Baumkronenforschung
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Baumkronenforschung

Warum ?

Einer der Hauptgründe für die Erforschung der Baumkronen ist schlicht die menschliche Neugierde zusammen mit der Erkenntnis, dass weite Teile des Ökosystems Wald nicht oder nur schwer erreichbar sind. Hierraus resultierte schon früh der Drang, das Unbekannte zu entdecken und zu erforschen. So erkannten bereits Alexander von Humboldt und sein Gefährte Aimé Bonpland auf ihrer Reise durch Süd- und Mittelamerika, dass es in den Baumkronen tropischer Wälder eine ganz eigene Lebewelt gibt. Sie beobachteten und sammelten beispielsweise Orchideen und Bromelien, an umgestürzten Bäumen und erkannten, dass diese nur hoch oben in den Bäume gedeihen.

Die intensive biologische Erforschung der Baumkronen der Wälder oder auch einzelner Bäume begann aber erst Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. Hauptgründe hierfür waren die schlechte Erreichbarkeit der oberen Stockwerke eines Waldes womit oft eine Ignoranz der Forscher gegenüber dieses Lebensraums einher ging. Lediglich Vogelkundler richteten zuweilen ihren Blick nach oben und Förster erklommen mühsam einzelne Bäume um Saatgut zu gewinnen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der "Startschuss" der modernen Baumkronenforschung in den Tropen fiel.


Wie ?

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In den siebziger und achziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die alpine Kletterseiltechnik von den damaligen Pionieren der Baumkronenforschung, Donald Perry, Nalini M. Nadkarni (), Margaret D. Lowman () oder Andrew W. Mitchell in abgewandelter Form verwendet, um fast jeden beliebigen Baum zu erklimmen. In der Folgezeit wurden zuerst kleine Plattformen, später Hängebrücken, Seilbahnen und sogar Luftschiffe verwendet, um sich dem Kronenraum zu nähern. Perry war der erste, der in den Regenwäldern Costa Ricas eine deutliche Höhenzonierung bei waldbewohnenden Insekten (Bienen) nachweisen konnte, ein Phänomen, das seither vielfach beobachtet wurde. Perry errichtete außerdem eine Gondelbahn durch die Baumkronen eines Regenwaldes in Costa Rica (). Diese ökoturistische Projekt wurde mehrfach kopiert und brachte immense Einnahmen.

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1982 publizierte der nordamerikanische Insektenforscher Terry Erwin erstmals spektakuläre Ergebnisse zur Artenzahl von Insekten und Spinnetieren in den Kronen einer tropischen Baumart in Panama. Mit Hilfe einer ‚Rauchkanone’ nebelte er diese Baumart mit einem Insektizid ein, wodurch alle Insekten und Spinnen herunterfielen und er sie sammeln konnte. Er wiederholte seine Untersuchungen in anderen tropischen Ländern und erhielt ähnliche spektakuläre Resultate von denen nur einige wenige genannt seien. Er konnte auf einem einzigen Baum 1200 Käferarten feststellen von denen 162 ausschließlich an dieser Baumart leben. Ebenso konnte er auf einem einzigen tropischen Baum mehr Ameisenarten nachweisen, als es in Europa gibt. Diese und ähnliche Forschungsergebnisse führten zu einer völligen Neueinschätzung der globalen Artenvielfalt (Biodiversität). Ging man bislang von ca. 1,2 Millionen Arten von Lebewesen aus, die unsere Erde bevölkern, so mussten diese Zahl nach Erwins Untersuchungen erheblich nach oben korrigiert werden. Heute geht man von 5 bis 10 Millionen Arten aus. Extreme Schätzungen rechnen mit bis zu 30 Millionen Arten. Seit Erwins Untersuchungen gab es deutlich verstärkte Bemühungen, die belebte und unbelebte Welt der Baumkronen zu erforschen. Nach heutigem Kenntnisstand geht man davon aus, dass 40% aller landlebenden Arten in den Baumkronen der Wälder zu finden ist. Es ist ebenso davon auszugehen, dass de große Mehrzahl dieser Arten nie bekannt und beschrieben wird, da Ihr Lebensraum rapide verschwindet oder in einförmige Plantagen umgewandelt wird. Seit Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erregen die spektakulären Flüge des französischen Botanikers Francis Hallé mit einem bunten Heißluft-Luftschiff große Aufmerksamkeit (). Er begann mit ersten Expeditionen über den unberührten Regenwäldern Französisch Guyanas, gefolgt von Forschungsflügen über den Wipfeln von Gabun und Madagaskar. Neben Untersuchungen zur Biologie, Ökologie und Genetik von Regenwaldbäumen, Lianen und Aufsitzerpflanzen (Epiphyten), galt seine Aufmerksamkeit v.a. dem Entdecken bioaktiver Substanzen, die für der pharmazeutische Forschung aber auch für die Parfumindustrie von großer Bedeutung sind. Er konnte z.B. feststellen, dass die Konzentration solcher Substanzen im Kronenraum wesentlich höher ist als im Waldesschatten. Das Luftschiff wird gegenwärtig im Rahmen des Verbundprojekts IBISCA () eingesetzt. Ab 1990 wurden Konstruktionskräne für Forschungszwecke aufgestellt. Nähere Information hierzu finden Sie unter Forschungskräne weltweit().