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Pressemitteilung 217/2010 vom 11.08.2010

Bereich: Forschung, Personalia
Sachgebiet: Mathematik / Informatik

"Laborjournal"-Ranking unterstreicht: Leipzig ist Zentrum für Evolutions- und Strukturbiologie

 

Zwei aktuelle Ranglisten unterstreichen es: Leipzig ist zu einem Zentrum der Evolutions- und Strukturbiologie geworden, das nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern durchaus auch im internationalen Vergleich vorzeigbar ist. Deutlich wird das unter anderem daran, dass Peter Stadler, Professor für Bioinformatik am Institut für Informatik, in der Fachzeitschrift "Laborjournal" mit 2.731 Zitierungen und 76 Artikeln Platz 1 im Ranking für Strukturbiologie sowie mit 2.655 Zitierungen und ebenfalls 76 Artikeln den 2. Rang im Bereich Evolutionsbiologie einnimmt. Hinzu kommen weitere Zitierungen von Artikeln aus dem ausgewerteten Zeitraum von 2004 bis 2007, an denen Stadler oder Mitarbeiter seiner Professur maßgeblich mitgewirkt haben.


Hauptthema der viel zitierten Arbeiten waren und sind Ribonukleinsäuren und hier vor allem sogenannte nicht-kodierende RNAs (ncRNAs), also "Gene", die letztlich nicht für Proteine kodieren, sondern ihre Funktion bereits auf der Ebene des Transkripts, also der RNA, ausführen. Viele dieser ncRNAs bilden nach Stadlers Worten stabile Strukturen aus, die als Muster von Basenpaaren verstanden werden. "Diese Sekundärstrukturen können nun mit geeigneten Algorithmen effizient vorhergesagt werden, wie sie auch von meiner Arbeitsgruppe mitentwickelt werden; umgekehrt kann man die Konservierung der Struktur über lange evolutionäre Zeiträume - etwa innerhalb der Säugetiere oder gar innerhalb aller Wirbeltiere - benutzen, um neue RNA-Gene durch Vergleich von genomischen DNA-Sequenzen vorherzusagen", berichtet der Bioinformatiker aus seiner für den Laien nur schwer nachvollziehbaren Arbeit. Doch nicht nur mit seiner Arbeitsgruppe, auch im Zuge internationaler Zusammenarbeit entstanden zitierte Arbeiten. "Im Rahmen des ENCODE-Konsortiums, das die Charakterisierung aller Gene im menschlichen Genom zum Ziel hat, haben wir dazu beigetragen zu zeigen, dass Säugetiere unerwartet viele und unerwartet komplexe RNAs produzieren, von denen der Löwenanteil nicht für Proteine kodiert." Lohn der Mühen war ein Artikel im renommierten Fachblatt "Nature", der allein auf fast 760 Zitierungen kam.

Dass die Leipziger Bioinformatiker so häufig zitiert werden, liegt nach Stadlers Worten unter anderem daran, dass er hier gezielt ein interdisziplinäres Team aufgebaut hat, in dem Informatiker, Genetiker, Physiker, Molekularbiologen, Biologen, Chemiker und Mathematiker an verschiedenen Aspekten von Fragestellungen der molekularen Evolution arbeiten. "Diese sehr interdisziplinäre Arbeitsgruppe bringt eine so breite Expertise in einer Arbeitsgruppe zusammen, die sonst kaum irgendwo im Kleinen verfügbar ist", unterstreicht Stadler. Zudem sind er und sein Team gut in das Interdisziplinäre Zentrum für Bioinformatik eingebettet und arbeiten eng mit den Bioinformatikern des LIFE Zentrums zusammen. "Meine Arbeitsgruppe ist ausschließlich theoretisch ausgerichtet. Im Gegensatz zum derzeitigen Trend haben wir keine eigenen Labors sondern pflegen stattdessen gezielt sehr enge Kontakte mit vielen Partnern sowohl lokal als auch weltweit."

Die stark theoretisch und methodisch orientierte Ausrichtung der Forschung der Leipziger Bioinformatiker erweist sich nach seiner Ansicht als besonderer Glücksfall. "Dadurch kann man früh unorthodoxe Fragen stellen und konkret bearbeiten, oft schon an Hand von bereits öffentlich verfügbaren Daten. Entsprechend sind viele der Publikationen aus meiner Gruppe theoretische Arbeiten, teilweise mathematische Grundlagen, und oft Beschreibungen von Werkzeugen, die uns letztlich auch in den 'sexy' Anwendungen einen methodischen Vorteil verschaffen, und es damit wohl auch für unsere Partner die Mühe wert machen, mit uns zusammenzuarbeiten."

Zudem versucht Stadler, gezielt auch Forschungsfelder zu betreten, in denen bis jetzt wenig Bioinformatik vertreten ist. "Gerade in diesen Bereichen ist es natürlich eine besonders spannende Herausforderung, die theoretischen und methodischen Grundlagen zu legen - und vielleicht interessante Entdeckungen zu machen." In dem Zusammenhang sei auch die neu eingerichtete Juniorprofessur für 'Bioinformatik der Evolutions- und Entwicklungsbiologie' an der Fakultät für Mathematik und Informatik zu sehen, für die eben ein Ruf an Dr. Sonja Prohaska aus Stadlers Arbeitsgruppe ergangen ist.

"Letztendlich ist der Erfolg meiner Arbeitsgruppe aber vor allem dem Engagement und Enthusiasmus meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken - numerisch drückt sich das auch im Ranking aus", fasst Stadler zusammen und fügt hinzu: "Natürlich sollte man Rankings nicht allzu ernst nehmen; die Zitations-Indizes sind bestenfalls ein sehr krudes Mittel, wissenschaftliche Produktivität zu messen. Es ist nicht so wichtig, an welcher Stelle man in so einem Ranking vorkommt, letztlich und langfristig zählt doch nur der Inhalt der wissenschaftlichen Arbeiten." Dennoch bleibt festzuhalten, dass man aus den beiden Rankings des "Laborjournals" durchaus ablesen kann, dass Leipzig eine besondere Stellung in der Evolutions- und Strukturbiologie einnimmt. "Das ist ein Erfolg der gesamten Forschungscommunity im Raum Leipzig, und für mich persönlich auch ein Auftrag."

Jörg Aberger

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letzte Änderung: 25.11.2017 

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