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Pressemitteilung 191/2017 vom 14.08.2017

Bereich: Forschung
Sachgebiet: Medizin / Gesundheitswissenschaften

Hilfe gegen Heißhungeranfälle

 

Eine Binge-Eating-Störung wird meist mit kognitiver Verhaltenstherapie behandelt. Aber auch ein verhaltenstherapeutisches Selbsthilfeprogramm, das das Internet nutzt und nicht anonym ist, hilft gut gegen diese Essstörung. Das hat Prof. Dr. Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), gemeinsam mit Prof. Dr. Anja Hilbert von der Universität Leipzig herausgefunden und in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlicht.


Menschen mit einer Binge-Eating-Störung essen bei wiederkehrenden Essanfällen unkontrolliert große Mengen an Lebensmitteln, was zu starkem Übergewicht führen kann. "Die Essanfälle werden meist durch negative Gefühle ausgelöst, die während des Essens unterbrochen werden. Mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie lernen die Betroffenen, ihr Essverhalten zu normalisieren, weitere Gewichtszunahmen zu verhindern und mit ihren psychischen Problemen anders als durch Essen umzugehen", erklärt Prof. Dr. Martina de Zwaan. Doch Therapieplätze sind rar. Deshalb wollten die Forscherinnen herausfinden, ob auch ein bestimmtes Selbsthilfeprogramm hilft, das ebenfalls auf der kognitiven Verhaltenstherapie beruht. Diese Internettherapie beinhaltet ein erstes persönliches Gespräch sowie regelmäßige E-Mail-Kontakte mit dem Therapeuten. "Es ist für die Patienten einfach, ein solches Programm zu beginnen und in ihrem eigenen Rhythmus durchzuarbeiten, aber man muss sich für ein gutes Ergebnis selbst motivieren, auch dabei zu bleiben", beschreibt Prof. Dr. Anja Hilbert, Professorin für Verhaltensmedizin am im Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen der Leipziger Universitätsmedizin.

An der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Studie nahmen sieben deutsche Zentren mit insgesamt rund 180 Patienten teil. Die Behandlung umfasste wöchentliche Kontakte zu Therapeuten über vier Monate. Die Hälfte der Teilnehmenden hatte verhaltenstherapeutische Einzelsitzungen mit Therapeuten, die andere Hälfte im Selbsthilfeprogramm Kontakt per E-Mail. Das Ergebnis: Bei allen Teilnehmern verringerten sich die Essanfälle deutlich. Auch weitere Schwierigkeiten wie beispielsweise depressive Verstimmungen, Ängstlichkeit und die Sorge um das Gewicht nahmen ab.

Die persönliche Therapie wirkte schneller. Direkt nach der Behandlung und sechs Monate später hatten diese Patienten deutlich weniger Essanfälle als die anderen. Doch nach 18 Monaten hatten sich die Effekte in beiden Gruppen angeglichen. Insgesamt hatten sich bei allen die Essanfälle verringert. "Diese nicht-anonyme Internet-basierte Therapie eignet sich besonders für Menschen, die in unmittelbarer Nähe keinen Psychotherapeuten haben, die lange auf einen Therapieplatz warten müssen oder auch Angst haben, einen Therapeuten direkt aufzusuchen", sagt Prof. Dr. Anja Hilbert. Allerdings müsse beachtet werden, dass Suizidalität und andere schwere psychische Leiden, die auch bei Personen mit dieser Essstörung vorkommen, in persönlichen Gesprächen besser behandelt werden können.

Ein Teil der Studienteilnehmer wurde im Leipziger IFB AdipositasErkrankungen behandelt. Dort erforschen und therapieren rund 50 Wissenschaftler und Ärzte starkes Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Das Themenspektrum der wissenschaftlichen Arbeit im IFB AdipositasErkrankungen reicht von der Erforschung von psychosozialen Aspekten, Adipositas-Genen, Hormonen der Fettzellen, Adipositas bei Kindern, Gehirnaktivitäten bis hin zu chirurgischen Therapieansätzen. Fächerübergreifend und in enger Kooperation mit dem Universitätsklinikum wird grundlagen- und patientenbezogene Forschung und die Behandlung adipöser Menschen unter einem Dach vereint. Erkenntnisse aus der Wissenschaft können so schneller in die Adipositastherapie einfließen, gleichzeitig ergeben sich aus der Behandlung neue Fragestellungen für die Forschung. Das Zentrum wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Fachpublikation:
de Zwaan M, Herpertz S, Zipfel S, Svaldi J, Friederich H, Schmidt F, Mayr A, Lam T, Schade-Brittinger C, Hilbert A. Effect of Internet-Based Guided Self-help vs Individual Face-to-Face Treatment on Full or Subsyndromal Binge Eating Disorder in Overweight or Obese PatientsThe INTERBED Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. Published online August 02, 2017. doi:10.1001/jamapsychiatry.2017.2150

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letzte Änderung: 19.10.2017 

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