Buchmesse- Akademie  

Buchmesse-
Akademie

14. Leipziger Buchmesse-Akademie

14.-17. März 2013
10:30-
17:00 Uhr
Neue Messe, Halle 3, Stand G201/H200

Die Leipziger Buchmesse zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher aus ganz Deutschland an. Leipzig bietet dabei eine einzigartige Verbindung von Messe und dem Lesefest "Leipzig liest". Traditionell präsentiert sich auch die Alma mater Lipsiensis auf der Leipziger Buchmesse. Die Universität stellt im Rahmen der Buchmesse-Akademie aber nicht nur die neuesten wissenschaftlichen Publikationen vor, sie begeistert die Besucher vor allem mit spannenden und abwechslungsreichen Vorträgen, Präsentationen und Podiumsdiskussionen von und mit führenden Leipziger Forscherinnen und Forschern. Dem Fach- sowie einem breiten öffentlichen Publikum werden so die bedeutendsten wissenschaftlichen Entwicklungen und die aktuellsten Forschungstrends anschaulich aufgezeigt. Die Buchmesse-Akademie ist damit nicht nur das wissenschaftliche Zentrum der Leipziger Buchmesse, sondern auch der Ort, der die Sphären Öffentlichkeit und Wissenschaft zusammenführt.

Durch die Gründung des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) wird der Anspruch unterstrichen, Biodiversität zu einem zentralen Wissenschaftsschwerpunkt in Mitteldeutschland auszubauen. Vor diesem Hintergrund greift die 14. Buchmesse-Akademie 2013 diesen Forschungsgegenstand auf und rückt ihn in den Mittelpunkt eines Buchmessetages: Donnerstag, 14.03.2013. Hier wird es unter anderem um Tropenwälder als Schatzkisten der Artenvielfalt, um Biodiversitätsforscher in Aktion und um das Verhältnis von Evolution und Biodiversität gehen.

An den drei darauf folgenden Veranstaltungstagen (15./16./17.03.2013) bietet die Buchmesse-Akademie ein abwechslungsreiches Programm aus interessanten und mitreißenden Beiträgen aus nahezu allen Bereichen der universitären Forschung. Dabei können die Besucher aus einem breiten Themenangebot wählen und sich beispielsweise über die innovativsten Trends in Medizin, Soziologie oder Wirtschaft informieren. Mit den Themenkomplexen Bildung und Finanzkrise werden darüber hinaus zwei aktuelle und hoch brisante Diskussionsgegenstände in das Zentrum verschiedener Veranstaltungen gestellt und so von unterschiedlichen Perspektiven her beleuchtet.

Das gesamte Team sowie alle Referenten der Buchmesse-Akademie 2013 freuen sich auf Ihren Besuch!

Erste Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2013

Mittwoch, 13.03.2013

17:00 Uhr

Eröffnung der Buchmesse-Akademie 2013

Ort: Universität Leipzig, Rektoratsgebäude, Alter Senatssaal, Ritterstraße 26, 04109 Leipzig

Verlust der Vielfalt – die Biodiversitätskrise

Prof. Dr. Christian Wirth, Heiko Rosenthal und Prof. Dr. Georg Teutsch
Moderation: Katrin Henneberg

Welche Möglichkeiten hat der Mensch, den dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt, der für ihn überlebenswichtigen Biodiversität, zu stoppen oder zumindest deutlich zu bremsen? Dieser Frage widmet sich die Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen und nunmehr 14. Leipziger Buchmesse-Akademie. Sie verweist gleichzeitig auf den Thementag „Biodiversität“, der am 14.03.2013 auf der Leipziger Buchmesse spannende Einblicke in das vielfältige Thema gewährt. Im Fokus der Diskussionsrunde steht zunächst, mit welchen Strategien dem globalen Problem des Artensterbens und damit dem Biodiversitätsverlust begegnet werden kann. Welche gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Schritte sind überhaupt sinnvoll, um Biodiversität für künftige Generationen zu erhalten und unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern? Welche Beiträge zum Erhalt der Artenvielfalt können Kommunen durch die Gestaltung und Erhaltung reichhaltiger Biotope leisten, und profitieren nicht gerade größere Städte von deren Erholungswert?

  • Georg Teutsch ist wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ und Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft.
  • Christian Wirth ist Direktor des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), Halle-Jena-Leipzig und des Botanischen Gartens der Universität Leipzig sowie Universitätsprofessor für Spezielle Botanik und funktionelle Biodiversität.
  • Heiko Rosenthal ist Bürgermeister und Beigeordneter für Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig.
  • Katrin Henneberg ist Journalistin.

