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Pressemitteilung 005/2015 vom 13.01.2015

Bereich: Forschung, Statements
Sachgebiet: Sprache / Literatur

Projekt zur Erforschung der Sprache in den Geisteswissenschaften gestartet

 

Das Herder-Institut der Universität Leipzig untersucht in einem neuen Projekt erstmals systematisch die Sprache der Geisteswissenschaften. Zum 1. Januar 2015 startete es unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Fandrych. Das auf drei Jahre angelegte Vorhaben wird im Rahmen des Programms "Geisteswissenschaftliche Forschung" vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) gefördert.


"In der Wissenschaft ist Sprache nicht nur ein Instrument, um Sachverhalte zu vermitteln, sondern spielt für das wissenschaftliche Denken eine konstitutive Rolle. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Geisteswissenschaften, da hier selbst die Gegenstände der Forschung größtenteils sprachlich verfasst sind", erklärt Fandrych. Die disziplinübergreifend verwendete Sprache der Geisteswissenschaften, zu der beispielsweise Ausdrucksformen des Voraussetzens, Begründens, Folgerns, Ableitens, Einschränkens, Übertragens und Vergleichens, des Benennens und Bestimmens gehören, spiegelt dabei in besonderem Maße die in Sprache niedergelegten Erkenntnisprozesse wieder. "Diese Ausdrücke sind selbst Zeugnis von vergangenen und gegenwärtigen Vorstellungen von Wissenschaft und wissenschaftlichem Arbeiten. Eine Dokumentation und sprachwissenschaftliche Untersuchung dieses Ausdrucksinventars auf größerer empirischer Basis fehlt bisher", erklärt Fandrych. Da diese Sprache disziplinübergreifend ist, fungiere sie zudem als Bindeglied zwischen den einzelnen geisteswissenschaftlichen Fächern.

"Das Projekt schafft eine wertvolle Ausgangsbasis für ein besseres Verständnis der Sprachgebundenheit geisteswissenschaftlicher Erkenntnisprozesse", sagt der Forscher. So könne die wichtige Rolle von Sprache in der Wissenschaft auch der Gesellschaft vermittelt werden. Dies sei nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Etablierung des Englischen als globalem Verständigungsmittel in den Wissenschaften wichtig, denn so biete sich ein Ansatzpunkt, die Leistungsfähigkeit der deutschen allgemeinen Wissenschaftssprache für die Geisteswissenschaften näher zu bestimmen. Auch die Frage nach der besonderen Sprachgebundenheit dieser Fächergruppe spiele in diesem neuen Projekt eine wichtige Rolle. "Damit fragen wir auch: Was verlieren wir, wenn wir das Deutsche etwa zugunsten einer universalen Wissenschaftssprache aufgeben?", erläutert Fandrych.

Das Projekt wird einen wichtigen Beitrag zum neuen Forschungsprofilbereich "Sprache und Kultur im Digitalen Zeitalter" der Universität Leipzig leisten. Zugleich baut es den am Herder-Institut bestehenden Schwerpunkt zur Wissenschaftssprachforschung weiter aus.

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letzte Änderung: 13.12.2017 

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