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Kunstsammlung im Rektoratsgebäude

600 Jahre Kunst der Universität Leipzig

Der Kunstbesitz der Universität Leipzig umfasst Werke europäischer Malerei, Skulptur, Graphik sowie Kunsthandwerk des 14. bis 20. Jahrhunderts, die facettenreich die wechselvolle, über sechshundertjährige Geschichte der zweitältesten Hochschule Deutschlands widerspiegeln. Die weniger planvoll aufgebaute als vielmehr historisch gewachsene Sammlung ist als Gesamtzusammenhang bedeutsam und umfasst zugleich bedeutende Einzelstücke. Die Ausstellung im Erdgeschoss des Rektoratsgebäudes verbindet einen Rundgang durch die Geschichte der Alma mater mit einem Querschnitt durch die Sammlung. Die Auswahl aus den reichen Beständen verknüpft kunsthistorische mit universitätsgeschichtlichen Überlegungen.

Die Sonderschau "Die Universität Leipzig und die Reformation" kann noch bis Jahresende innerhalb der regulären Öffnungszeiten besichtigt werden.

Zepter der Universität Leipzig

Die Frühzeit der Universität

Historisch geht die Universität Leipzig auf die Universität Prag zurück: Nachdem deutsche Professoren, Magister und Studenten aufgrund politischer Benachteiligung von dort in Richtung Sachsen ausgezogen waren, gründeten sie in Leipzig 1409 mit päpstlicher Erlaubnis und landesherrlicher Förderung eine neue Hochschule. Friedrich IV. der Streitbare und Wilhelm II. schenkten Immobilien und gewährten das Recht auf Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit. Den Sonderstatus der Universität verkörpern u. a. die Insignien, darunter das Zepterpaar von 1476 und das kleine Rektorsiegel von 1592. Nach dem Vorbild Prags gliederte sich auch die neue Universität in vier Fakultäten und vier Nationen. Von letzteren künden vier Wappenschilde des 17. Jahrhunderts aus der "Nationenstube" (Aula).

Viele Aspekte der Universitätsgeschichte sind heute nur mehr in ihrer Kunstsammlung erfahrbar. Von den ursprünglichen Universitätsgebäuden bleibt keine Spur: Die Grundstücke wurden immer wieder neu überbaut. Erhalten sind jedoch einige Gemälde, Aquarelle oder Zeichnungen mit verschiedenen Gebäudeansichten. Die ältesten Kollegiengebäude befanden sich zwischen Schlossgasse und Petersstraße, wo der Rat der Stadt bereits vor der offiziellen Gründung den Magistern ein Gebäude zur Verfügung gestellt hatte. Später zum "Kleinen Fürstenkolleg" erweitert, beherbergte es ab 1508 die juristische Fakultät ("Petrinum", ab 1881 "Juridicum"). In dem Gebäudekomplex zwischen östlicher Stadtmauer (heute Goethestraße) und der Ritterstraße entstand als Sitz der Artistenfakultät das "Große Fürstenkolleg" mit Studentenwohnungen (Bursen) und einem großen, auch als Aula ("Nationenstube") genutzten, beheizbaren Hörsaal (Vaporarium), ferner das "Neue Kolleg" bzw. "Rote Kolleg".

Epitaph für den Magister Goritz (Ausschnitt)

Reformation und Barock

Die Reformation 1539 bescherte der Universität eine räumliche Erweiterung: Im Jahre 1543 schenkte Kurfürst Moritz das säkularisierte Dominikanerkloster St. Paul südlich der Grimmaischen Straße - heute der Bereich zwischen der Grimmaischen Straße, Universitätsstraße, Augustusplatz und Moritzbastei. Von der reichen Ausstattung des Klosters zeugen wertvolle mittelalterliche Bildwerke, wie die Holzskulptur des lehrenden Thomas von Aquin und eine beidseitig bemalte Altartafel, beide um 1400. Von der engen Verbindung der Universität zur Reformation künden zahlreiche Luther- und Melanchton-Bildnisse, protestantische Lehrbilder wie Christus und die Kindlein aus der Werkstatt Lucas Cranach d. Ä., und großformatige Gemälde-Epitaphien, wie jenes für Johann Goritz von 1553.

