WIRKLICHKEIT & IDENTITÄT - Master-Seminare für Fotografie und Video


Wenn ich herauszufinden versuche, was Wahrheit ist, kann ich China nicht ignorieren. Alles Gegenwärtige – die Probleme, die Widersprüche, alles Hässliche und Schöne der Realität muss in die Betrachtung eingeschlossen werden.

Ich werde nicht vergessen wie es war die Fotos zu sehen. Ehrlich gesagt habe ich dort nicht das Land gesehen das ich kenne. Aber es ist trotzdem eine Wirklichkeit in China. Es gibt wenig was einen Menschen mehr erschüttert als von einer Not zu erfahren von der er vorher nichts wusste.

Es hat mich schockiert, dass diese Menschen in demselben Land leben und arbeiten wie ich, vielleicht nicht weit entfernt, aber die Unterschiede in der Lebensqualität wirklich so groß sind.

Ich war zur gleichen Zeit erschüttert und stellte mir die Frage: Was kann ich tun? Kann ich gar nichts dagegen tun? Wie kann ich meinem armen Land helfen? Wie kann ich meinen armen Landsmännern helfen? Was sind Wirklichkeit und Wahrheit für mich jetzt?

Dem chinesischen Fotografen Lu Guang ist der erste Humanitäre Eugene Smith Fotopreis verliehen worden. Mit seinem Werk “Umweltverschmutzung in China” hat er als freier Fotograf Bauern und Arbeiter gezeigt und die Wunde der chinesischen industriellen Entwicklung offen gelegt. In den Augen der meisten Chinesen ist das Werk von Lu ein Skandal. Aber dieser sagt, dass das Objektiv diese Motive nur aufnehmen konnte, weil es diese ungelösten Umweltprobleme gibt.

Lu recherchierte die Wahrheit und die Hintergründe der Verschmutzung sorgfältig um mit “Umweltverschmutzung in China” die Wahrheit festzuhalten – gleichzeitig kommen die Geschädigten zu Wort und teilen uns mit welcher Schaden ihnen widerfuhr. Weil die lokalen Regierungen dieses Thema ignorieren, konnte die Verschmutzung nicht vermindert werden und viele Probleme wurden kritischer und kritischer. Lu Guang möchte erreichen, dass sich die Regierung auf nationaler Ebene mit dem Problem befasst. Nur wenn eine einheitliche Problemlösung gefunden wird kann China dieses Problem lösen.

Die Realität zeigt uns, dass nur die Betrachtung eines Problems aus vielerlei Perspektiven und die Akzeptanz und Zuhilfenahme einer breiten Palette von Informationen Unwissenheit und Irrtümer zu vermeiden hilft. Die Realität ist, dass eine einzige Aussage einer Person, die Gefühle und das Weltbild eines Menschen beeinträchtigen können, wenn sie von einer individuellen Erfahrung berichtet. Wenn man etwas wissen will, dann muss man sich der Realität nähern und selbst sehen und selbst hören.

Links:

http://www.chinahush.com/2009/10/21/amazing-pictures-pollution-in-china/

http://www.henri-nannen-preis.de/award_winners_2008.php?id=74&award=Best+Photo+Reportage

http://en.wikipedia.org/wiki/Lu_Guang_(photographer)

Pingping Mi

Der Prozess der Entwicklung, die China in den letzten Jahren und Jahrzenten durchlaufen hat, lässt sich nicht leicht beschreiben. Die Entwicklung des Landes scheint etwas Irreales und schwer Greifbares zu sein; wenn man aber schaut wie sich die Veränderungen im Leben einzelner Menschen darstellen wird dieser Prozess zu etwas Wirklichem und Nachvollziehbaren. Ein Haus oder eine Fabrik kann leicht abgerissen werden aber die Erinnerungen eines Menschen an diese Vergangenheit wird nicht so leicht zerstört werden.

Jia Zhangke, einer der prominentesten Regisseure Chinas, protokolliert in seinem neuesten Film “24 City” die Veränderungen in China in seinem für ihn charakteristischen Stil. Die Themen Wahrheit und Identität sind wichtige Elemente in diesem eindringlich geschilderten Film. “24 City” erfasst den Zustand der menschlichen Existenz und das Verhältnis der Menschen in China zu ihrer Umwelt.

“24 City” beschäftigt sich mit der Veränderung von Lebensrealitäten. Es erzählt die Geschichte einer alten staatlichen Fabrik die nach fünfzig Jahren und der Beschäftigung von Hunderttausenden nunmehr einem neuen Apartmentkomplex namens “24 City” weichen muss. Es ist dabei schwer zu unterscheiden ob es sich hier um einen Dokumentafilm oder einen Spielfilm handelt.