Musikalisch begleitet wird die diesjährige Eröffnungsveranstaltung von der Bluesband "Stadtasyl" (http://www.stadtasyl.blogspot.de/) in folgender Besetzung:
Gesang: Julia Weschenfelder
Mundharmonika: Dr. Martin Berwig
Klavier: Prof. Dr. Hubertus Himmerich
Schlagzeug: Danilo Neumann

Donnerstag, 14.03.2013

10:30 Uhr

In Heller und Pfennig – dürfen wir die Natur ökonomisch bewerten?

Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Udo Hemmerling, Florian Schöne
Moderation: Dr. René Zimmer

Unser Wohlergehen hängt wesentlich von den Leistungen der Natur ab. Doch wirtschaftliche Entscheidungen zerstören tagtäglich die ökologischen Grundlagen dieser Leistungen - meist zum Profit weniger und zum Schaden vieler anderer.
Um Entscheidungsträgern die Tragweite des Verlustes der Vielfalt und ihrer Entscheidungen bewusst zu machen, will das Projekt Naturkapital Deutschland (TEEB DE) nun den Verlust dieses Wertes für die Gesellschaft mit ökonomischen Methoden ermitteln und so zu mehr Naturschutz beitragen.
Wird die Natur zur an der Börse gehandelten Ware? Welche Fakten führen zu gesellschaftlich verantwortlicheren Entscheidungen? Und müssen wir künftig für öffentliche Leistungen bezahlen?

  • Bernd Hansjürgens ist Sprecher für das Helmholtz-Gemeinschaft-Programm "Terrestrische Umwelt" und leitet das Department Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).
  • Udo Hemmerling ist stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV).
  • Florian Schöne ist stellvertretender Fachbereichsleiter für Naturschutz und Umweltpolitik und Referent für Agrarpolitik und Bioenergie in der Bundesgeschäftsstelle des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Berlin.
  • René Zimmer ist Fachgebietsleiter Ressourcenschutz & Landschaftsökologie am Unabhängigen Institut für Umweltfragen UfU in Berlin.

12:00 Uhr

Tropische Wälder – Schatzkisten der Artenvielfalt

Prof. Dr. Isabell Hensen

Tropische Wälder gehören zu den so genannten „Hotspots der Artenvielfalt“, das sind Regionen, in denen außergewöhnlich viele verschiedene Arten zusammen leben. Die extreme Artenvielfalt in den Tropen lässt sich vor allem auf die Seltenheit der Arten zurückführen: So ist es in Regenwäldern meist schwierig, auf einem Hektar Fläche zwei Individuen der gleichen Baumart anzutreffen bzw. sehr viel einfacher, zehn verschiedene  Schmetterlingsarten als zehn Schmetterlingsindividuen derselben Art zu finden. Die Referentin Isabell Hensen wird in ihrem Vortrag die Schatzkisten tropischer Artenvielfalt weiter öffnen, um ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

  • Isabell Hensen ist Professorin für Pflanzenökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Gründungsmitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig.

13:00 Uhr

Licht in den dunklen Boden: Steuergrößen und funktionelle Wichtigkeit von Biodiversität im Boden

Prof. Dr. Nico Eisenhauer

Der Boden steuert essentielle Ökosystemprozesse und beherbergt eine schier unglaubliche Biodiversität. Trotzdem weiß man bisher nur sehr wenig über die Bedeutung dieser unterirdischen Diversität für die Funktionsweise von terrestrischen Ökosystemen. Bisher ging man davon aus, dass Zersetzerorganismen funktionell sehr ähnlich, gar redundant, sind. Doch häufen sich Zweifel. Aktuelle Studien deuten auf sehr spezifische Antworten von Zersetzergemeinschaften auf Umweltveränderungsprozesse hin. Auf der anderen Seite zeigen sie auch die Bedeutung von Zersetzerdiversität. Der Referent Nico Eisenhauer entführt Sie auf eine Reise in die verborgene Welt unter unseren Füßen und erläutert aktuelle Forschungsergebnisse zu den Steuergrößen und der funktionellen Wichtigkeit von Biodiversität im Boden.

  • Nico Eisenhauer ist Professor für Terrestrische Ökologie am Institut für Ökologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

14:00 Uhr

Biodiversitätsforscher in Aktion – Einblicke in ein schwieriges Unterfangen

Prof. Dr. Christian Wirth

Biodiversität, die Vielfalt der biologischen Arten, ihrer Gene, ihrer Eigenschaften, ihrer Interaktion in Lebensgemeinschaften, ist faszinierend – aber auch verwirrend. Schon die Erfassung der Biodiversität ist eine echte Herausforderung. Oft sieht man die Vielfalt gar nicht – hoch oben in den Baumwipfeln, tief unten am Meeresgrund, oder ganz klein in einem Krümel Boden. Großer technischer Aufwand ist vonnöten, um diese „versteckte“ Biodiversität sichtbar zu machen. Viele weitere Schritte sind nötig, um alle Facetten der Biodiversität zu erfassen. Darüber hinaus noch zu erforschen, wie Biodiversität entstanden ist und welche Rolle sie für den Naturhaushalt und letztlich für uns Menschen spielt, ist komplex und kostenträchtig. Hierfür braucht es großangelegte Experimente. Christian Wirth gibt einen reich bebilderten Überblick über die Herausforderungen der Feldforschung in den modernen Biodiversitätswissenschaften.  

