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Pressemitteilung 110/2009 vom 10.05.2009

Bereich: Hochschulpolitik, Statements, Jubiläum 2009
Sachgebiet: fachübergreifend

"Ganz Sachsen ist stolz auf 600 Jahre Universität Leipzig" - Eröffnungskonzert zum 600. Jubiläum

 

Rektor Prof. Dr. Franz Häuser spannte in seiner Rede den Bogen vom Auszug der nichtböhmischen Studenten aus Prag bis hin zu aktuellen Anforderungen der Wissenschafts- und Bildungspolitik.<br />
Foto: Tom Schulze
Rektor Prof. Dr. Franz Häuser spannte in seiner Rede den Bogen vom Auszug der nichtböhmischen Studenten aus Prag bis hin zu aktuellen Anforderungen der Wissenschafts- und Bildungspolitik.
Foto: Tom Schulze

Mit einem glanzvollen Festkonzert ist am Samstagabend das 600. Jubiläum der Universität Leipzig im Gewandhaus eröffnet worden. "Wissenschaft wirkt langfristig, deswegen sind Universitäten auf Tradition gebaut", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich zum Auftakt des bis Mitte Dezember dauernden Veranstaltungsreigens Deutschlands zweitältester Universität. "Ohne starke, exzellente, gut ausgestattete Hochschulen hat man keine Chance im Wettbewerb der Städte", so Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.


"Suchte man aufzuzählen, was Europa in den Schatz der Weltkultur eingebracht hat, was zu den unverzichtbaren Elementen einer modernen Gesellschaft gehört, was den Stolz einer Stadt und eines Landes ausmacht, die Universität würde mit Sicherheit genannt." - Mit diesen Worten des ehemaligen sächsischen Wissenschaftsministers Professor Hans Joachim Meyer anlässlich der Einführung des ersten Rektors, Prof. Dr. Cornelius Weiss, nach der politischen Wende im Jahr 1991 vergegenwärtigte Häuser den Stellenwert der Universität für die Bildungs- und Ausbildungsgeschichte.

Der 979. Rektor in der 600-jährigen Geschichte der Universität Leipzig spannte in seiner Rede - passend zum musikalischen Rahmen - den Bogen von der Gründung der Alma mater Lipsienis anno 1409 bis heute. Unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm boten Universitätschor, Universitätsorchester, Uni-Big-Band, die Capella Fidicinia und das Pauliner Barockensemble musikalischen Genuss aus sechs Jahrhunderten.

Aber auch die Herausforderungen durch die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master nach dem Bologna-Modell, die auch während des Festkonzertes von Studierenden mit einem spontanen Redebeitrag kritisiert wurde, sprach Häuser offen an: "Wir wissen, dass der Prozess noch nicht abgeschlossen und schwierig ist." Nach wie vor sei die Öffnung zur Welt, zur scientific community, die Internationalisierung von Studentenschaft und Lehrkörper, ein vorrangiges Ziel.

Der Sprecher des StudentInnenRates (StuRa), Thomas Dudzak, kritisierte den Hochschulpakt 2020, der die ursprünglichen Bemühungen der Bologna-Reform konterkariere. Danach verpflichten sich die Hochschulen, die Zahl der Erstimmatrikulierten bis 2010 auf dem Stand von 2005 zu halten - ein Rekordjahr an der Universität Leipzig. Nun sei die Universität in der Zwickmühle und müsse Studenten über ihre Kapazitäten aufnehmen, sonst drohten weitere Kürzungen.

Ministerpräsident Tillich signalisierte den Hochschulen in seiner Ansprache mehr Autonomie - "damit immunisieren wir sie gegen politische Schnellschüsse". Tillich weiter: "Gute Bildung und exzellente Fachkräfte sind unsere Zukunft. Deshalb stehen wir zu unserem Versprechen: Keine Studiengebühren bis zum Masterabschluss." Er wünschte der Universität eine weiterhin anhaltende Blüte und beendete sein Grußwort mit den Worten: "Ganz Sachsen ist stolz auf 600 Jahre Universität Leipzig."

An seine Studienzeit gern zurück erinnerte sich Oberbürgermeister Burkhard Jung - "die schönste Experimentierphase in meinem Leben". Er appellierte an die akademische Gemeinschaft, wieder das geistige Zentrum zu werden, das Leipzig im 19. und 20. Jahrhundert groß gemacht habe. "Ich wünsche mir eine Universität, die sich mit Lehrenden und Studierenden ins städtische Leben einmischt und einbringt." Wer unter den Studenten Kritik an der 600-Jahrfeier übt, denkt seiner Meinung nach zu kurzfristig. "Wir müssen dieses Jubiläum nutzen, um in den internationalen Blickpunkt zu kommen."

Der Rektor der Karls-Universität Prag, Prof. Dr. Václav Hampl, rückte "Die europäische Universitätsgemeinschaft: acht Jahrhunderte freier Kultivierung des Intellekts und des Dienstes an der Gesellschaft" in den Mittelpunkt. Sein Credo: "Jede Gesellschaft braucht gute Schlosser und Maler (...), benötigt aber auch ein exzellentes Umfeld und außerordentliche Persönlichkeiten, die in der Lage sind, in der Weite des globalen Horizonts zu denken und zwar mit einem Zeitvorsprung von mehreren Jahren." Das älteste Siegel der Prager Universität zeuge von der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden als Gemeinschaft Interessierter. "Und das ist nicht nur die Gemeinschaft einer einzigen Universität, sondern spätestens seit dem Beginn des Bologna-Prozesses, eine Gemeinschaft von Universitäten aus 46 Ländern." Ohne eine intensive Zusammenarbeit der Partneruniversitäten beziehungsweise aller europäischer und in der Perspektive aller Universitäten weltweit seien die Herausforderungen der kommenden Jahre nicht zu lösen.

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letzte Änderung: 28.07.2017 

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