Ein Lkw ziehte eine alte Maschine durch die Straßen der Stadt Chengdu, die Kamera folgt. So eröffnet “24 City” seine Erzählung.
Die Protagonisten des Films sind die ehemaligen Arbeitnehmer; wir sehen sie im Ruhestand, in Fabriken, in Bussen, während der Abriss der Fabrik im Gange ist. Dort schildern sie das Leben in und mit der Fabrik. Einst hatten sie hier Flugzeuge hergestellt; eine ehrbare Arbeit, die sie Stolz machte. Nun bleibt ihnen nur der Schmerz der Erinnerung.

Obwohl der Film wie ein Dokumentarfilm mit Interviews wirkt, werden die meisten Szenen von Schauspielern gespielt. Die Grenzen von Realität und Fiktion verschwimmen. Am Anfang des Films werden echte Interviews gezeigt, danach geht der Film Schritt für Schritt in Richtung Fiktion.

Am Ende können wir die Aussage des Mädchens, gespielt von Zhao Tao, verstehen: Was ist Wahrheit? Letztlich gibt es nur einen Zustand, zwischen den beiden Polen Wahrheit und Fiktion.

Ein Auszug aus dem Film: Während wir vergessen werden, wird die Wahrheit, die für uns noch ganz nah ist, langsam verschwinden. Wenn es keine Erinnerung mehr gibt, könnten wir uns zu unsen Lebens geehrt fühlen?

Einführung von Jia Zhangke: http://de.wikipedia.org/wiki/Jia_Zhangke

Einführung des Films “24 City”: http://en.wikipedia.org/wiki/24_City

Pingping Mi

exactitudes

Dezember 8, 2009 | 1 Kommentar

exactitudes
Jeder ist einmalig?
Der holländische Fotograf Ari Versluis und die Stylistin Ellie Uyttenbroek aus Rotterdam fotografieren seit 15 Jahren die Dresscodes verschiedenster sozialer Gruppen.
website exactitudes http://www.exactitudes.com
Beitrag (mit video) bei titel thesen temperamente (ttt) http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,ir9kzn0bxkbd0sgr~cm.asp

exactitudes

Jeder ist einmalig?

Der holländische Fotograf Ari Versluis und die Stylistin Ellie Uyttenbroek aus Rotterdam fotografieren seit 15 Jahren die Dresscodes verschiedenster sozialer Gruppen – das Langzeitprojekt “exactitudes”.

website exactitudes

Beitrag (mit Video) bei titel thesen temperamente (ttt)

aw

Sophie Calle

Dezember 8, 2009 | Kommentieren

Sophie Calle, Les Dormeurs, 1979 Eine der bekanntesten und bedeutendsten französischen Künstlerinnen unserer Zeit ist Sophie Calle. Sie setzt sich stark mit dem Thema der Wirklichkeit und Identität auseinander. So bricht sie in ihren Werken mit dem Tabu der Privatsphäre. 1979 folgt sie, verkleidet mit Perücke und Mantel fremden Personen auf der Straße.

In “Die Schläfer” läd sie 45 Menschen ein, in ihrem Bett zu übernachten und sich von ihr fotografieren zu lassen. Sie verbindet somit die fremde und die eigene Identität miteinander.

Sophie Calle, “Die Schlafenden”, 1979

In “The Detective” bittet sie ihre Mutter einen Privatdedektiv anzuheuern, damit dieser ihr eigenes Privatleben beschattet und dokumentiert. Und im Werk “l´hotel” arbeitet sie 3 Wochen lang als Zimmermädchen in einem Hotel, fotografiert die “hinterlassenen” Zimmer und Fundstücke.

Immer wieder arbeitet sie mit ihren eigenen Geschichten. So sorgte sie mit ihrem Werk ” Prenez soin de vous” für Aufsehen. Hier legt sie über hundert Frauen die Abschiedsmail ihres Freundes zur Interpretation hin. Die Mail endet mit “Prenez soin de vous”. Passen Sie auf sich auf. Eine altväterliche, überhebliche Floskel. Im Werk singen Sängerinnen den Brief, Psychologinnen analysieren, Korrektorinnen korrigieren ihn – ein vielstimmiges Klagelied auf dutzenden Monitoren.