  • Christian Wirth ist Professor für spezielle Botanik und funktionelle Biodiversitätsforschung, er leitet den Botanischen Garten der Universität Leipzig und ist geschäftsführender Direktor des  Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig.

15:00 Uhr

Biodiversität – Vielfalt auf allen Ebenen des Lebendigen

Prof. Dr. Martin Schlegel

Biodiversität ist weit mehr als nur Artenreichtum. Sie erstreckt sich von der genetischen Vielfalt über die Vielfalt der Arten, deren Funktionen und Interaktionen bis hin zur Vielfalt von Ökosystemen. Die Erfassung und Dokumentation dieser Vielfalt stellen einen wichtigen Forschungszweig dar. Darüber hinaus  untersucht die Biodiversitätsforschung die evolutionären Mechanismen wie Biodiversität entsteht, aufrechterhalten wird sowie die ökologischen Mechanismen, wie Arten- und Artengemeinschaften miteinander interagieren. Insbesondere im Hinblick auf ihren drastischen Rückgang sind die Fragen bedeutend, was sie uns (noch) nützt und wie wir sie bewahren können. Martin Schlegel erläutert die evolutionären Aspekte der Biodiversität und ihren Nutzen für den Menschen an ausgewählten Beispielen aus dem Alltag sowie aus dem medizinischen Bereich.

  • Martin Schlegel ist Professor für Molekulare Evolution und Systematik der Tiere an der Universität Leipzig und Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig.

16:00 Uhr

Wenn Schmetterlinge sich von Ameisen ernähren – bizarre Tagfalter aus unserer Nachbarschaft

PD Dr. Josef Settele

Ameisenbläulinge gehören zu den eher bizarren Vertretern der mitteleuropäischen Biodiversität. Es handelt sich um Schmetterlinge, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, vor allem von Ameisenbrut zu leben. Ernähren sich die Raupen zunächst die ersten zwei bis drei Wochen ihres Lebens von Pflanzen – wie es sich für einen ordentlichen Schmetterling auch gehört – lassen sie sich dann von Ameisen in deren Nester einbringen. Dort ernähren sie sich – durch chemische Nachahmung der Ameisen von denselben unerkannt – von der Ameisenbrut bzw. lassen sie sich von den Arbeiterinnen der Ameisen füttern.
Ameisenbläulinge gelten als europaweit gefährdet. Sie sind im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gesetzlich geschützt. Für einige Arten stellt Deutschland einen weltweiten Verbreitungsschwerpunkt dar – und zwei dieser bizarren Falter leben auch im Großraum Leipzig.

  • Josef Settele ist Leiter zahlreicher internationaler Biodiversitäts-Forschungsprojekte und stellvertretender Leiter des Departements Biozönoseforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

Freitag, 15.03.2013

10:30 Uhr

Forschung macht Schule

Prof. Dr. Barbara Drinck, Franziska Heinze, Juliane Keitel und Daniel Diegmann

Das von Barbara Drinck gemeinsam mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorgelegte Lehrbuch leitet angehende und im Beruf stehende Lehrkräfte auch über das Lehramtsstudium hinaus zum forschenden Lernen an.

Der Schwerpunkt des Vortrages liegt in einer detaillierten Darstellung der Grundlagen und der Praxis von Schul- und Unterrichtsforschung. Anhand von konkreten Beispielen werden zentrale Methoden empirischer Schulforschung – Befragung, Beobachtung, Soziogramm, Experiment, Diskursanalyse – erläutert sowie Möglichkeiten der Nutzung und Verwertung von Forschungsergebnissen vorgestellt.

Im Rahmen einer Buchdiskussion stellen sich die Herausgeberin sowie die Autorinnen und Autoren den interessierten Fragen des Publikums und geben Einblicke in den universitären Lehr- und Forschungsalltag.

  • Barbara Drinck ist Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der Universität Leipzig. 
  • Franziska Heinze ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik des Sekundarbereichs.
  • Juliane Keitel ist abgeordnete Lehrerin am Lehrstuhl Schulpädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Schulentwicklungsforschung.
  • Daniel Diegmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Schulpädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Schulentwicklungsforschung.

