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Pressemitteilung 210/2017 vom 31.08.2017

Bereich: Forschung
Sachgebiet: Medizin / Gesundheitswissenschaften

Pilotstudie: Neuer Behandlungsansatz für Hepatitis B ermöglicht Heilung für viele chronisch infizierte Patienten

 

Hepatitis Viren greifen Leber an<br />Foto: Colourbox
Hepatitis Viren greifen Leber an
Foto: Colourbox

Auf Grundlage von Einzelfallberichten haben Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin erstmalig einen neuen Therapieansatz im Kampf gegen Hepatitis B im Rahmen einer Studie geprüft. Hierzu setzten sie im Rahmen einer kontrollierten Studie die Hepatitis B-Medikamente von Patienten ab, die schon seit vielen Jahren eine Dauertherapie erhalten hatten. Das Ergebnis überraschte: Die Hälfte der Teilnehmer wies nach zwei Jahren ohne Therapie normale Leberwerte auf und circa 20 Prozent der Patienten waren sogar geheilt. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im renommierten Journal of Hepatology veröffentlicht.


Hepatitis B zählt weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. So leiden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts etwa 240 Millionen Menschen an einer chronischen HBV-Infektion. In vielen Fällen ist eine medikamentöse Therapie inzwischen sehr erfolgreich: Die Virusvermehrung wird so meist komplett unterdrückt, das Risiko für eine Leberzirrhose und Leberkrebs wird deutlich gesenkt. "Allerdings begeben sich die Patienten in eine Dauertherapie und müssen lebenslang Medikamente einnehmen. Bislang traut sich niemand so recht, die Tabletten nach Jahren der Einnahme abzusetzen, weil man Reaktivierungen der Erkrankung fürchtet", sagt Prof. Dr. Thomas Berg, Professor für Innere Medizin an der Universität Leipzig und Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Ein Forscherteam unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Berg hat dies nun getan: In einer Pilotstudie setzten sie die Hepatitis B-Medikamente bei Patienten ab, die mindestens vier Jahre in Therapie waren und nicht an einer fortgeschrittenen Erkrankung litten. Sie wurden engmaschig über einen Zeitraum von zwei Jahren untersucht. "Die Fallzahl unserer Studie war zwar nur klein, dennoch konnten wir zeigen, dass die Hälfte der Patienten auch ohne Therapie so stabil waren, dass sie keine erneute Behandlung benötigten. Rund 20 Prozent der Patienten hatten nach den zwei Jahren die chronische Krankheit sogar ausgeheilt", fasst Berg die Hauptergebnisse der Studie zusammen. In der parallel laufenden Kontrollgruppe, die die Hepatitis B-Medikamente unverändert weiter eingenommen hatte, verlor niemand die Viren dauerhaft.

"Wir konnten zeigen, dass ein Absetzen der mehrjährigen Hepatitis  B-Therapie bei vielen Patienten zu einer vorübergehenden Reaktivierung der Hepatitis führen kann. Das Immunsystem reagiert darauf und behandelt wahrscheinlich die Reaktivierung wie eine Neuinfektion", erklärt Prof. Dr. Thomas Berg die Zusammenhänge. Das bietet die Chance, dass der menschliche Organismus den Erreger allein bekämpft und letztendlich auch kontrollieren kann. Weitere Studien müssen nun die Patientengruppen genauer definieren, welche für diese Form der Therapie in Frage kommen. Zugleich muss der Ertrag mit dem von neuen Therapeutika, die in Entwicklung sind, in Beziehung gesetzt werden. Der neue Ansatz würde in jedem Fall unangenehme Nebenwirkungen und nebenbei Therapiekosten sparen.

Originaltitel der Veröffentlichung im "Journal of Hepatology":

"Long-term response after stopping tenofovir disoproxil fumarate in non-cirrhotic HBeAg-negative patients - FINITE study" [First investigation in stopping TDF treatment after long-term virological suppression in HBeAg-negative chronic hepatitis B]. J Hepatol. 2017 Jul 21. pii: S0168-8278(17)32155-4. doi: 10.1016/j.jhep.2017.07.012 . [Epub ahead of print]

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letzte Änderung: 20.09.2017 

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