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Nachricht 158/2017 vom 29.06.2017

Bereich: wissenschaftliche Tagungen
Sachgebiet: Medizin / Gesundheitswissenschaften

Forschung zur Kindergesundheit bedarf neuer Strukturen

Medizin, Wissenschaft und Politik diskutieren Perspektiven der Gesundheitsforschung

 

Der steigende Bedarf an wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sollte dazu führen, dass die Forschungsaktivitäten im Bereich der Kinderheilkunde jenseits der Gesundheitsforschung für Erwachsene noch stärker intensiviert werden. Wenn die sehr komplexen Einflussfaktoren auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder effektiv erforscht werden und die Erkenntnisse der Krankheitsprävention zugutekommen sollen, bedarf es einer Bündelung der Medizinforschung, bei dem die einzelnen Spezialisten eng zusammenarbeiten. Diese neue Form erfordere eine eigene Struktur, die schlussendlich auch von den bereits bundesweit vorhandenen Potenzialen, die zum Teil ein Ergebnis der exzellenten Forschung der Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung sind, profitiert. Dafür sei die Hilfe des Bundes nötig. Das ist der Tenor der hochkarätig besetzten Veranstaltung "Die Zukunft der Gesundheitsforschung für Kinder und Jugendliche" in der Landesvertretung des Freistaates Sachsen beim Bund.


Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange diskutierte dazu mit Prof. Dr. Otmar D. Wiestler, dem Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, mit Prof. Dr. Fred Zepp, dem ehemaligen Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V., mit Prof. Wieland Kieß, Initiator der LIFE-Child-Studie der Universität Leipzig, mit Prof. Dr. Martin von Bergen, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, Leipzig und anderen Fachleuten.

Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange betont: "Wir nehmen anhand der Zunahme bestimmter Erkrankungen wie Adipositas, Allergien und Verhaltensänderungen bei Kindern wahr, wie Umwelt, soziale Faktoren und Lebensgewohnheiten sich negativ auf die Kindergesundheit auswirken können. Deshalb ist es dringend geboten, dass sich die Wissenschaftler und Mediziner der beteiligten Fachgebiete zusammenschließen und gemeinsam arbeiten. In der Vergangenheit wurde auf diesem Gebiet schon viel im Rahmen unterschiedlicher Förderungswege investiert, wir brauchen jetzt aber neue, gebündelte Strukturen und eine dauerhafte Finanzierung dieser Forschungspotenziale auf einer gemeinsamen Plattform. Die Bereitschaft der Experten aus Leipzig, sich mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung in diese neue Strukturen einzubringen, ist selbstverständlich enorm und wäre aus meiner Sicht in jedem Fall ein großer Gewinn. Doch dies ist in ihrer Gesamtheit keine Angelegenheit der Universität Leipzig oder des Freistaates Sachsen allein. Dafür brauchen wir die bundesweite Zusammenführung exzellenter Forschung und die Hilfe des Bundes."

"Bei vielen Zivilisationskrankheiten, die heute ein Problem in unserer Gesellschaft darstellen, liegen die Wurzeln in der Kindheit. Durch unsere langjährige Erfahrung im Be-reich der pädiatrisch-klinischen Forschung und der Expertise der schon etablierten Kinderkohorte der LIFE-Child-Studie haben wir in Leipzig einen umfangreichen wissenschaftlichen Fundus erworben. Dieser Fundus ist ein einzigartiger Schatz, der für die Forschung der Kindergesundheit und damit für die Zukunft unserer Gesellschaft gehoben werden kann. Vor dem Hintergrund der aktuellen dramatischen Entwicklung der Lebensstilerkrankungen ist es auch an der Zeit, diesen wertvollen Schatz gemeinsam zu heben. Ich werbe daher für ein bundesweites Netzwerk von Instituten für Kinderge-sundheitsforschung und daran geknüpft den Aufbau von Kinderkohorten", so Prof. Dr. Wieland Kiess, Leiter von LIFE Child und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Leipzig."

Prof. Dr. Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des UFZ erklärt: "Das UFZ hat in den letzten Jahren eine große Kompetenz in der Erforschung der Ursachen umweltbedingter Erkrankungen aufgebaut. Unsere Forschung reicht von der individuellen komplexen Exposition gegenüber Umweltbelastungen, deren Einfluss auf molekulare Signalwege bis hin zu den Effekten im Gesamtorganismus.
So bringen wir nicht nur eine exzellente chemische und biochemische Analytik in die angestrebte Partnerschaft ein, sondern auch die seit 2006 laufende Mutter-Kind-Studie LINA, in die mehr als 1.200 Mütter und Kinder integriert sind. Ein Zentrum für Kindergesundheit, in dem verschiedene Partner ihre Stärken bündeln, wäre eine einmalige Chance, an den Ursachen zu forschen und Vermeidungsstrategien zu entwickeln."

Bei der Tagung in Berlin diskutierten rund einhundert Vertreter aus Medizin, Forschung, Gesellschaft, Krankenkassen und Sozialverbänden die zukünftigen Notwendigkeiten in der Gesundheitsforschung für Kinder und Jugendliche. Dabei wurden besonders Politik und Arzneimittelhersteller aufgefordert, auf die speziellen Bedingungen für Erforschung, Behandlung und Prävention von Krankheiten im frühen Alter einzugehen. Während die medizinische Versorgung für Kinder und Jugendliche gut organisiert sei, bedürfe es für die Forschung auf diesem Spezialgebiet neuer Strukturen, idealerweise in Form von Bündelung und, damit verbunden, der Nutzung von Synergieeffekten im wissenschaftlichen Bereich.

SMWK

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Forschung zur Kindergesundheit bedarf neuer Strukturen

letzte Änderung: 25.11.2017 

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