Dr. Ines Seumel

Multimediale Projekte

In Gemeinschaftsarbeit von StudentInnen und SchülerInnen entstehen Medien-Collagen an der Schatten-Wand.

Zum Beispiel: "Gemeinsamer Traum"

 

Die Projektidee: erfordert sensible Gruppendynamik

Im Rahmen des Kunstpädagogik-Studiums haben unsere StudentInnen bei mir einen Kurs "Multimediale Aktion" zu absolvieren, in dem sie lernen, längerfristig und arbeitsteilig an einem gemeinsamen künstlerisch-ästhetischen Projekt zu arbeiten.

Durch ein Arbeitsgespräch mit einer praktizierenden Kunstpädagogin wurde die Idee entwickelt, die inhaltlichen Möglichkeiten dieses Kurses mit fachdidaktischen Intentionen zu verknüpfen: Einige multimediale Projekte wurden bisher schon gemeinsam mit SchülerInnen in deren gewohntem Arbeitsumfeld realisiert. An einem konkreten Beispiel will ich die Zusammenarbeit von StudentInnen und SchülerInnen beschreiben.

Drei Studentinnen aus meinem Kurs hatten sich ein ganzes Semester lang materiell und inhaltlich vorbereitet auf die Arbeit mit SchülerInnen. Sie konzipierten im Experimentier-Studio des Institutes mit dem Komplex-Medium Schatten-Spiel eigene kurze Stücke zum Thema "Wünsche und Träume", sammelten dabei praktische Erfahrungen im Umgang mit den verschiedenen Medien und beschäftigten sich darüber hinaus mit Fragen der didaktischen Vermittelbarkeit und der Realisierbarkeit eines Schatten-Projektes im schulischen Rahmen.

Anläßlich der im Felix-Klein-Gymnasium Leipzig stattfindenden Projekttage wurden den Studentinnen 2 Tage für die Gemeinschaftsarbeit mit interessierten und neugierigen SchülerInnen zur Verfügung gestellt

Die Zusammensetzung der Arbeits-Gruppe wurde durch eine völlig freie Einschreibliste zum Thema "Spiel mit Licht, Schatten, Farben, Strukturen und Klängen" gesteuert. Die Projekt-Gruppe bestand schließlich aus zwei 15jährigen Jungen, zwei 15jährigen Mädchen, fünf 14jährigen Mädchen und den drei Studentinnen.

Das Projekt fand in einem großen Fachkabinett der Schule statt, das wir vor Beginn für unsere Zwecke präparierten (Verdunkeln, Anbringen der Schattenwand, Aufstellen der Technik usw.).

Zu Beginn herrschte eine spannende Atmosphäre der Kontakt-Aufnahme:

Die einen, gerade erst aus dieser Lebensphase des Schülerdaseins heraus, nun fast schon in der Rolle des "Lehrers" vor den SchülerInnen stehend – hatten Ängste und hohe Ansprüche an die Begegnung mit SchülerInnen. (Sämtliche Formen von schulpraktischen Übungen während des Studiums sind begehrt und gleichzeitig gefürchtet von den StudentInnen.) Solche gemeinsamen Projektarbeiten wie die beschriebene stehen ziemlich am Anfang des Studiums und nehmen den StudentInnen einerseits die Scheu, mit SchülerInnen zu arbeiten, setzen andererseits aber sehr gute fachliche und didaktische Vorbereitung voraus. Also: Ängste werden abgebaut, Ansprüche bedient. Das Umfeld Schule wird für die StudentInnen aus Lehrersicht erfahrbar, jedoch hier in "abgeschwächter" Form: sie sind eine Lehrergruppe und gehen spielerisch–experimentell mit den SchülerInnen um, eben miteinander anstatt im Frontalunterricht ihnen gegenüber zu stehen. Die StudentInnen verfügten in diesem Falle über das "Know how" der ästhetischen Realisierung.

