
Uniinnenhof blaustichig mit schwarzem
Rahmen – ohne MTL; Philipp Märkl, [o.T.]

Die Stuhlreihe mit dem Gelbstich; Britta
Kirst, aus der Serie „Hörsaal 15“ bestehend
aus 5 Bildern

s/w Foto Treppenhaus; Christian Meinecke,
„Treppenhaus Mensa/Cafeteria”

blaues Hörsaalgebäude mit MTL-Auto;
Louis Volkmann, [o.T.] aus einer Serie aus 6 Fotos

Treppe Seminargebäude; Martin Kiebeler,
[o.T.]

Hauptgebäude bei Nacht mit Peace
Schriftzug in den Fenstern; Holger Mann, aus der Serie „Friedens-Uni?“
bestehend aus 8 Bildern
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Gegenwart – ein scheinbar
banaler Begriff, der die Ausstellung und gleichzeitig das
gesamte Projekt jedoch auf den Punkt bringt. Vor der aufwändigen
Umgestaltung des Universitätscampus am Augustusplatz
galt es, genau hinzuschauen und die Gegenwart festzuhalten.
Die Fotografien der Ausstellung „campus blues“
und der begleitende Katalog sind Ergebnis eines Fotowettbewerbes,
der vom StudentInnenRat der Universität Leipzig im Wintersemester
2004/2005 ausgelobt wurde und dessen Ergebnisse nun in Zusammenarbeit
mit der Kustodie in der Galerie im Hörsaalbau ausgestellt
werden. Das Ziel des Fotowettbewerbs war es, ein möglichst
breit gefächertes Zeitdokument zu erhalten und damit
einen Beitrag zu einer kontinuierlichen und aktiven Erinnerungskultur
zu leisten. Die subjektive Sicht der NutzerInnen verspricht
einen besonderen Blick auf das Ensemble, hält neue Perspektiven
und Details bereit. Die Ausstellung zeigt mehr als 150 Fotografien
von insgesamt 27 KünstlerInnen, die Bandbreite reicht
vom Paternoster im Hauptgebäude bis zur Mensaküche.
Es sind Ein- und Ansichten, die bald schon Vergangenheit darstellen
oder es sogar schon sind.
Die Wurzeln des Projektes liegen in den Diskussionen um den
Um- und Neubau des Campusgeländes am Augustusplatz. Mit
der Entscheidung für den Entwurf des niederländischen
Architekturbüros van Egeraat im März 2004 wurden
die Weichen für den Neubau gestellt: Das zwischen 1968
und 1976 errichtete Areal mit Universitätshauptgebäude,
Hörsaalgebäude und dem „Uniriesen“,
der zu einem Markenzeichen Leipzigs avancierte, würde
bald der Vergangenheit angehören. Der Neubau der Mensa
an der Moritzbastei und die Baugruben entlang der Universitätsstraße
weisen alle Universitätsangehörigen täglich
darauf hin – der Umbau hat begonnen. Das Gesicht der
Universität, wie es Generationen von Studierende seit
den 70er Jahren bekannt ist, wandelt sich. Obwohl die Gebäude
den heutigen Anforderungen an den Lehr- und Forschungsbetrieb
nicht mehr entsprechen und ihre Erscheinung im Stadtbild umstritten
ist, sind sie ein wichtiger Teil der Leipziger Architekturgeschichte.
In der Fotografie wird - trotz des zum Teil problematischen
Zustandes der Gebäude – die ästhetische Qualität
der Architektur sichtbar. Im Fotowettbewerb war der künstlerische
Blick auf den Campus gefordert, im Gegensatz zu einer von
der Universitätsverwaltung durchgeführten rein dokumentarischen
fotografischen Bestandsaufnahme. Der ganz eigene, subjektive
Blickwinkel der Studierenden, Lehrenden und MitarbeiterInnen
auf ihren Campus sollte durch die Aufgabenstellung provoziert
werden.
Bis zum 24. April 2005 waren Studierende und Interessierte
(außer Wertung) unter dem Motto „Totgeschlagen
– Abgerissen. Leben vor und mit dem Umbau“ dazu
aufgefordert, sich fotografisch mit dem Campus als Architektur-Objekt
und als Lebens-Ort auseinander zu setzen. Es konnten bis zu
drei Arbeiten, bestehend aus Einzelbildern bis zu einer Größe
von maximal 30 x 40 cm oder aus einer Serie von bis zu sechs
Bildern bis 20 x 30 cm, eingereicht werden. 26 Studierende
und eine Mitarbeiterin der Universität haben sich am
Wettbewerb beteiligt und sind mit jeweils einer Arbeit im
Ausstellungskatalog vertreten.
Die Jury, die sich aus Diana Schmidt (Referentin für
Öffentlichkeitsarbeit des StuRa), Angela Hölzel
(Studentenwerk Leipzig, Arbeitsgebiet Kultur, Marketing und
Öffentlichkeitsarbeit), Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen
(Leiter der Kustodie der Universität Leipzig) und Michael
Berninger (culturtraeger) zusammensetzte, nahm unter den Einsen-dungen
der Studierenden eine Reihung vor: Die Siegerarbeit von Louis
Volkmann (Student an der Hochschule für Grafik und Buchkunst
Leipzig) wird in die Studiensammlung der Universität
aufgenommen. Eine Fotografie der Siegerarbeit und Arbeiten
von Britta Kirst, Christian Meinecke, Martin Kiebeler, Philipp
Märkl und Holger Mann werden als Citycards-Edition bei
culturtraeger erscheinen.
Eine Bestandsaufnahme: Der Einblick in den Campus, den die
ausgestellten Fotografien ermöglichen, geht weit über
die bloße Fassadendarstellung hinaus. Die Arbeiten protokollieren
die Melancholie eines gebrauchten und vielleicht verbrauchten
Baus mit teils ästhetischen, teils morbiden Details.
Insofern hat sich ein Teil unserer Hoffnungen erfüllt.
Eine Dokumentation des studentischen Lebens und Alltags findet
jedoch nicht statt: Die Fotografien sind zumeist menschenleer.
Befreiung oder Auslassung? Diese Bewertung möchten wir
an dieser Stelle nicht vornehmen - wörtlich genommen
ist der Campus ja auch ein „freies Feld“.
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