
Johann Heinrich Dannecker, Ariadne auf
dem Panther, 1983

Römerberg, Römerfront, 1958

Römerberg mit Gerechtigkeitsbrunnen.
Dom, ehemalige Stifts- und Pfarrkirche St. Bartholomäus,
1949

Ehemalige Dominikanerkirche, Chor, 1955

Turnhalle,1956

Frankfurter Messeturm und Umgebung, 2001
Information:
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Die Architektur- und Kunstfotografie von Ursula
Edelmann wurde vielfach in Kunstbänden, Zeitschriften,
Zeitungen, auf Plakaten und Postkarten veröffentlicht.
Mit handwerklicher Perfektion und präzisem Blick erfasst
sie ihren Gegenstand, vor allem Architektur und Werke der
bildenden Kunst in Frankfurter Museen. Die Ausstellung zeigt
– mit einer Großbildkamera aufgenommene –
Schwarzweiß-Arbeiten aus fünf Jahrzehnten, dazu
einige Farbaufnahmen aus jüngerer Zeit.
Als die junge Fotografin 1949 aus Berlin nach Frankfurt am
Main kam, um dort eine Stelle in einem Fotostudio anzutreten,
war sie verblüfft, dass man alles zu Fuß erreichen
konnte. Die Stadtentwicklung ihrer „kleinen Großstadt“
Frankfurt am Main, die ihr zur Wahlheimat wurde, begleitete
Ursula Edelmann als freie Fotografin von 1950 bis heute: Sie
zeigt Frankfurt als kriegszerstörte Stadt, in der Phase
des Wiederaufbaus und während des Umbaus zur modernen
Wirtschaftsmetropole.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Ursula Edelmann
eine Lehre bei dem Potsdamer Fotografen Max Baur absolviert,
der heute als einer der bedeutendsten Vertreter der photographischen
Moderne gilt. Der „Meister der Lichtführung“
war sowohl der Bauhaustradition als auch avantgardistischen
Strömungen der 20er und 30er Jahre verpflichtet, und
von ihm lernte sie eine sachliche, klare Bildsprache und den
perfekten Einsatz von Licht. Die Architekturfotografie war
der Bereich, für den sie durch ihre Ausbildung besonders
geschult war und der zugleich ihrem persönlichen Interesse
entsprach. Sie dokumentierte Ruinen und Trümmerlandschaften,
die der Krieg in Frankfurt hinterlassen hatte, die noch intakte
historische Bausubstanz sowie die Neubauprojekte der Aufbauphase.
Die Frankfurter Altstadt mit ihren kleinen Gassen war 1944
vollständig verbrannt. Auch die Fassaden und Innenräume
des als „Römer“ bezeichneten Ensembles wurden
weitgehend vernichtet. Im Rahmen der Darstellung des Wiederaufbaus
dieses bekannten Frankfurter Rathauses entstand ihr wohl bekanntestes
Fotomotiv, die spiralförmig geschwungene Treppe vor den
Sitzungsräumen des Senats (siehe Abb. oben, Treppe im
Frankfurter „Römer“, Aufnahme 1962).
Eine ganze Foto-Serie widmete sie den Ruinen der mittelalterlichen
Klosteranlage (Dominikaner- und Karmeliterkloster) und ihrer
mühsamen Rekonstruktion ab 1955. Der Frankfurter Dom
hatte den Krieg unbeschadet überstanden (vgl. die Fotografie
„Römerberg mit Gerechtigkeitsbrunnen, „Dom“,
ehemalige Stifts- und Pfarrkirche St. Bartholomäus, 1949),
während andere Gotteshäuser bis auf die Grundmauern
zerstört worden waren. Gezeigt wird die Wiederherstellung
der Heilig-Geist-Kirche, ehemalige Dominikanerkirche, Innenraum
nach Wiederaufbau, (1962), der Katharinenkirche an der Hauptwache,
nach Wiederaufbau (1956) oder der Aufbau der Nikolaikirche
Alte Nikolaikirche am Römerberg, nach Wiederaufbau (1956).
In der Epoche des Wirtschaftswunders und in den 60er Jahren
setzte eine rege Bautätigkeit ein. Viele Gebäude,
die damals entstanden, wurden inzwischen längst wieder
abgerissen, wie z.B. Zürich-Haus (1960-62) oder das Haus
der Allibert GmbH (1968). Als Folge eines groß angelegten
Wohnungsbauprogramms entstanden im Frankfurt der Nachkriegszeit
zahlreiche neue Siedlungen, für die auch entsprechende
Schulneubauten errichtet werden mussten. Bildbeispiele von
Ursula Edelmann hierfür sind z.B. die Schule in Bonames,
jetzt: Albert-Jaspert-Schule, Treppenhaus (1956) und die Kuhwald-,
jetzt: Georg-Büchner-Schule, Treppenhaus, (1956). Eines
ihrer berühmtesten Bilder von zeitloser Gültigkeit,
das wohl jedem Betrachter eigene Erfahrungen mit dem Schulsport
in Erinnerung ruft, ist die Doppelturnhalle der Kuhwald- jetzt
Georg-Büchner-Schule (1956).
Neben der Architekturfotografie widmete sich Ursula Edelmann
seit den sechziger Jahren der Dokumentation von Werken der
bildenden Kunst für Frankfurter Museen: Im Auftrag des
Städelschen Kunstinstituts, des Liebieghauses und Goethehauses
fotografierte sie Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen.
Mit großem Einfühlungsvermögen für die
Kunstwerke erreicht sie eine perfekte, werkgetreue Wiedergabe
(siehe Abb. oben Johann Heinrich Danneckers: Ariadne auf dem
Panther, Aufnahme 1983). Zu ihrer Arbeit mit Kunst erläutert
sie: „Oft geht es darum, winzige Details herauszuarbeiten
(...) sozusagen das Unsichtbare sichtbar zu machen.“
Und über ihre Haltung zur Fotografie im allgemeinen ergänzt
sie: „Ich habe mich immer auf den Bildgegenstand eingelassen
(...) ich habe immer eine Beziehung zu dem, was ich fotografierte,
hergestellt. Das ist mir ganz wichtig. Irgendwas zu sehen,
was mich an der Sache reizt.“
Mittlerweile kann Ursula Edelmann auf ein fünfzigjähriges
fotografisches Oeuvre zurückblicken. Ihre Fotografien
sind wichtige Zeitdokumente aus der Epoche des Wiederaufbaus
der Wirtschaftsmetropole Frankfurt am Main, deren Umbau weiterhin
andauert, wie ihre neuesten Bilder, z.B. „Messeturm“
des Architekten Helmut Jahn (Aufnahme 2001), zeigen. Doch
ihre zunächst sachlich erscheinende Fotografie geht durch
die Interpretation des Objekts und den meisterhaften Einsatz
von Licht weit über das Dokumentarische hinaus. Und selbst
ihre jüngsten Aufnahmen atmen die Stille einer Zeit,
die noch keine digitalen Bilder kannte.
Quelle: Dr. Martina Mettner: Schwarzweiß
mit der besonderen Note. Ursula Edelmann und ihre meisterliche
Sachfotografie. In: Ursula Edelmann Fotografien, Universitätsdruckerei
H. Schmidt, Mainz, 2002, S. 9-16.
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