Die anderen, die Schüler, erwarteten etwas Besonderes, vom Schulalltag Verschiedenes, als StudentInnen ein Projekt ankündigten. Gereizt hat die SchülerInnen das Kennenlernen der LehreranwärterInnen, das Erfahren einer völlig neuen künstlerisch-ästhetischen Arbeitsweise sowie die Aussicht auf Aufführung und Demonstration des fertigen Spiels. Sie brachten vor allem Ideenvielfalt, Energie und Spontaneität in die gemeinsame Arbeit ein.

Von beiden "Seiten" wurde in dieser Situation die Bereitschaft und Fähigkeit zu spontaner Gruppendynamik gefordert: Die TeilnehmerInnen mußten sich erst kennenlernen, um dann in kürzester Zeit ziemlich vertraut miteinander umgehen zu können und ein arbeitsteiliges Realisieren des Projektes überhaupt zu ermöglichen. Die Annäherung vollzog sich recht unproblematisch über gemeinsame Spiele rund um die Schatten-Wand und über ein intensives Brain-Storming zum Thema "Träume und Wünsche".

Während dieser thematischen Einstimmung erwies sich die zunächst schwierig zu realisierende Dialog-Kultur der gegenseitigen Rücksichtnahme und des sensiblen Eingehens auf individuelle Dispositionen, Vorlieben, Abneigungen, Reflexionsebenen als äußerst fruchtbringend für den weiteren erfolgreichen Verlauf des Projektes. Sowohl bezüglich der inhaltlichen Abstimmung von Ideen, Gefühlen und Gedanken als auch im Diskurs um ästhetische Lösungsvarianten mußten die SchülerInnen und StudentInnen sehr geschickt ihre Standpunkte gegen- und miteinander abwägen. Die jüngeren Schülerinnen übten große Zurückhaltung und Akzeptanz, als sich die Vorstellungen der 15jährigen vordergründig um das Thema Liebe rankten. Die älteren versuchten wiederum, die Vorschläge der 8.-Klässler zu phantastischeren, fast utopischen Trauminhalten in die Überlegungen zur möglichen ästhetischen Umsetzung ihrer Ideen einzubeziehen. Im Verlaufe der 2 Projekttage kristallisierte sich jedoch unterschiedlich dominantes Gruppen-Verhalten der einzelnen Teamer heraus: Die Gruppen-Mitglieder setzten in sehr differenzierter Abstufung ihre Kräfte zur ästhetischen Argumentation und zur Durchsetzung oder Verteidigung ihrer Vorschläge ein. Es wurden partiell Führungsrollen übernommen, dann wiederum an eine andere Person abgegeben. Manche blieben letztlich doch mehr die "Ausführenden". Die Studentinnen übernahmen die koordinierende Moderation während der wiederholten Gesprächsrunden und Prüfprozesse sowie die Strukturierung und Ordnung des Ideen-Pools und arbeiteten schließlich einen konzeptuellen Konsens heraus. Für mich als "Außenstehende" war die Bewußtheit des kulturvollen Streitens in diesen äußerst sensiblen Phasen des Projektes bei allen TeilnehmerInnen deutlich spürbar. Ein dynamischer Gruppenprozeß war in Gang gesetzt worden,

Der Vorteil und die Spezifik einer multimedialen Arbeitsweise besteht in der Möglichkeit, mit Gespür für Zusammenhänge und geschickter technisch-ästhetischer Umsetzung verschiedene Aspekte einer Thematik miteinander zu verknüpfen, ohne daß einzelne Teile aufgesetzt wirken.