Für die aufstrebende Universität stellte einerseits der Erwerb der bedeutenden Klosterbibliothek eine entscheidende Verbesserung des Lehrbetriebs dar. Andererseits bot das Kloster Platz für neue Auditorien, Refektorien und Dormitorien. Die zum Kloster gehörige, 1240 geweihte Paulinerkirche wurde nach ihrer Umgestaltung in eine protestantische Predigtkirche 1545 feierlich als Universitätskirche in Besitz genommen. Im Kirchenraum fanden feierliche Disputationen und Promotionen der Fakultäten sowie Bestattungen der Universitätselite statt. Bis ins späte 18. Jahrhundert diente die Kirche als Grablege. So entstand ein bedeutendes Ensemble neuzeitlicher Epitaphien, das auch später als Ort der Erinnerung und Selbstvergewisserung fungierte, bis die Kirche 1968 sozialistischen Städtebauplänen weichen musste. Die wertvolle Ausstattung jedoch konnte weitgehend geborgen werden.

Das Hauptgebäude von A. Roßbach

Die Landesuniversität

Ab 1830 wurde die Universität Leipzig in eine moderne Landesuniversität umgestaltet. Dies ging mit einer regen Bautätigkeit einher, die durch zahlreiche Stadtansichten dokumentiert ist. Zwischen 1830 und 1836 entstand nach Entwürfen A. Geutebrücks ein Hauptgebäude am Augustusplatz (Augusteum). Die Skulpturenausstattung von E. Rietschel (1801 - 1864), darunter der Fassadengiebel und ein Reliefzyklus in zwölf Tafeln für die Aula, ging 1944 verloren. Als einziges Baufragment des klassizistischen Hauptgebäudes blieb das "Schinkelportal" erhalten, das heute im Innenhof des Campus am Augustusplatz steht. Um 1900 folgte ein erneuter Bauschub. Am Augustusplatz wurde zwischen 1892 und 1898 nach Entwürfen A. Roßbachs das Augusteum Geutebrücks gründerzeitlich überformt: Neben einer neuen Fassade zum Platz hin erhielt er eine repräsentative Wandelhalle und eine größere Aula. Auch die neogotische Giebelfassade der Universitätskirche beruhte auf einem Entwurf Roßbachs.

Die Universität verfügt über zahlreiche Porträts und Büsten bedeutender Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen. Die Ordinariengalerie der Juristenfakultät ist vom 16. bis zum 19. Jahrhundert nahezu vollständig überliefert. Porträts zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten der Aufklärung, wie Moses Mendelssohn, Lessing oder Sulzer, umfasst die Gemäldesammlung des Leipziger Verlegers Philip Erasmus Reich, die als Schenkung seiner Witwe anlässlich des 500jährigen Jubiläum der Universität in die Sammlung gelangte. Aus der Porträtsammlung des 19. Jhs. sind u. a. das Porträt des Altphilologen Gottfried Hermann, gemalt 1841 von Vogel von Vogelstein, oder das Bildnis des Naturwissenschaftlers Gustav Theodor Fechner ausgestellt. Besonders eng war die Universität mit dem Leipziger Künstler Max Klinger (1857 - 1920) verbunden, der in der Sammlung mit der Marmorbüste des Psychologen Wilhelm Wundt vertreten ist. Trotz weitreichender Schäden im Zweiten Weltkrieg blieb von der Gebäudeausstattung des Augusteums vieles erhalten, so dass sich eine ganze Anzahl an Büsten bedeutender Wissenschaftler in der Sammlung befinden.

So finden Sie uns

Die Kunstsammlung befindet sich im Erdgeschoss des Rektoratsgebäudes an der Ecke Goethestraße/(Kleine) Ritterstraße, einem der ältesten Grundstücke der Universität. Das jetzige Haus wurde 1860/61 vom Universitätsbaumeister Albert Geutebrück (1801-1868) als "Königliches Palais" für die Aufenthalte des sächsischen Königs in Leipzig errichtet und 1895/96 im Inneren durch Arwed Rossbach (1844-1902) im Stil des Rokoko umgebaut.


letzte Änderung: 02.08.2017 

Kontakt

Kunstsammlung im Rektoratsgebäude
Ritterstraße 26
04109 Leipzig

Telefon +0049 0341 97 30 170
Telefax +0049 0341 97 30 179
E-Mail

Öffnungszeiten

Montag 11 bis 15 Uhr

Eintritt frei

ganzjährig geöffnet
an Feiertagen geschlossen

Besichtigung auch nach telefonischer Vereinbarung

Anmeldung für Führungen unter:
97-30170 oder per E-Mail

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