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Pressemitteilung 171/2009 vom 11.06.2009

Bereich: Forschung, wissenschaftliche Tagungen
Sachgebiet: Geistes- und Sozialwissenschaften, Gesellschaft, Politik, Sprache / Literatur

Politische Wechsel - sprachliche Umbrüche

 

Welche Auswirkungen haben politische Veränderungen auf den Sprachgebrauch? Und drückt die jeweilige Sprachsituation etwas über die herrschenden politischen Verhältnisse aus? Diese und ähnliche Probleme sollen auf der interdisziplinären und internationalen Tagung "Politische Wechsel - sprachliche Umbrüche" behandelt werden.

Zeit: 24.06.2009 bis 27.06.2009
Ort: Zeitgeschichtliches Forum
Grimmaische Straße 6

Einige der Fragen werden auf einer Pressekonferenz am 22. Juni 2009 vorgestellt.


Es geht zum einen um die sprachliche Situation in der DDR und die sprachlichen Veränderungen in der Zeit des Umbruchs von 1989 bis zur Gegenwart. Zum anderen werden die Sprachverhältnisse in den Ländern Mittel- und Osteuropas betrachtet, denn der politische Umbruch in den baltischen Ländern, Tschechien, Slowakei, Polen und Russland hat jeweils spezifische Herausforderungen an die sich wandelnden Sprachen gestellt. Mit dem anhaltend geteilten Staat Korea wird zudem ein außereuropäischer Fall vorgestellt.

Vielversprechend ist auch der sprachwissenschaftliche Blick auf eine andere Art des politischen Umbruchs, der sich gerade in den USA abzeichnet. Thema ist der dort vollzogene Machtwechsel durch eine demokratische Wahl und deren sprachlich-mediale Inszenierung durch das Wahlkampfteam Obamas.

Studierende stellen zudem Seminarergebnisse zur "Sprache in der DDR" vor. In narrativen Interviews haben sie ermittelt, dass vorurteilsbehaftete Stereotype wie Ossi, Wessi, Wossi und Jammer-Ossi in der Generation der jungen Erwachsenen an Bedeutung verlieren. Das Tagungsthema wird am 24. Juni filmisch und musikalisch aufgegriffen, ein beeindruckender Kulturabend mit dem Titel "Der Traum ist aus...".

Die Konferenz findet in Zusammenarbeit mit dem Zeitgeschichtlichen Forum in dessen Räumen statt. Sie wird maßgeblich gefördert von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie von der Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V. und von der Botschaft der Republik Polen.

Die Pressekonferenz stellt fünf Themenkomplexe der Tagung vor:

1. Sprache als Schlüssel zur DDR-Geschichte

  • Prof. Dr. Ulla Fix, Sprachwissenschaftlerin am Institut für Germanistik, Universität Leipzig, hat die Tagung konzipiert.
  • These:
    Kein Mensch bezweifelt, dass die LTI von Victor Klemperer von Bedeutung für das Verstehen des Geschehens im Nationalsozialismus war. Wenige kommen auf die Idee, dass eine Lingua Quarti Imperii, LQI, die mittlerweile gut beschrieben vorliegt - Meter von Büchern zum Thema Sprache in der DDR -, eine Hilfe sein könnte für unser Verstehen der Vergangenheit.
2. Kommunikationsraum MfS
  • Bettina Bock, MA, Doktorandin an der Universität, untersucht den Sprachgebrauch in der DDR mit Mitteln der Diskursanalyse und Textlinguistik.
  • These:
    Texte inoffizieller Mitarbeiter, sogenannte "IM-Berichte" ermöglichen eine Rekonstruktion des "Kommunikationsraumes MfS".
3. Sprach-Revolution 1989 in der DDR
  • Dr. Ehrhart Neubert, Theologe, wirkte seit 1973 in Oppositionsgruppen und ist seit 1990 an zahlreichen Aufarbeitungsinitiativen beteiligt. Von 1997 bis 2005 war er in der Stasi-Unterlagen-Behörde ihn der Forschungsabteilung tätig.
  • These:
    Auch 20 Jahre nach der Sprach-Revolution müssen die gewonnene politische und kommunikative Freiheit und das erstrittene Recht immer wieder dialogisch angeeignet werden. Unter der historisch dünnen Haut einer freiheitlichen politischen Kultur warten die Sprachmonster der Diktaturen auf ihre demagogische Wiederbelebung.
4. Bruch mit dem Funktionärsstil
  • Prof. em. Dr. Klaus Bochmann, Romanist, betreibt seit mehr als fünfzig Jahren Soziolinguistik, untersucht politische Sprache und Minderheitensprachen. Er lehrte an der Universität Leipzig und leitete 1993 bis 2006 das Frankreichzentrum der Universität Leipzig.
  • These:
    Der Sturz des Diktator-Ehepaars Ceauşescu leitete eine politische Wende in Rumänien ein: einen absoluten Bruch mit dem verordneten "hölzernen" Funktionärsstil in der Sprache. Medien schossen dabei auch übers Ziel hinaus bis hin zur Vulgarität. Die "kommunistische" Orthographie wurde gegen den Willen der meisten Linguisten zugunsten der Vorkriegstradition geopfert.
5. Neue DDR-Quellen: Mut zu individuellen Zeugnissen
  • Hassan Soilihi Mzé studiert Mittlere und Neuere Geschichte sowie Germanistik an der Universität Leipzig. Er untersucht insbesondere das Wissenschaftliche Bibliothekswesen in SBZ und DDR.
  • These:
    Das Wissen, das wir heute von der DDR haben und mit dem professionelle Zeithistoriker diesen Staat historisch rekonstruieren, stützt sich vor allem auf "Texte der Macht" (Gesetze etc.). Das ist zu bequem und wird der individuellen lebensweltlichen Vergangenheit wenig gerecht. Ein Plädoyer für die Erweiterung der Quellen auf Zeitzeugenaussagen.

Wir laden sie herzlich zur Pressekonferenz ein.

Zeit: 22.06.2009, 11:00 Uhr

Ort: Rektoratsgebäude, 3. OG, Raum 320
Ritterstraße 26
04109 Leipzig


Bitte teilen Sie uns, mit ob Sie daran teilnehmen möchten.

Telefon: 0341 97-35020
Telefax: 0341 97-35029
E-Mail: kieke@uni-leipzig.de

Caroline Kieke

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Politische Wechsel - sprachliche Umbrüche

letzte Änderung: 24.10.2017 

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