Ein wesentliches Ziel einer solchen sowohl prozeß- als auch produktorientierten, gemeinschaftlichen Projektarbeit ist das "Lernen für’s Leben": Die Beteiligten üben nonverbale und verbale Kommunikation / Interaktion in einer Gruppe. Das Sich-Behaupten-Dürfen in einer zensurfreien Atmosphäre ermuntert zum Abbau von Schüchternheit und sozialen Berührungsängsten. Die Fremd-Akzeptanz eigener Vorstellungen und Vorschläge hilft Selbstbewußtsein und Durchsetzungsvermögen aufzubauen und Freude am Mit-Schaffen zu gewinnen. Die Relativierung eigener Standpunkte und Wünsche innerhalb des Gruppen-Prozesses bringt aber auch die Erfahrung ein, daß es manchmal notwendig und wichtig ist, zugunsten eines gemeinsamen Vorhabens eigene Interessen zurück zu stecken. In jeder Teilnehmerin, jedem Teilnehmer muß das Bewußtsein aktiviert werden, daß sie / er eigenständige und nicht zu ersetzende Verantwortung für das Gelingen des gemeinsamen Projektes trägt, und zwar auf dem Gebiet seiner spezifisch ausgewählten oder zugeteilten Arbeitsaufgabe. Eine öffentliche Präsentation und gegebenenfalls Anerkennung des Ergebnisses wird sich sowohl als Resonanz für das gesamte Team als auch für die einzelne Teil-Leistung erweisen.

 

Das Multimedium Schattenspiel: erfordert arbeitsteilige Realisierung

Die Schattenwand, in unserem Fall improvisiert aus zwei zusammen genähten und straff gespannten Bettlaken, diente als Projektionsfläche für verschiedene Lichtquellen: Dia-Projektor (DP), Overhead-Projektor (OHP), farbige Strahler, eventuell Film-Projektor (FP). Die an sich farblose Fläche wurde zum Bildgrund, der "eingefärbt" und strukturiert werden konnte, auf dem sehr differenzierte Bildelemente miteinander korrespondierten: z.B. wurde eine gestaltete Schrift auf OHP-Folie mit einem "Sandwich"-Dia (vgl.: Seumel 1994) kombiniert, in diese "Kulisse" hinein bewegte sich der Körper-Schatten einer Person, die direkt hinter der Schattenwand eine (symbolische oder szenische) Handlung ausführte, und zwar scheinbar mit einem Gegenstand, dessen Schattenumriß vom OHP her projiziert wurde. Dieses Beispiel soll das Prinzip der arbeitsteiligen bildnerischen Produktion an der Schattenwand verdeutlichen: es gibt nur eine Projektions-Fläche, aber mehrere Projektions- und Arbeitsebenen. Am OHP läßt ein Schüler oder eine Schülerin einen ganz anderen gestalterischen Prozeß ablaufen als die Person, die sich hinter der Schattenwand bewegt, beide Prozesse sind aber für den Zuschauer gleichzeitig auf einer Projektionsfläche miteinander kombiniert erfahrbar.

Hinzu kommen kann, wenn man die technische Voraussetzung hat, auch die zusätzliche Projektion eines Filmes oder von Dias und Folien von der anderen Seite der Schattenwand (spezielle Projektionsfolie notwendig – siehe Information). In diesem Fall können sich Bildelemente teilweise gegenseitig aufheben oder ihre Intensität verstärken. Der Collage-Charakter wird somit potenziert. Die Projekt-TeilnehmerInnen konnten durch Manipulation an den Projektionsgeräten die einzelnen Bildelemente immer wieder verändern, verschieben oder austauschen, so daß ständig eingegriffen wurde in einen fortwährenden Bild-Produktions-Prozeß.

Äußerste Sensibilität und Konzentriertheit erforderte hierbei eben die Abstimmung und Koordinierung der Arbeiten auf den einzelnen Projektionsebenen: ein Schüler, der auf dem OHP ausgeschnittene Formen aus Farbfolien bewegte, mußte z.B. ganz genau beobachten, wo in diesem Moment auf der Schattenwand der blaue Lichtfleck "wanderte", der von einer Schülerin mit dem Farbstrahler im selben Moment erzeugt wurde. Oder er hatte darauf zu achten, an welcher Stelle sich gerade der Körperschatten der Schattenspielerin befand, während diese sich auf die Bewegung der farbigen Formen vom OHP konzentrieren mußte, um Überschneidungen zu vermeiden.