12:00 Uhr

James Bond und Spielplatzexperimente – universitäre Physikausbildung für Nebenfächler

Prof. Dr. Daniel Huster

"Physik ist langweilig, öde und vollkommen unverständlich" – das sind Meinungen von Studierenden, mit denen sich Lehrkräfte häufig auseinander setzen müssen. Daniel Huster zeigt, dass man die Physikausbildung auch kurzweilig und verständlich gestalten kann. Der Physiker unterrichtet seit dem Herbstsemester 2008 an der Universität Leipzig "Physik für Mediziner". Dabei greift er auf einen großen Schatz an Vorlesungsexperimenten zurück. Vermeintlich dröge Themen werden beispielsweise anhand von Stunts aus James Bond-Filmen illustriert und erklärt. Die Gesetze der Physik werden so praktisch erlebbar.

  • Daniel Huster ist Professor für Medizinische Biophysik an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und forscht vornehmlich auf dem Gebiet der Molekularen Biophysik. Zu seinen Lehraufgaben gehört insbesondere die Nebenfachausbildung für Studierende der Medizin, Biochemie, Biologie, Pharmazie und Informatik.

13:00 Uhr

Die Mitte im Blick – Rechtsextreme Einstellungen und die moderne Gesellschaft

Dr. Oliver Decker, Johannes Kiess und Prof. Dr.  Elmar Brähler

Seit 2002 werden an der Universität Leipzig rechtsextreme Einstellung und ihre Einflussfaktoren in Deutschland untersucht. Hierfür werden von der Arbeitsgruppe um Elmar Brähler und Oliver Decker im Zwei-Jahresrhythmus repräsentative Erhebungen durchgeführt. Mit dem Band „Die Mitte im Blick“ präsentieren die Herausgeber einen Überblick für die Entwicklung der Einstellung über zehn Jahre. Getrennt nach Altersgruppen werden so Entwicklungstendenzen sichtbar, welche für die demokratische Gesellschaft von höchster Relevanz sind. Vertieft wird nun auch der Ort der Demokratie untersucht: Wo befindet sich die Agora heute? Die Forscher gehen damit auch der Frage nach dem Strukturwandel der Öffentlichkeit nach: Wo befindet sich heute der Ort demokratischer Auseinandersetzung? Mehr und mehr im virtuellen Raum des Internets? Und welche Konsequenzen hat das für gesellschaftliche Partizipation? Zusammen mit der vertieften Untersuchung von Schutzfaktoren und Einflussmöglichkeiten werden von den beteiligten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen die Herausforderungen an die Demokratie im 21. Jahrhundert formuliert. 

  • Elmar Brähler ist Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig und u.a. Mitglied im Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten.
  • Oliver Decker lehrt als Vertretungsprofessor Sozial- und Organisationspsychologie an der Universität Siegen, ist Mitarbeiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig und Fellow am Birkbeck College der Universität London.
  • Johannes Kiess ist Politologe und Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Leipzig.

14:00 Uhr

Wenn Essen zum Problem wird…

Dipl.-Psych. Anne Tetzlaff, Ricarda Schmidt und Rebecca Kittel

Wer hat noch nicht solche Sätze gehört oder gesagt: „Wenn es mir nicht gut geht, dann esse ich.“ „Ich kann manchmal einfach nicht aufhören mit dem Essen.“ „Mit meiner Figur und meinem Gewicht bin ich ganz und gar nicht zufrieden.“ – Sicherlich viele von uns. Aber was ist normal und ab wann wird ein echtes Problem daraus? Drei Diplom-Psychologinnen berichten von Ihren Erfahrungen mit Patienten mit Essanfällen und stellen ein speziell für Jugendliche zugeschnittenes Behandlungsangebot vor. Dabei wird u.a. erläutert, was genau Essanfälle sind, wer betroffen ist und wie man sich als Jugendliche/r am besten helfen lassen kann.

  • Anne Tetzlaff, Ricarda Schmidt und Rebekka Kittel sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in der Abteilung für Verhaltensmedizin am IFB AdipositasErkrankungen und arbeiten als Coaches für Jugendliche mit Essanfällen.

15:00 Uhr

Die doppelte Vertrauenskrise der Europäischen Union

Dr. Jenny Preunkert und Prof. Dr. Georg Vobruba

Die aktuellen Entwicklungen in der Eurozone zeigen, dass das Funktionieren einer Währung von zweierlei Vertrauen abhängt: vom Vertrauen der Finanzmärkte in die Wirtschaft eines Landes und vom Vertrauen der Bevölkerungen in die Politik ihres Landes.  Das Vertrauen der Finanzmärkte erfordert die Stabilisierung der Währung durch Haushaltskonsolidierung. Dies aber bedeutet Sparmaßnahmen, die das Vertrauen der Bevölkerung erschüttern. Wie kann die EU zugleich das Vertrauen der Märkte UND das Vertrauen der Bevölkerungen absichern? – Eigentlich ein unlösbares Problem.

