ausstellung
Kunst in der Mittagspause
jeden Mittwoch 13.00-13.15 Uhr
Kurzführungen abwechselnd zu folgenden Themen:
"Die
Rektorkette" (4.5., 1.6.)
"Die Universitätszepter" (11.5., 8.6.)
"Die Disputationsuhr" (18.5., 15.6.)
"Die
Depositionsinstrumente" (25.5., 22.6.)
Kunst nach Feierabend
jeden Freitag 15.00-15.30 Uhr
Kurzführung"Die Insignien der Universität Leipzig"
Die Mehrzahl der Universitätssiegel und das Original des Schwurblatts befinden sich im Universitätsarchiv www.archiv.uni-leipzig.de |