Zur akustischen Gestaltung wurden Kassetten-Recorder / CD-Player und Verstärker mit Mikrofon zur Erzeugung von Live-Geräuschen eingesetzt.Es kam im Endeffekt nicht darauf an, möglichst viele Medien einfach nur nebeneinander zu benutzen, sondern es sollten Bilder konstruiert, strukturiert, komponiert werden aus einzelnen Gestaltungselementen. Meine vor Beginn eines solchen Projektes formulierten Arbeitsziele unterscheiden sich grob nach dem Charakter des Resultats: Es soll entweder eine multimediale Collage an der Schattenwand entstehen, die eher von sinnbildlichen Handlungsformen getragen wird und teilweise Performancecharakter annehmen kann (also bewußt kein Theaterstück). Die gemeinschaftliche Arbeitsweise bestimmt sich durch eine lange Phase des Sammelns von Ideen und des Ausprobierens von Realisierungsvorschlägen sowohl im akustischen als auch im optischen Bereich. Eine Phase der Zuordnung und Verknüpfung einzelner Elemente zu einem ästhetisch befriedigenden, schlüssigen Ganzen schließt sich daran an.

Oder: Eine ganz andere Herangehensweise erfordert die Aufgabenstellung eines multimedialen szenischen Schatten-Spiels. Nach einem mehr oder weniger festgelegten Regie-Plan erfolgt das arbeitsteilige Einüben von Rollen und Fähigkeiten in verschiedenen Aufgabenbereichen. Szenische Handlungsformen bestimmen diese Art des Spiels mit Körper- und Gegenstandsschatten als eine Form des Theaters.

Bei dem hier beschriebenen Projekt verbanden sich nicht zuletzt aufgrund der Kürze der vorgegebenen Zeit während der Erarbeitung und auch im Resultat beide Ebenen spontan miteinander: Akteure und Zuschauer konnten sowohl das Prinzip der medialen Collage als auch, in manchen Phasen, zusammenhängendes darstellendes Spiel erleben.

Die grundlegende Orientierung lag auf der kommunikativen Funktion der entstehenden Bilder, die sowohl für die "Macher" während des Produktionsprozesses als auch für das Publikum über ihre sinnliche Wahrnehmung, über ihr Erleben zu Bedeutungsträgern wurden, Stimmungen verbreiten, Emotionen auslösen sollten. Die Kommunikation durch Bilder wurde aber auch insofern gefördert, sogar forciert, weil alle aktiv Beteiligten durch den ständigen Wechsel zwischen Aktions- und Reflexionsebene (Konstruktions- und Prüfprozesse liefen annähernd parallel ab) geradezu zum Dialog, zur gegenseitigen Abstimmung, zur aufmerksamen Zur-Kenntnis-Nahme des Tuns Anderer gezwungen waren, sonst wären gemeinsame Bilder gar nicht zustande gekommen.

 

Zum Ablauf des Projektes:

1. Einführende Spiele zur "Erwärmung" ohne und mit Schattenwand:

2. Kennenlernen des Komplex-Mediums Schatten-Spiel:

3. Erarbeitung eines Konzeptes

4. Realisierung

 

Der ephemere Charakter: erfordert Reflexion und Dokumentation

Die Differenziertheit und Vielschichtigkeit des hier angedeuteten kontinuierlich ablaufenden Bild-Produktions-Prozesses macht es wenig sinnvoll, für Nicht-Anwesende im Einzelnen zu beschreiben, was zu sehen war.

Sowohl Fotografie als auch Videoaufnahme der Proben bzw. Aufführung verstanden sich ausschließlich als dokumentarische Medien und als Instrumentarium zum effektiven "Feed back" für die AkteurInnen während und nach der Experimentier- und Übungsphase. Gerade durch das Fotografieren einzelner Bildsequenzen und das Besprechen der Fotos gelang es, die SchülerInnen und StudentInnen auf die Komposition und Strukturierung einzelner Bildszenen nach bild-künstlerischen Kriterien aufmerksam zu machen (Beachtung von Kontrastwirkungen, Spannungen, Bildaufbau, Anordnung der Bildelemente auf dem Hintergrund, Farbwirkungen usw.).