  • Jenny Preunkert ist Vertretungsprofessorin für international vergleichende Gesellschaftsanalyse an der Universität Osnabrück.
  • Georg Vobruba ist Professor für Sozialpolitik am Institut für Soziologie der Universität Leipzig.

16:00 Uhr

Was Hänschen nicht lernt…

Lebenslanges Lernen zwischen Notwendigkeit und Vergnügen

Stefanie Jung, Rolf Sprink, Prof. Dr. Elmar Schenkel, Prof. Dr. Arno Villringer und Dr. Robert Wilkens
Moderation: Prof. Dr. Frank Gaunitz

Nicht nur das Berufsleben, sondern auch jeder Versuch, den Anschluss an die neuen Medien, wie Facebook, Twitter & Co. nicht zu verlieren, erfordern von uns heute ein immer neues Erlernen. Doch wie weit können und wollen wir mitgehen? Anscheinend fällt es unseren Kindern leichter, gerade wenn es um die neuen Medien geht. Lernen Kinder heute möglicherweise schneller oder anders und vergessen sie vielleicht auch schneller? Hat unsere Fähigkeit zu lernen mit dem Alter nachgelassen? Was bewegt Menschen, auch im Alter noch Volkshochschulen aufzusuchen und Angebote von Universitäten zu nutzen, um mit Freuden neue Sprachen zu lernen und andere Dinge, die sie nur aus Vergnügen lernen wollen? Gemeinsam mit Vertretern des Studiums Universale der Universität, der Leipziger Volkshochschule und Experten aus der Neurologie und Pädagogik wollen wir über unsere Möglichkeiten und Motivationen, lebenslang zu lernen, diskutieren.

  • Stefanie Jung ist Mitarbeiterin am Institut für Anglistik und engagiert im Studium Universale der Universität Leipzig.
  • Rolf Sprink ist Ethnologe und Leiter der Volkshochschule Leipzig.
  • Elmar Schenkel ist Professor für Anglistik und zurzeit verantwortlich für das Studium Universale der Universität Leipzig.
  • Robert Wilkens ist Mitarbeiter der Pädagogischen Psychologie an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig.
  • Arno Villringer ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.
  • Frank Gaunitz ist Leiter der Forschungslabore der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum und engagiert im Studium Universale der Universität Leipzig.

Samstag, 16.03.2013

10:30 Uhr

Gentechnik im Blick der Gesellschaft – eine Podiumsdiskussion

Prof. Dr. Achim Aigner, Dr. Walter Durka, Dr. Ulrich Ehlers, Urte Grauwinkel Moderation: Dr. Jana Burkhardt

Als Gentechnik bezeichnet man Verfahren der Biotechnologie, die gezielte Eingriffe in das Erbgut (Genom) und damit in die Steuerungsvorgänge von Lebewesen ermöglichen. Wenige Themen aus den Lebenswissenschaften haben die öffentliche Diskussion in Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten derart geprägt wie die Gentechnik. Während der Begriff in weiten Teilen der Bevölkerung auf Skepsis und Ablehnung stößt, erhoffen sich Wissenschaftler, mit Hilfe gentechnischer Methoden zentralen Fragen und Problemen zu begegnen. Das „Translationszentrum für Regenerative Medizin“ (TRM) Leipzig diskutiert daher mit namhaften Experten auf der Buchmesse-Akademie 2013 über zentrale Aspekte des Themas Gentechnik.

  • Achim Aigner lehrt und forscht am Rudolf-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Leipzig.
  • Walter Durka forscht am Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig im Bereich molekularer Ökologie.
  • Ulrich Ehlers ist beschäftigt im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
  • Urte Grauwinkel ist diplomierte Agraringenieurin und Mitglied des Ökolöwen Umweltbund Leipzig e.V. sowie des Aktionsbündnisses für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Sachsen.

