Alter(n) und Medien

Wird in der deutschsprachigen Medienforschung und -praxis der Stellenwert von Digitalisierung und Vernetzung von Lebensräumen im höheren Lebensalter thematisiert, so geschieht dies häufig unabhängig von den Bedürfnislagen, Voraussetzungen und Interessen älterer Menschen. Dort, wo begründet wird, warum das Internet für diese so bedeutsam sei, geht es vor allem um eine Anpassung an konstatierte gesellschaftliche Erfordernisse, so etwa die Fitness für die Wissensgesellschaft, die Überwindung der digitalen Spaltung oder die Vorteile des Internets mit Blick auf Informationsvielfalt und komfortablem Zugriff.

Perspektiven der Überwindung einer solchen Vergegenständlichung des Alter(n)s nehmen ihren Ausgang an der Lebenswelt der Beforschten. Hier gilt es zu fragen, was Alter(n) in mediatisierten Welten für die beteiligten Akteure eigentlich selbst bedeutet, wie ältere Menschen in mediatisierten Welten agieren, inwiefern sie vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen und Lebensgeschichte Medienformate reflektieren und welchen Stellenwert insbesondere die Digitalisierung und Vernetzung für Artikulation, Selbstbestimmung und kulturelle Teilhabe im höheren Lebensalter haben und haben können.

Das dem Projekt „Alter(n) und Medien“ zu Grunde liegende medienpädagogisch begründete Erkenntnisinteresse zielt auf die Verwirklichung medialer Partizipation durch das Ausloten medialer Möglichkeitsräume in einem wissenschaftlich begleiteten Praxisprojekt. Seit Mai 2009 werden in regelmäßigen Arbeitstreffen mit älteren (Frauen und Männern im Alter zwischen 62 und 74 Jahren) und jungen Projektteilnehmer/innen (Studierende der Medienbildung und Medienpädagogik im Alter zwischen 20 und 25 Jahren) nicht nur basale Umgangsweisen mit digital-vernetzten Medien in aktiver Medienarbeit gelernt, sondern zugleich inhaltliche Aspekte der Netzwerkartikulation besprochen, diskutiert und in Bezug auf multimodale Ausdrucksmöglichkeiten umgesetzt. Wir setzen dabei, den Ansatz der Handlungsorientierten Medienpädagogik konsequent verfolgend, am von den Akteuren selbst empfundenen Medienumgangs- und Gesprächsbedarf an. Methodisch wird der Prozess der gruppenbezogenen Medienarbeit im Rahmen der Verschränkung einer Offline-Online-Ethnografie begleitet. Die Sitzungen werden dokumentiert und von allen Akteuren (Senior/innen, Studierende, Forschungsteam) in Tagebüchern protokolliert und reflektiert.

Projekt im Masterstudiengang

studentische Ansprechpartnerin im Masterstudiengang:
Franziska Buschhaus; E-Mail franziska.buschhaus@gmx.de