Mitunter entstanden Fotografien, die ästhetischen Eigenwert beanspruchen, weil sie eine Atmosphäre oder ein Schatten-Licht-Farb-Szenario oder einen gelungenen Augenblick aus einem ablaufenden Prozeß einfingen. Diese Momentaufnahmen vermögen manchmal noch prägnanter auf Befindlichkeiten und Hintergründe zu verweisen oder diese auszulösen als das gesamte aufgeführte Stück.

Die Fotografien wurden von den beteiligten SchülerInnen und StudentInnen in ihrem Wert als "Relikte" der vollbrachten Leistung hoch geschätzt und zum Zweck der Selbst-Einschätzung kritisch reflektiert.

Zum Anstacheln von Neugier und Interesse an kommenden Projekten benutze ich fotografierte Bild-Dokumente lieber als Video-Mitschnitte, da sie nur Eindrücke von Situationen vermitteln und nicht schon ganze Handlungsanweisungen zum bloßen Nachahmen vorgeben.

Neue Ideen für ästhetische Lösungen ergeben sich in einer Gruppe sowieso am spontansten in der Auseinandersetzung mit konkreten Inhalten. Meine nächsten Themenvorschläge: "Hände und Füße", "Be-Gegnungen", "Gegen-Sätze", "Rollen-Spiele", "Blick-Winkel", Janoschs "Froschkönig", "Abstraktes", "Paradoxes", "Rituelles", "Zufälliges"., (der Abstraktionsgrad wird entsprechend der jeweiligen Adressatengruppe differenziert), setzen hoffentlich wieder kreative Spiele mit Licht, Schatten, Farben und Formen, Klängen und Geräuschen in Gang.

 

BRAIN-STORMING ZUM THEMA TRAUM

Bunt Weltall Traumfrau Alptraum

Rosarot Begegnung Unwirklich Wünsche / Hoffnungen Angst Schweißausbruch

Verführung Grüne Wesen Große Liebe

Fortsetzung des Alltags Ohne Ton Mit Sprache

Farbmuster Einsam – Gemeinsam

Bedrohung Chaos der Gefühle Sicherheit

"alles nur ein Traum" ... usw.

 

Checkliste

Vorbereitung / Technische  Mittel
  • Schattenwand
  • Overheadprojektor
  • Diaprojektor (en)
  • Farbige Strahler
  • Verschiedene Folien
  • Folienstifte
  • Transparente Farben
  • Gegenstände
  • Materialien
  • Requisiten
  • (Kleidungsstücke, Utensilien)
  • Kassettenrecorder /
  • CD-Player
  • Verstärker mit Mikrofon
  • Utensilien zum Herstellen von Geräuschen
  • Keyboard oder
  • Live-Instrumente

 

Literatur

Baily, Vanessa / Robson, Denny: Schattentheater. Bassermann Verlag Niedernhausen/Ts. 1991

Ende, Michael: Ophelias Schattentheater. Mit Bildern von Friedrich Hechelmann. Thienemann Verlag Stuttgart, Wien 1988

Gilde, W.: Licht und Schatten. Physik-Verlag Weinheim 1983

Haehnel, Gerd / Söll, Florian: Schattenleuchten – Wege zum Menschenschattenspiel. Pädagogik-Kooperative e.V., Goebenstr. 8, 2800 Bremen

Kunst +Unterricht, Heft 97/1985: Thema: Spiel-Objekt / Objekt-Theater. Friedrich Verlag Seelze 1985

Kunst + Unterricht, Heft 168/1992, Thema: Schattenspiel. Friedrich Verlag Seelze 1992