Sophie Calle  “Prenez soin de vous”  2007  Installation view, Venice Biennial  /  photo kleinefenn@ifrance.com
Sophie Calle “Prenez soin de vous” 2007 Installation view, Venice Biennial / photo kleinefenn@ifrance.com

Jedoch legt Sophie Calle Wert darauf zu betonen, dass diese Arbeiten nur einen Ausschnitt ihrer Selbst zeige und deshalb fiktiv seien.

timea

David Lynch – Dark Splendor Raum Bilder Klang 22.11.2009 - 21.03.2010

David Lynch – Dark Splendor Raum Bilder Klang 22.11.2009 - 21.03.2010 im Untergeschoss des Max Ernst Museum in Brühl - Bild: Umschlagcover zum gleichnamigen Buch erschienen im Hatje Cantz Verlag

Wenn man die Tür zur aktuellen David Lynch – Ausstellung „Dark Splendor“ passiert, überkommt einen das Gefühl in ein vibrierendes Theater einzutreten und gleichermaßen Teil einer Inszenierung zu werden. Nachdem die Karten abgerissen sind, betritt man einen mit Teppich ausgekleideten Raum, muss sich unter der gemusterten und merkwürdig verformten Decke bücken und vorbei an Sofa und Sessel durch schmale Gänge zwängen. Read more

In der aktuellen de:Bug gibt es ein mehrseitiges Feature zum Thema “Augmented Reality”. Besprochen wird hier das mediale Phänomen einer “erweiterten Wirklichkeit”, die Verknüpfung real existierender Orte mit digitalen Zusatzinformationen, die ultimative Vernetzung. Allerdings viel unmittelbarer als von Google Maps’ Zusatzfunktionen wie “Street View”, “Fotos”, “Orte” und “Von Nutzern erstellte Karten” her bekannt. Ruft man hier noch verlinkte Informationen zu einem auf einer digitalen Karte gefundenem Ort auf, schwenkt man vielleicht schon bald ein mit entsprechender Software ausgerüstetes (High-End-)Telefon einfach munter in einer Stadt umher und bekommt Informationen über die Orte, die man auf dem Display des Telefons sieht – man betrachtet die Welt sozusagen durchs Display. Und “sieht” plötzlich mehr: Wie wäre es zum Beispiel, ein Telefon in eine beliebige Richtung zu halten, worauf dieses mittels GPS und Kompass erkennt, welche verlinkten Orte sich in der Nähe befinden, und einem dies in kleinen Pop-Up Fenstern mitteilt? Und wie wäre es, wenn einem das Telefon dazu noch Ausschnitte aus den passenden Wikipediaartikeln anzeigt, und einem sagt, auf welchem Weg man am schnellsten zu den gefundenen Orten gelangt? Stadtpläne und Reiseführer? Gestrig.

Der äußert lesenswerte Artikel erklärt Hintergründe und Funktionsweisen einer scheinbar visionären Technologie. In unterschiedlichen Schwerpunkten werden Entwicklungsstand, Möglichkeiten und Hindernisse ausgelotet, eine Art Testbericht klärt die bei den vorangehenden theoretischen Exkursen gelegentlich aufkeimende Frage, was das Ganze eigentlich soll und beschreibt den mit der Benutzung der Software einhergehenden latenten Realitätsverlust.

franz

Parallele synchronisierte Zufälligkeiten in einer Welt aus Watte und Zellophan.
Stéphane ist Träumer. Statt der Realität ins Auge zu schauen verkriecht er sich lieber in seiner bunten Fantasiewelt. Wenn er die Augen schließt erwacht er in seinem Traumstudio und vermischt dort seine Erlebnisse mit seinen Wünschen.
Auf Geheiß seiner Mutter fliegt Stéphane von Mexiko nach Frankreich, um dort bei einem Grafikstudio zu arbeiten. Die Arbeit widerstrebt ihm, da der Job gar nicht so kreativ ist, wie er dachte. Lieber würde Stéphane seine eigenen Ideen umsetzen. Eigentlich ist Stéphane Erfinder. Mit seinen fantastischen Einfällen beeindruckt er seine Nachbarin Stéphanie und „Golden the ponnyboy“ erwacht zum Leben. Es entwickelt sich eine verträumte Liebesgeschichte. Ohne es zu merken greifen seine Fantasien in seinen Alltag ein. Er verstrickt sich immer mehr und begreift nicht, dass er kurz davor ist, Stéphanie wieder zu verlieren.
Regisseur Gondry arbeitet in seinem Film mit liebevollen Animationen, die zum träumen einladen. Tolle Bilder – toller Film! Sehenswert – nicht nur weil’s zum Thema passt!

