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Nachricht 309/2017 vom 05.12.2017

Bereich: Forschung
Sachgebiet: Biowissenschaften

Kulturfolger sind in Übersee erfolgreicher

 

Immer mehr Pflanzenarten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Häufig ist aber unklar, welche Faktoren darüber entscheiden, ob sich Pflanzen woanders dauerhaft ansiedeln können. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universitäten Wien, Konstanz und des Forschungszentrums iDiv zeigt nun erstmals, wie die Bindung an unterschiedliche Lebensräume die vom Menschen verursachte Ausbreitung europäischer Pflanzenarten auf andere Kontinente steuert. Die Forschungsergebnisse erscheinen aktuell im renommierten Wissenschaftsjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences".


Mehrere Studien in den letzten Jahren haben eindrücklich gezeigt, dass die Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten durch den globalen Handel in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen hat. So sind bis heute weltweit über 13.000 Pflanzenarten vom Menschen in andere Regionen verbracht worden, davon stammen immerhin über 2.500 aus Europa. Zum Vergleich: In ganz Europa sind nur etwa 12.000 Pflanzenarten heimisch, in Österreich sind es etwa 3.000 Spezies.

"Wir haben zum ersten Mal umfassend die Rolle der Bindung von Pflanzen an unterschiedliche Lebensräume im Heimatgebiet für ihre Ausbreitung untersucht. Unsere Hypothese war, dass dieser Faktor entscheidend für die Verbringung von Pflanzenarten ist", erklärt Franz Essl von der Universität Wien. Das internationale ForscherInnenteam hat das Vorkommen für 9.875 aus Europa stammenden Pflanzenarten - wovon bislang über 2.500 sich auf andere Kontinente eingebürgert haben - in verschiedenen Lebensräumen dokumentiert. In der Folge untersuchten sie, ob die Ausbreitung in anderen Kontinenten für Pflanzenarten bestimmter Lebensräume besonders stark war. 

Das Ergebnis der Studie war eindeutig. Jene Arten, die in Europa in stark vom Menschen veränderten Lebensräumen wie Äckern oder Brachflächen in Städten vorkommen, waren äußerst erfolgreich bei der Eroberung anderer Kontinente. Mehr als 40 Prozent der in Europa in diesen Lebensräumen vorkommenden Pflanzenarten sind mittlerweile auf andere Kontinente verschleppt worden. Beispiele für solche Arten sind das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) oder die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata). Die Knoblauchsrauke wurde von europäischen Siedlern in den 1860er Jahren als Gewürzpflanze nach Nordamerika gebracht. Da sie für die meisten amerikanischen Fressfeinde ungenießbar ist, konnte sie sich stark ausbreiten und wurde zum Problem. "Das Risiko, dass eine Art aus einem durch den Menschen geprägten Lebensraum in Europa auch in Nordamerika sesshaft und später invasiv wird, ist doppelt so hoch wie bei Pflanzen aus naturbelassenen Lebensräumen", erklärt Dr. Marten Winter vom Forschungszentrum iDiv und der Universität Leipzig, einer der Mitbegründer der GloNAF-Datenbank. GloNAF steht für "Global Naturalized Alien Flora" - also für gebietsfremde Pflanzenarten - und hat sich seit der Gründung 2011 zu einer wichtigen Basis für solche Studien entwickelt. 

"Im Zuge der Kolonialisierung anderer Erdteile haben Europäer viele Pflanzen in andere Erdteile 'exportiert'. Dies geschah oft unabsichtlich - etwa mit verunreinigtem Saatgut", erläutert Franz Essl. Und er ergänzt: "Pflanzenarten, die in Europa schon in vom Menschen veränderten Lebensräumen heimisch waren, hatten dabei einen Startvorteil: Sie wurden öfters verschleppt und fanden in den neu zu besiedelnden Regionen ideale Lebensbedingungen vor". Diese Studie zeigt, dass die biologische Globalisierung manche Pflanzenarten besonders begünstigt - nämlich solche, die es geschafft haben, vom Menschen geschaffene Lebensräume zu erobern.

Original-Publikation:
Kalusova V, Chytry M, van Kleunen M, Mucina L, Dawson W, Essl F, Kreft H, Pergl J, Weigelt P, Winter M, Pyšek P (2017) "Naturalization of European plants on other continents: the role of donor habitats. Proceedings of the National Academy of Sciences

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letzte Änderung: 11.12.2017 

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