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Pressemitteilung 030/1999 vom 07.05.1999

Bereich: Organisatorisches
Sachgebiet: Geschichte, Kunst / Kultur / Kulturwissenschaften

125-jähriges Jubiläum der Ägyptologie in Leipzig

 

Gestern beging das Ägyptologische Institut/Ägyptische Museum der Universität Leipzig den 125. Jahrestag seiner Gründung. Im Sommersemester 1874 war die Professur und Sammlung unter Georg Ebers (1837-98) vom Archäologischen Museum als Aegyptologischer Apparat verselbständigt worden. Seitdem wird Ägyptologie nahezu ununterbrochen als Lehr- und Forschungsfach an der Universität betrieben.

Zeit: 06.05.1999

Aus Anlass des Jubiläums luden Institut und Museum zu einem Festakt unter dem Thema "Ein Leipziger Grabdenkmal im ägyptischen Stil und die Anfänge der Ägyptologie in Deutschland" in die Ausstellungsräume des Museums ein. Am Abend fand die traditionelle, nunmehr zehnte Siegfried-Morenz-Gedächtnisvorlesung zur altägyptischen Kultur und ihrer Wirkung auf Mitwelt und Nachwelt statt; im Vortragssaal des Ägyptischen Museums sprach Frau Dr. Elisabeth Staehelin, Basel, zum Thema "Von der Farbigkeit Ägyptens".

Zur Geschichte der Ägyptologie in Leipzig gehört auch, dass bereits in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zwei Klassische Philologen, Friedrich August Wilhelm Spohn und Gustav Seyffarth, an dem damals internationalen Wettlauf um die Entzifferung der Hieroglyphen teilgenommen haben. Sie waren nicht erfolgreich, doch hat Seyffarth sich das Verdienst erworben, 1842 mit dem Ankauf eines bedeutenden altägyptischen Zedernholzsargs den Grundstock für das Leipziger Ägyptische Museum gelegt zu haben. Diese Sammlung wurde vor allem durch Georg Steindorffs Ausgrabungen in Ägypten zu einem der bedeutendsten ägyptischen Universitätsmuseen erweitert und war seit 1874 der Leipziger Öffentlichkeit zugänglich. Nach Auslagerung und teilweiser Zerstörung im Krieg gehört das Museum seit 1976 zu den kulturellen Anziehungspunkten von Leipzig und dient gleichzeitig der Ausbildung der Ägyptologiestudenten. Heute zählt die traditionsreiche Leipziger Ägyptologie zu den stärksten unter den sogenannten Kleinen Fächern, die das spezifische Profil der Leipziger Universität mitbestimmen.

Noch ein Wort zur oben angesprochenen Grabsäule. Es handelte sich um eine über drei Meter hohe ägyptisierende Säule aus rötlichem Sandstein, die bis 1995 an der Südwestseite des Grassimuseums stand. Sie gehörte zur Grabstätte des früh verstorbenen Spohn (1792-1824) und war von seinem Freund und Schüler Seyffarth (1796-1885) entworfen worden. Es handelt sich dabei um die Nachbildung einer Säule aus dem Kiosk des Königs Taharqo (7. Jh. V. Chr.) im Tempel von Karnak und zugleich um ein eindrucksvolles künstlerisch hochwertiges Beispiel für die wissenschaftliche und ästhetische Ägyptenrezeption des deutschen Klassizismus. Ihre reliefierte Dekoration ist gleichfalls an äygyptischen Monumenten orientiert, ebenso die Inschriften. Sie geben in Hieroglyphen, in hieratischer und demotischer Kursive, den Schreibschriften des 2. und 1. Jahrtausends v. Chr. und in griechischen Buchstaben eine Grabinschrift auf den Verstorbenen wieder. In ihrer Viersprachigkeit übertreffen sie sogar den berühmten Stein von Rosette, den Napoleons Truppen 1799 ausgegraben hatten und der in nur drei Schriften (hieroglyphisch, demotisch, griechisch) ein spätägyptisches Priesterdekret enthält; dank der verständlichen griechischen Version hatte er den Europäern den Schlüssel zur Entzifferung in die Hand gegeben.

Im Hinblick auf ihre einzigartige Bedeutung wurde die Säule 1995 auf den Johannisfriedhof zurückgeholt, auf dem sie ursprünglich gestanden hatte. Aus denkmalpflegerischen Gründen ist sie 1999, nach gründlicher Restaurierung, die finanziell im wesentlichen von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Universität Leipzig getragen wurde, nicht wieder unter freiem Himmel, sondern unter dem Dach des Ägyptischen Museums der Universität aufgestellt worden. Auf dem Friedhof wird sie durch eine Replik vertreten.

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letzte Änderung: 14.12.2017 

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