K. Lindemann

Der deutsche Konzept- und Videokünstler Christian Jankowski (*1968) zerlegt die Wirklichkeit des Kunstmarktes und der Kunstproduktion auf herrlich humoristische Weise. Er nutzt die Formate der Massenmedien, um die Rolle von Kunst, Politik, Entertainment, Wirtschaft und globalen Vermarktungsstrategien eulenspiegelgleich zu hinterfragen.

Als Beitrag zur Biennale reichte Jankowski 1999 eine Videoproduktion ein, in der er mit fünf bekannten italienischen Fernsehwahrsagerinnen telefonierte und jene zu seiner künstlerischen Zukunft befragte.  Er persifliert das „pseudomagische Gehabe, das aus einem Künstler subito einen Jungstar macht und aus Nichtigkeiten Meisterwerke“ (ZEIT). Dieses Video verhalf ihm tatsächlich zum internationalen Durchbruch…

Vor einer anderen großen Ausstellung hatte Jankowski eine kreative Blockade und suchte einen Psychotherapeuten auf. Dieser diagnostizierte eine ödipale Beziehung zur Kuratorin der Ausstellung als Grund für die Blockade. Die Videodokumentation der Therapie wurde zur gefeierten Kunst: Kunst verzweifelt gesucht.

In seinem 45minütigen Video „Kunstmarkt TV“, das er life auf der Art Cologne für selbige anfertigte, ließ Jankowski zwei professionelle Teleshopping-Moderatoren auftreten. Die beiden offerieren darin Kunstwerke von Jeff Koons oder Franz West gemäß der üblichen Verkaufsaktionen für Fußwärmer, Küchenmesser und Schlankheitspillen in der Television. Am Ende verkaufen die Moderatoren die frisch gebrannte CD-Rom mit dem Video „Kunstmarkt TV“  von Jankowksi handsigniert im „Kunstmarkt TV“ selbst als Kunstwerk.

Jankowskis Kunstmarkt TV

Jankowskis Kunstmarkt TV

Dieses Video ist derzeit in der GfZK innerhalb der ungewöhnlich/besonderen Ausstellung zur Carte Blanche 9 „Vor heimischer Kulisse/Sachsenbank zu sehen und unbedingt zu empfehlen!!!

Bei großem Interesse würde ich eine persönliche Führung durch die Ausstellung nur für euch organisieren:)

gm

http://www.facity.de

http://www.facity.de

Der Fotograf Hannes Caspar hat es  sich zur Aufgabe gestellt  Berliner zu portraitieren. Ein Online-Kalendar, der den Faltenwurf unserer Stadt einfängt. Urbane Anonymität, subjektiviert nach seriellem Prinzip. Passbilder, die keine sind., so heißt es auf facity.de. Und das Prinzip folgt dem aufgestellten ästhetischen Dogma. Fotografiert wird immer im quadratischen Format und zu sehen ist das pure Gesicht. Zu jeder Fotografie folgt ein prägnanter Streckbrief. Beides wird im Internet auf http://www.facity.de veröffentlicht.

Jeder Berliner ist aufgefordert teilzunehmen und sein Gesicht zu zeigen. Und somit die Eigentümlichkeit seines Wesens fernab von gewohnten Darstellungsformen zu enthüllen.

Katja

Im Forschungsprojekt “Record Again” werden 40 Jahre Videokunst untersucht und präsentiert. Die 2. Ausstellungsrunde dieses Projektes begann im Sommer im ZKM / Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe und wird unter anderem auch, am 29. 11. 2009 in Dresden eröffnet.

Im Zentrum der Ausstellungen steht die Beschäftigung mit der inhaltlichen aber auch der technischen Entwicklung der Videokunst, seit den 60er Jahren. Zu sehen sind Videos von einer Vielzahl deutscher und internationaler Künstler , auf der Hompage von “Record Again” gibt es auch einige davon zu sehen.

Interessant ist sicher auch die DVD-Studienedition, welche ab Januar zu erwerben sein wird.

Infos zum Projekt unter: http://www.record-again.de/index.html

http://www.kunsthausdresden.de/

In einem Interview anlässlich des ersten Teils dieses Projektes, sprach Wulf Herzogenrath (Kunsthistoriker, Fachmann Videokunst) über die junge Kunstform “Video”: http://www.goethe.de/INS/id/lp/prj/art/ksd/med/de2062514.htm

Alex