Whatever Works
27. November 2009 von Charlott
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Kinostart: 3. Dezember 2009
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Woody Allen ist zurück in heimischen Gefilden. Nach fünf langen Jahren in Europas Großtsädten, meldet er sich mit einem Tribut an seine Heimatstadt zurück. Yeah, New York. Allen lässt "seine" Stadt im besten Licht brillieren, die Charaktere seines neuesten Films "Whatever Works" dagegen sind verschwurbelt wie immer, jedoch nicht weniger sympathisch. Boris Yellnikov (Larry David) ist das Paradebeispiel eines Misanthropen: jedem gegenüber verachtungsvoll (selbst seinen Freunden), unfreundlich bis auf die Knochen, man möchte meinen er habe den Nihilismus mit der Muttermilch aufgesaugt. Selbst Molieres Menschenfeind ist dagegen ein gutmütiger Zeitgenosse, gar Hedonist. Auf diesen zwar hochintelligenten (ihm wurde fast der Nobelpreis verliehen), aber unwirschen, alten Kautz, der seine perfekte Ehe hinwarf, um nach einem Selbstmordversuch dem Tod von der Schippe bzw. dem Vordach des Hauseinganges zu springen, trifft eines Abends das knapp 20-jährige Landei Melodie (Evan Rachel Wood). Ausgehungert und abgemagert, nicht nur körperlich, auch psychisch. Die etwas dumme Nuss spornt Yellnikov zu zynischen Glanzleistungen und höhnischen Bemerkungen über seine Mitbürger an, aber nimmt sie dennoch zu sich auf, denn wie viele andere, lässt auch sie sich nicht davon abbringen ihr Glück im Big Apple zu suchen. Mit wunderlichen Wendungen für die Beziehung dieses ungleichen Paars. Woody Allen ist immer noch der „king of the hill”. Mit seinen 74 Jahren gehört der Großstadtvagabund immer noch zu den besten Regisseuren und Schreibern der Welt. Nach seinem albernen SCOOP, fand er mit VICKY CRISTINA BARCELONA schon zu alter Stärke zurück. Ein leichtfüßiger, lebendiger, wortwitziger hinreißend besetzter Abstecher nach Spanien, der auf mehr hoffen ließ und wohl auch durch den fehlenden, obligatorischen Auftritt des Meisters selbst erfrischend überzeugte. Und nun „Whatever Works“, eine Hommage an sein Old New York, die Menschen, die Liebe, besonders die, in all ihren Facetten. Denn obwohl Yellnikov wohl der misanthropischste Antiheld der Filmgeschichte ist, so entwickelt er doch seltsame Gefühle für die lebensfrohe Melodie, die Boris´ Abhandlungen über Quantenphysik und Logik beim Schachspielen in ihrer eigenen, begrenzten Weise wiedergibt und ihre Umwelt mit wirren Aussagen über Gott und die Welt verblüfft. “That’s why I can’t say enough times, whatever love you can get and give, whatever happiness you can filch or provide, every temporary measure of grace", sagt Boris in einer Szene, "whatever works” – wie immer es euch gefällt. Das ist nicht neu bei Allen, die meisten seiner Filme handeln von unkonventionellen zwischenmenschlichen Beziehungen, wie zuletzt die Dreier-Beziehung in VICKY CRISTINA BARCELONA. Nur diesmal ist das Motto Lebensstil. Denn nachdem Boris und Melodie heiraten, suchen Melodies erzkonservative, getrennt lebenden Elternteile ihre Tochter auf – mit New York-typischen Folgen (und Allen-typischen Seitenhieben auf das hippe Großstadtleben) für die unterdrückten, erzkonservativen Seelen der Südstaatler – eine Lehrstunde in angewandtem Hedonismus. Und eine Lehrstunde im Auswählen der Schauspieler. Allen voran der grandiose Larry David, der bereits mit SEINFELD und CURB YOUR ENTHUSIASM sein komödiantisches Talent unter Beweis stellte, und dem Allen grandiose One-Liner in den Mund legte. Man möchte David in seiner Rolle meistens nur schallend lachend in den Arm nehmen und ihm ins Ohr flüstern, dass alles gar nicht so schlimm sei, aber man würde womöglich im nächsten Moment ein Schachbrett um die eigenen Ohren geschlagen und einen Vortrag über die primitive Existenz der Menschen gestandpaukt bekommen. Evan Rachel Wood dagegen brilliert als einfühlsamer Gegenpol, der ein Hieb mit dem Schachbrett ab und an gar nicht so schlecht bekäme. Und auch die Nebenrollen sind mit Patricia Clarkson und Ed Begley Jr. als Melodies Eltern großartig besetzt. “I’ll make a brand new start of it”. Verziehen sei Allen der Abstecher nach Europa, der mit VICKY CRISTINA BARCELONA einen würdigen Abschluss fand. Der Altmeister ist eben doch am besten in New York, seinem Pflaster, dass er den Zuschauern von seiner besten und irrwitzigsten Seite zeigen kann. Die brillianten Dialoge, erstklassigen Schauspielerleistungen und Geschichten über misanthropische Anti-Helden, hedonistische Land-Eier und die unerforschten Beweggründe der Liebe, allen voran der des grantligen Alten zur mysteriösen Schönen, machen „Whatever Works“ zu einem der besten Filme Allens. 5/5 |
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