Gesetz der Rache
16. November 2009 von Frank
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Kinostart: 19. November 2009 |
„Scheiß auf seine Bürgerrechte!“ Was haben US-Amerikaner nur für ein Problem, das Hollywood in schönen Abständen die Antithese zum Rechtsstaat verfilmen muss und uns die guten alten Werte aufs Auge drückt: Familie, Heimat, Arbeit. Das Gesetz der Rache ist ein reaktionärer, brutaler und – auch das noch – langweiliger Film, der in politisch korrekter Manier eben diese Werte zelebriert und darum umso verlogener wirkt. Wenn wenigstens Mel Gibson mitspielen würde. Den gibt hier aber Gerard Butler (300, ROCKNROLLA) und es ist ja nicht mal so, dass er die Figur des rachsüchtigen Clyde Shelton schlecht spielen würde, aber der ganze hohle Plot, das Pathos der Inszenierung und die Eindimensionalität der Charaktere lassen nur Raum für laute Auftritte, die die ideologischen Suggestionen kaschieren sollen. Denn was will mir solch ein Film sagen? Dass ich voll unbändiger Wut wäre, wenn mir wiederführe, was die Figuren durchmachen? Dass es ja vollkommen in Ordnung wäre Rache zu üben, aber bitte nicht so dolle? Zur "Klärung" dieser Frage eine vollkommen überkonstruierte Geschichte aufzubauen ist hier einmal mehr vollkommen misslungen.
Doch zur Story: Clyde Shelton ist ein ehrbarer white-collar-worker, mit Frau und Kind im schönen Heim. Gleich zu Beginn dürfen wir und er Zeugen werden, wie zwei schmierige, zugedröhnte Kleingangster mit Baseballschlägern seine Tür eintreten, Frau und Tochter schänden, anschileßend abstechen und ihn blutend liegen lassen Doch nicht genug der Zornesmotivation: die Polizei ist anscheinend zu dämlich, DNA-Beweise ordentlich zu erheben, denn wegen der im Justizsystem tradierten „Ausschlussregel“ sind die vor Gericht nicht zulässig und der Haupttäter kann mit einem Kuhhandel, der seinen Komplizen auf den Stuhl schickt, mit einer niedrigen Haftstrafe davonkommen. Diese offensichtliche Schlamperei bekommt Clyde vom netten Anwalt Nick Rice (Jamie Foxx, RAY) verklickert, der insgeheim natürlich seine Wut teilt, aber eben nichts machen kann. Jahre später beginnt Clyde schließlich, erst den aus der Haft entlassenen Vergewaltiger und Mörder und anschließend das gesamte im Prozess involvierte Justizpersonal mit kleinen fiesen Gimmick wie einem explodierenden Handy, niederzumeucheln. An Ersterem lässt er seiner Wut freien Lauf und so darf man mitansehen, wie er den mittels eines Giftes Paralysierten in handliche Portionen schneidet, so dass der alles mitbekommt, damit er auch lernt, dass man nicht mordet. Doch nicht genug der Perfidie. Clyde lässt sich festnehmen und dirigiert vom Gefängnis aus seine Mordmanöver, um zu erzwingen, dass eine Änderung besagter Klausel vorgenommen wird, wofür er im Obamaesken Rice den passenden Hoffnungsträger erblickt.
Es grenzt wirklich an Unerträglichkeit, sich diesen Stuss anzuschauen. Warum nur Jamie Foxx und andere eigentlich sympathische Darstellerkollegen (Colm Meaney, FISH AND CHIPS, Bruce McGill, ANIMAL HOUSE) – Frauen spielen hier eine Nebenrolle, is ja auch ein Männerfilm – sich dafür hergegeben hat, bleibt schleierhaft. Das PR-Material nennt Komplexität und Unwägbarkeit als Qualitäten des Films. Wenn das schon komplex ist, dann müssten sämtliche Chuck Norris-Filme ein Prädikat zuerkannt bekommen und sollten nur an höheren Lehranstalten bekannt sein. Was hier an Komplexitätsreduzierung und Unlogik dargeboten wird, ist kaum zu übertreffen. Denn wie Clyde eigentlich die ganzen Attentate organisiert hat und wer ihm dabei hilft, bleibt ungesagt. Er kann es halt einfach und seine Motivation verharrt in ihrer Eindimensionalität. Dabei wäre die Grundidee vom „LAW ABIDING CITIZEN“, wie der Film im Original heißt, eigentlich gar nicht so grottig: Was wäre, wenn der "normale" WASP (White Anglo-Saxon Protestant) mal zur Abwechslung die eigentliche Gefahr ist? Aber das haben wir schon mal in FALLING DOWN gesehen, und zwar um ein Vielfaches besser als in diesem 08/15-Blockbuster.
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