12:00 Uhr

Finanzkrise – eine Chance für ein fortschrittliches Europa

Prof. Dr. Hartmut Elsenhans

Die Kommentierung der Finanzkrise und die Probleme der Europäischen Union sind verdreht. Schulden der öffentlichen Haushalte bedeuten nicht: wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Das wäre nur der Fall, wenn wir massive Inflation hätten. Sparen ist volkswirtschaftlich unmöglich und damit illusorisch. Ebenso sind die Vermögenswerte auf den Finanzmärkten überwiegend fiktiv, ohne Gegenwert in der realen Wirtschaft. Entscheidend ist, wie wir sozial verträglich das von den Investoren spekulativ geschaffene Geld auf ein vernünftiges Maß zurückführen, das dem Umfang der realen Vermögenswerte in der realen Wirtschaft angemessen ist. Dabei ist ein wesentliches Hindernis die weit verbreitete Geldillusion. In den letzten 50 Jahren ist es gelungen, die realwirtschaftlichen Zusammenhänge vor der Öffentlichkeit zu verschleiern. Das macht die Bewältigung der derzeitigen Krise so schwierig. Gleichwohl ist die derzeitige Krise eine Chance für die europäische Union: im Zusammenhang mit der Erzwingung von Haushaltsdisziplin entstehen die politischen Strukturen, denen sonst kein Staat zugestimmt hätte.

  • Hartmut Elsenhans ist Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Leipzig und arbeitet derzeit an einer keynesianisch orientierten Analyse des Weltsystems und der Globalisierung.

13:00 Uhr

Wie das Gehirn sich wäscht: Neues aus der Alzheimerforschung

Prof. Dr. Ingo Bechmann

Im Gegensatz zu anderen Organen besitzt das Nervengewebe im Gehirn keinen eigenen Lymphabfluss. Deshalb muss die extrazelluläre Flüssigkeit über kleine Gefäßkanäle aktiv aus dem Gehirn gepumpt werden. Durch den Herzschlag werden kleine Impulse auf diese Kanäle ausgeübt, so dass die Flüssigkeit schließlich aus der Tiefe des Gehirns an die Oberfläche gelangt und über verschiedene Wege abfließen kann. Krankhafte Veränderungen an der Gefäßwand schwächen diesen Impuls ab und es kommt zum Rückstau. Dadurch scheinen sich verschiedenste kleine Substanzen anzusammeln und schließlich zu akkumulieren. Die Mikroglia, ein dichtes Netzwerk von Fresszellen im Gehirn, sind dann wohl überfordert. Dadurch wird ein weiterer Reinigungsmechanismus gestört. Ein neuer Therapieansatz für Alzheimer könnte also der Austausch der Mikroglia durch Knochenmarkszellen sein.

  • Ingo Bechmann ist Direktor des Instituts für Anatomie der Universität Leipzig und leitet dort die Arbeitsgruppe Neuroimmunologie.

14:00 Uhr

Rachen- und Kehlkopfkrebs – von Zigaretten, Viren und anderen neuen Risikofaktoren

Prof. Dr. Andreas Dietz

Krebs im Kopf-Hals-Bereich, insbesondere im Rachen und Kehlkopf, macht aktuell mit steigenden Neuerkrankungszahlen Schlagzeilen. Insbesondere die Häufigkeit des Rachenkrebses nimmt rasant zu und hat sich in der Summe in den letzten 10 Jahren nahezu verdoppelt. Sie wird derzeit an 5. Stelle aller Krebserkrankungen beim Mann eingeordnet. Wissen wir schon einiges zu Risikofaktoren, lässt sich jedoch nicht die gesamte Entstehung dieser Erkrankung durch chronischen Tabak- und Alkoholkonsum erklären. Bedenkt man, dass etwa 20-30 Menschen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr in Deutschland neu erkranken, ist der Anteil an mehr oder weniger starken Rauchern deutlich höher. Es müssen also noch weitere Faktoren eine Rolle spielen. In jüngster Zeit hat sich herausgestellt, dass Viren für den rasanten Anstieg der Neuerkrankungen des Rachenkrebses zuständig sind. Daneben spielen genetische Faktoren eine Rolle, die wir immer besser verstehen.

  • Andreas Dietz ist Professor für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Direktor der HNO-Universitätsklinik Leipzig.

15:00 Uhr

Was lässt uns immer dicker werden: Gene, Gehirn oder Umwelt?

Dr. Yvonne Böttcher, Dr. Annette Horstmann und PD Dr. Peter Kovacs

Deutschland wird immer dicker. Das zeigen nicht nur die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, sondern auch die Studienberichte vieler Wissenschaftler. Ganze Forschergenerationen arbeiten fieberhaft an der Aufklärung der Ursachen. Getreu dem Motto: Wissenschaft leicht gemacht, wird erklärt, welche Ursachen für zunehmendes Übergewicht in Frage kommen. Sind es unsere Gene, die unser Gewicht bestimmen? Sind es Mechanismen in unserem Gehirn, die uns zu übermäßigem Essen verleiten? Oder ist es doch die Umwelt mit den vielen Verlockungen? Nachwuchsforscher verschiedener Arbeitsgruppen des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) AdipositasErkrankungen in Leipzig erläutern dies und mehr in verständlicher Form. Denn bereits heute ist klar: Krankhaftes Übergewicht (Adipositas) ist eine sehr komplexe Erkrankung.

