
Inge Platzer, Fußballspiel, 1974, Mischtechnik auf Holzfaser

Carl Marx, Der Mittelstürmer, 1980, Öl auf Sperrholzplatte

Willi Sitte, Weitsoringer, 1976, Öl auf Hartfaser

Christine Richter, aus Folge „Sportfest in Leipzig“, 1987,
Farbradierung

Bernd Göbel, Siegergruppe („Studie zum Thema Sport“), 1976,
Bronze

Hans Mayer-Foreyth, Im Stadion, 1963, Öl auf Hartfaser

Bert Heller, Gustav Adolf Schur und die Jungen, 1959, Mischtechnik auf Hartfaser
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Kein Zweifel, König Fußball beherrscht
in diesem Sommer nicht nur deutsche Stadien, Wirtschaft und
Medienlandschaft, er hat selbst die hiesige Kulturszene in
seinen Dienst gezwungen. Auch im Kroch-Haus zollt man dem
Ereignis willig Tribut. Schließlich verlangen im Magazin
der Universitätskunstsammlungen mehr als ein halbes
Tausend Kunstwerke zum Thema Sport gelegentlich nach Öffentlichkeit.
Sport sehen
„Rasenballett“ ist der Titel eines die ballartistischen Fähigkeiten
der Fußballer huldigenden Gemäldes von Werner Bielohlawek (1988).
Für all jene, denen der Fußball nicht das Leben ist, steckt die einst
einem begeisterten Sportreporter entschlüpfte Sprachschöpfung jedoch
voll unfreiwilliger Komik. Vergleicht man da nicht unwillkürlich stramme
Fußballerwaden mit den Beinen der Balletteusen? Mit diesem Augenzwinkern
erhebt Wolfgang Henne seine sehr energische „Badminteuse“ (Farbgrafik
von 1987) zu einer Primaballerina am Ball, während Carl Marx seinen elfengleichen „Mittelstürmer“ (1980
Abb.) über ein bunt erotisiertes Spielfeld huschen lässt.
Wie ernst muss man Sport nehmen? Das Spannungsfeld zwischen
Leistungsport und spielerischer Freizeitbeschäftigung
bietet dem Künstler porträtwürdige Idole wie
belächelte Witzfiguren (Willy Moese).
Liegt der Wert des Sportes in der von Ehrgeiz getragenen
körperlichen Grenzüberschreitung (Willi Sitte Abb.),
seiner gesundheitsfördernden Wirkung (Christine Richter
Abb.) oder in der reinen Freude an Spiel und Bewegung? (Bernd
Hertl: Am Strand. 1980,Öl auf Hartfaser)?
Die Ästhetik vollendet kraftvoller Körperbeherrschung
(Karl Hillerts Plastik „Torso Daniel“ von 1986),
die Eleganz der schnellen Bewegung, die absolute Konzentration
(Joachim Kaiser: Schachspieler, Terrakotta), der verbissene,
schmerzhafte Kampf, Stolz und Rausch des Sieges (Bernd Göbel
Abb.) und die Tränen der Niederlage (Steffen Volmer:
Der Zweite. Mischtechnik auf Papier, 1987) faszinieren Künstler
seit jeher. Und fernab der von Schlachtenbummlern aller Couleur
aufgeheizten Atmosphäre der großen Sportarenen
(Hans-Meyer Foreyth Abb.) steht über dem ländlichen
Spielfeld Gott-sei-Dank noch immer hoch ein Fußball
am Himmel, ohne den ein schöner Sonntag (Wolfgang Mattheuer:
Landschaft mit Fußball) ebenso wenig denkbar ist wie
ein Wochenende ohne Sportschau im Fernsehen (Joachim Scholz).
Die Sammlung „Sport in der Kunst“
Der überwiegende Anteil der ausgestellten Werke stammt
aus der Kunstsammlung der einstigen Deutschen Hochschule
für Körperkultur und Sport der DDR in Leipzig (DHfK).
1950 gegründet, erhielt sie zwischen 1952 und 1957 am
Elsterflutbecken südlich des heutigen Sportforums in
der Jahnallee einen großzügigen Neubaukomplex
(Entwurf Hanns Hopp und Kunz Nierade). Er widerspiegelt noch
heute in seinen klassizistisch beeinflussten Bauformen und
seiner von Anfang an reichen baukünstlerischen Ausstattung
anschaulich die Bedeutung, welche die Staatsdoktrin der jungen
DDR Körpererziehung und Sport als gesellschaftsbildender,
identitätsstiftender und internationale Anerkennung
ermöglichender Komponente beimaß.
Mit Beginn der 1960iger Jahre fanden unter dem Aspekt der
vermeintlich unmittelbar persönlichkeitsbildenden Wirkung
der Kunst zunehmend Gemälde und Plastiken Eingang in
die Foyers, Flure und Pavillons des Westflügels, so
dass hier erstmals tatsächlich eine Galerie entstand.
Werke, wie das zum Zeitpunkt seiner Entstehung 1959 stark
umstrittene Porträt des Radrennidols Gustav Adolf Schur
mit seiner Kindersportgruppe (Bert Heller Abb.) bezeugen
das Bemühen um künstlerische Qualität.
Der eigentliche Aufbau einer Lehrsammlung „Sport in
der Bildenden Kunst der DDR“ begann in den 1970iger
Jahren mit der Gründung des Bereich Sportästhetik.
Dank bester Kontakte zu staatlichen Stellen standen stets
reichlich Geldmittel zur Verfügung, um zielgerichtet
Auftragswerke zu erteilen und über den Staatlichen Kunsthandel
oder direkt von den Künstlern Ankäufe zu tätigen,
die auch heutigen Qualitätsmaßstäben standhalten.
1991 wurde die DHfK als selbständige Hochschule geschlossen
und mit veränderten Strukturen als Sportwissenschaftliche
Fakultät der Universität angegliedert. Die Kunstsammlung
der DHfK wird seitdem als abgeschlossener historischer Bestand
von der Kustodie betreut. In Ergänzung des Bestandes
wurde 2000 ein umfangreiches Konvolut an thematisch passenden
Kunstwerken als Dauerleihgabe aus dem Kunstfond des Freistaates
Sachsen übernommen. Auch Schenkungen und kleinere Neuankäufe
erweiterten das Spektrum der Sammlung.
Doch es lohnte auch ein „sportlicher Blick“ auf
die „eigenen“ umfangreichen Bestände. So
werden als älteste Stücke auch einige bereits um
die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Blätter aus
der Sammlung historischer Bilderbögen zu sehen sein. |