Nold, Wilfried: Das Spiel der Schatten. Edition Aragon Moers 1995

Roscher, Wolfgang: Polyästhetische Erziehung. Du Mont-Verlag Köln 1976

Seitz, Rudolf: Spiele mit Licht und Schatten. Don Bosco Verlag München 1984

Seumel, Ines: Dem Zufall auf die Sprünge helfen, in: Kunst + Unterricht, Heft 179 / 1994, Thema: Zufall. Friedrich Verlag Seelze 1994

Seumel, Ines: Ernsthafte Metamorphose, in: Kunst + Unterricht, Heft 195 / 1995, Thema: Folien. Friedrich Verlag Seelze 1995

Spielzeit. Spielräume in der Schulwirklichkeit, Friedrich-Jahresheft XIII, Friedrich Verlag Seelze 1995

 

Vorführung vor und hinter der Schattenwand /
Vorstellen technischer und ästhetischer Möglichkeiten mit verschiedenen Lichtquellen
Overheadprojektor

Der Overheadprojektor erweist sich als wichtigstes und praktischstes technisches Gerät für das Schattenspiel. Er dient sowohl als Lichtquelle als auch als Projektions- und Arbeitsfläche.

  • Auflegen farbiger Folien, Transparentpapiere, Stoffe, Kunststoffe - Erzeugen farbiger und/oder strukturierter Flächen auf der Schattenwand (ebenso möglich durch das Halten und Bewegen farbiger Folien vor der Lichtquelle)

- Besprühen, Bespritzen, Bemalen, Beklecksen von Folien auf dem OHP, Verlaufenlassen der Flüssigkeiten (neben (Hinterglasmal-)Farben auch Leim, Kosmetika, Lebensmittel, die farbige Transparenz ermöglichen - Erzeugen "bewegter" abstrakter Bilder auf der Schattenwand

  • Ausschneiden, Reißen von Formen und Figuren aus Folien und Papieren, Auflegen solcher 2-

dimensionaler Gegenstände - Erzeugen großer gegenständlicher Schattenbilder

  • Auflegen realer Gegenstände auf den OHP, mit dem Körper-Schatten "hineingehen" und Bezge

herstellen zu den Schattenbildern der Gegenstände - Erzeugen surrealer Größenverhältnisse und inhaltlicher Kombinationen

  • Experimentieren mit anderen Materialien, z.B. Watte, Reiskörner, Pflanzen usw. - Erkunden der 2-

dimensionalen Wirkungen auf der Schattenwand

  • Auflegen großflächiger transparenter Gefäße auf den OHP, Spielen mit Wasser und Farben –

Erzeugen "bewegter" Bilder auf der Schattenwand

 

Diaprojektor

Als mögliche alternative oder zusätzliche Lichtquelle wird der Diaprojektor vorgestellt. Neben der klassischen Arbeitsweise, fertige Kunst- oder Privat-Dias zu projizieren, kann auch dieses Gerät dazu dienen, farbige, strukturierte oder "bewegte" Flächen und Bilder zu erzeugen. Farbige Folien oder Transparentpapiere werden vor die Lichtquelle gehalten.

Für die Herstellung von "Phantasie-Dias" lassen sich die Schüler und Schülerinnen erfahrungsgem"á leicht begeistern. Die Gestaltung solcher Dias kann durchaus auch als eigenständige, vorangehende Unterrichts-Sequenz realisiert werden.

"Phantasie-Dias"

In aufklappbare, 2-glasige Dia-Rähmchen (im Handel erhältlich) kann man mit allen möglichen kleinteiligen, flachen, transparenten Materialien und Substanzen Bilder gestalten, die, im Dia-Projektor projiziert, großflächige und lichtdurchflutete Phantasiegebilde und -landschaften ergeben. Die Schüler und Schülerinnen können mit den Materialien experimentieren, Zufälle bewußt in die Gestaltung einbeziehen und fertige Bilder deuten und interpretieren. Besonders reizvoll ist die Gestaltung "bewegter" Bilder durch das Mischen von Öl und Spülmittel mit oder ohne Farbe auf dem Dia-Glas. Durch die Wärme der Projektion erzielt man auf diese Art und Weise sich bewegende und faszinierende Gestalten und Figuren auf der Schattenwand. Geeignete Substanzen und Materielien: Hinterglasmalfarben, farbige Tuschen und Tinten, Duschbad, Nagellack, Watte, Netze, Haare, Gewürze, Marmelade, kleine Pflanzenteile u.v.m. ausprobieren! Solche Phantasie-Dias dienen im Rahmen eines Schattenspiels als Kulissen und zum Erzeugen verschiedener Atmosphären auf der Schattenwand.