  • Yvonne Böttcher ist Leiterin der Nachwuchsgruppe „Funktionelle Genetik der Adipositas“ beim IFB AdipositasErkrankungen.
  • Annette Horstmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Hirnstruktur und funktionelle Konnektivität bei Adipositas“ im IFB AdipositasErkrankungen und am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften tätig.
  • Peter Kovacs ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III für Endokrinologie und Nephrologie der Universität Leipzig und Leiter einer Nachwuchsgruppe am Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) der Medizinischen Fakultät.

16:00 Uhr

Gibt es die „Wechseljahre“ des Mannes wirklich?

Dr. Kurt Seikowski

Was verändert sich bei Männern mit zunehmendem Alter in körperlicher und psychischer Hinsicht? Nimmt die Lebenszufriedenheit nur noch ab? Dabei spielt die eigene subjektive Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Man vergleicht sich mit früher, mit anderen, nimmt deren Krankheiten wahr, beobachtet sich selbst – und auch die „Manneskraft“ ist anders. In diesem Alter wird man mit dem Tod der eigenen Eltern und auch bereits Gleichaltriger – z.B. infolge eines Herzinfarktes – konfrontiert. Auch die Frage von Voruntersuchungen beim Internisten und Urologen wird immer aktueller und ist mit Ängsten verbunden. Hat das „starke“ Geschlecht die Fähigkeit, Veränderungsprozesse zu akzeptieren und zu meistern?

  • Kurt Seikowski ist Privatdozent für Medizinische, Klinische und Gesundheitspsychologie an der Universität Leipzig.

Sonntag, 17.03.2013

10:30 Uhr

Macht uns die moderne Arbeitswelt psychisch krank?

PD Dr. med. Katarina Stengler und Prof. Dr. med. Steffi G. Riedel-Heller, MPH

Das Thema psychische Gesundheit und Arbeit ist momentan in aller Munde: Medienwirksame Burnout-Diskussionen auf der einen und Berichte über steigende Arbeits- und Erwerbsunfähigkeitszahlen aufgrund psychischer Erkrankungen auf der anderen Seite bestimmen dabei das Feld. Nicht immer dienen diese Debatten dem Besorgten oder dem bereits von psychischer Krankheit Betroffenen. Vielmehr entstehen Verunsicherung, zunehmende Wahrnehmung von negativen Veränderungen der Arbeitswelt und Attribuierung psychischer Störung auf Stress und Belastung. Dass das moderne Arbeitsleben u.a. mit Arbeitsverdichtung, höherer zeitlicher und räumlicher Flexibilität und meist hochkomplexen Arbeitsanforderungen einhergeht, ist mittlerweile unumstritten. Das Ausmaß dieser Einflüsse auf die psychische Gesundheit und vor allem notwendige präventive Ansätze am Arbeitsplatz, im Gesundheitswesen und in der Politik sind bislang zu wenig berücksichtigt. Die Referentinnen möchten in diesem Forum eine Diskussion über Beiträge zur Erhaltung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz anregen und Notwendigkeiten, aber auch win-win-Konstellationen für alle – die Betroffenen, die Professionellen und letztlich die Solidargemeinschaft – aufzeigen.

  • Steffi G. Riedel-Heller ist Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public-Health (ISAP), Medizinische Fakultät der Universität Leipzig.
  • Katarina Stengler ist Leiterin der Psychiatrischen Institutsambulanz der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig, AöR.

12:00 Uhr

Von dünnen Schichten und Nanoröhren: Biokompatibilität neuer Materialien für die Medizin

Dr. Mareike Zink und Prof. Dr. Stefan G. Mayr

Biokompatibilität von Materialien ist die Grundlage für den Einsatz im menschlichen Körper. Dabei spielt nicht nur die Materialzusammensetzung eine Rolle, sondern auch die Oberflächenstruktur. Anhand von zwei Beispielen zeigen Mareike Zink und Stefan Mayr, wie neuartige „Intelligente Materialien“ auf ihre Biokompatibilität erforscht werden. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt erarbeiten beide Wissenschaftler, wie magnetische Formgedächtnislegierungen durch Magnetfeld-induzierte Formänderungen Zell- und Gewebewachstum stimulieren können sowie Titandioxidröhren von Nanometergröße bei der Kultivierung von Netzhaut und Hirngewebe eingesetzt werden können. Hieraus ergeben sich nicht nur neue Einsatzgebiete in der Implantologie, sondern auch neue Möglichkeiten, Tierversuche zu ersetzen.

  • Mareike Zink ist akademische Rätin in der Abteilung Physik der weichen Materie, Fakultät für Physik und Geowissenschaften und leitet eine Forschergruppe am Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum der Universität Leipzig.
  • Stefan G. Mayr ist Professor für Physik am Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung (IOM) e.V., dem Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) und der Fakultät für Physik und Geowissenschaften, Universität Leipzig.

13:00 Uhr

Manisch-depressiv Irresein – Stimmungsschwankungen als Krankheit

Dr. Peter Schönknecht

Schwankungen der Stimmung kennt jeder, Erkrankungen der Affekte dagegen nicht. Zu den häufigen Stimmungserkrankungen zählen depressive und manische Syndrome. Besonderes Interesse gilt hier Erkrankungen, bei denen es wechselseitig sowohl zu depressiven als auch zu manischen Episoden kommt. In dem Vortrag sollen die klinischen Leitsymptome der Störungsbilder dargestellt sowie die neurobiologischen Grundlagen der Erkrankungen erörtert werden. Neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gehirns erlauben ein besseres Verständnis affektiver Erkrankungen und bilden die Grundlage für eine effektive Rückfallverhütung. Abschließend soll versucht werden, den Bogen von neurobiologischen Befunden über klinische Symptome hin zum Erleben der Patienten zu spannen und so ein breiteres Verständnis für diese Erkrankungen zu schaffen.

  • Peter Schönknecht praktiziert als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und ist stellvertretender Direktor für Forschung und Personal am Universitätsklinikum Leipzig, AöR.

14:00 Uhr

Das dritte Geschlecht

Prof. Dr. Wieland Kiess und Prof. Dr. Charlotte Schubert

Bei der Geburt eines Kindes ist es in den meisten Kulturen wichtig zu klären, welches Geschlecht das Neugeborene hat. Es kommt vor, dass eine klare Festlegung auf das männliche oder weibliche Geschlecht nicht möglich ist. Das „Dritte Geschlecht“, „Störungen der Geschlechtsentwicklung“, „Zwischengeschlecht“ sind Begriffe, die in diesem Fall verwendet werden. Weiblich oder männlich, inter-, bi- und transsexuell, biologisches und/oder kulturell bedingtes Geschlecht: der Grad, auf dem die Diskussion stattfindet, wenn es um die Festlegung des Geschlechts geht, ist oft schmaler als man denkt. Hartnäckig wird von Gesellschaft und Medizin versucht, ein Geschlecht als eindeutig und „wahr“ anzugeben. Und doch faszinieren uns seit der Antike gerade die uneindeutigen und gegensätzlichen Geschlechtermischungen: Amazonen-Frauen, die in einer Gesellschaft ohne Männer leben, die als Männer kämpfen und Kriege führen, aber immer von den berühmten, männlichen Helden besiegt werden. Hermaphroditen – in der Mythologie die männliche Ausgestaltung der Liebesgöttin Aphrodite und gleichzeitig ein Zwitter mit variablen Anteilen beider Geschlechter. Biologische Sexualtheorien, juristische Bestimmungen und Formen administrativer Kontrolle haben seit dem 18. Jahrhundert zu einer dramatischen Einengung der antiken Vielfalt geführt. Die moderne Molekularbiologie lässt aber heute die biologische Vielfalt des Geschlechts erkennen und mahnt, kulturelle Konzepte zu überdenken und zu ändern.

  • Wieland Kiess ist Professor für Allgemeine Pädiatrie und Direktor der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche.
  • Charlotte Schubert ist Professorin für Alte Geschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig.

15:00 Uhr

Tippgemeinschaft 2013

Ellen Wesemüller, Christian Hoffmann und Domenico Müllensiefen

Ein Institut heißt nicht: Ein Stil! Die Jahresanthologie „Tippgemeinschaft“ der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig zeigt die Vielstimmigkeit der jungen Autoren und die Bandbreite ihrer Texte. Analog zu der Werkschau einer Kunsthochschule gibt sie Einblick in die Arbeiten der Studierenden und ist längst zu einem festen Bestandteil der deutschen Literaturlandschaft  geworden. Ellen Wesemüller, Christian Hoffmann und Domenico Müllensiefen lesen zum Anlass der Ausgabe 2013 Fragmente jüngster Literatur.

  • Ellen Wesemüller studierte Politikwissenschaften in Hannover und Kapstadt und arbeitete als freie Journalistin u.a. für die Berliner Zeitung und die Zeit.
  • Christian Hoffmann studiert seit 2011 am Literaturinstitut, zuvor arbeitete er als Hilfsarbeiter.
  • Domenico Müllensiefen arbeitete als Systemelektroniker, bevor er 2011 sein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm.

letzte Änderung: 28.01.2014 

Kontakt

Christian Stößel
Ritterstraße 26
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Telefon: +49 341 97-35000
Telefax: +49 341 97-35009
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