 

Farbige Strahler

Schattenspiele und -wirkungen mit farbigen Lichtquellen können unter Einbeziehung der aktiven Mithilfe einzelner Schüler oder Schülerinnen demonstriert werden. Benötigt werden einfache Lichtstrahler mit farbigen Glühbirnen (möglichst Grundfarben Rot, Gelb, Blau, Grün). Die Beleuchtung der Schattenwand mit einem Strahler erzeugt eine einfarbige Fläche, der Körper-Schatten ist schwarz. Strahlt man die Schattenwand gleichzeitig mit zwei oder mehreren Farben an, erhält man verschiedenfarbige Konturen der Körper-Schatten. Nun kann experimentiert werden, was mit den Körper-Schatten geschieht, wenn die farbigen Strahler hinter der Schattenwand bewegt werden (auf die Schattenwand zu, von ihr weg, die Strahler aufeinander zu oder auseinander gehend): Die farbigen Schatten überschneiden sich, die Größe der Körper-Schatten verändert sich, man kann ruhige Schatten scheinbar über die Schattenwand gleiten lassen. Auch hier gilt: je mehr die Schüler und Schülerinnen selber ausprobieren, um so intensivere und vielfältigere Erfahrungen sammeln sie im Umgang mit den farbigen Strahlern.

 

Kerze, Taschenlampe

Schließlich können spezielle Beleuchtungs-Effekte mit Kerze(n) und Taschenlampe(n) demonstriert werden. Die Schüler und Schülerinnen probieren dazu die jeweilige Wirkung ihrer Körper-Schatten aus. Mit Kerze(n) erzeugt man eine geheimnisvolle, mystische Atmosphäre auf die Schattenwand, die Körper-Schatten erscheinen flackernd und zuckend.

Mit einer oder mehreren Taschenlampen werden punktuell Lichtflecke produziert, die sich auf der Schattenwand bewegen können.

 

 

REGIE – BUCH

 

Handlung

 

OHP / Dia-Projektor

Sonstige Effekte Musik / Geräusch
Keine Verschiedene Phantasie-Dias gehen ineinander über

(aus Öl, Spülmittel, Haaren, Farbe)

.

 

 

CD: Phillip Glass:

"Glass-Works"

 

 

 

 

Unterschiedlich charakterisierte Personen (gekennzeichnet durch typische Utensilien) laufen erst einzeln, dann kreuz und quer hinter der Schattenwand entlang

Blaue Folie auf OHP – kalte Atmosphäre .  

Musik wird schneller, hektischer, lauter

Zwei Menschen berühren sich kurz und zufällig, schauen sich erstaunt um und lange an. Sie tasten sich vorsichtig ab, dann erschrocken über ihr Tun, lassen sie sich von dem hektischen Strom, der wieder einsetzt, mittreiben (gehen in entgegengesetzte Richtungen aus dem Bild). Die blaue Folie wird fast unmerklich bewegt und in Falten geknittert. eins und dann mehrere Lichter blitzen kurz auf Musik wird unterbrochen, setzt dann um so lauter und hektischer wieder ein
Keine als "Zwischenspiel" Wassertropfen und Farbtropfen auf OHP Kaliumpermanganat-Körner werden hinzugefügt – Effekt der allmählichen Farbveränderung mit Mikrofon und Verstärker werden passende Geräusche erzeugt: (Wassertropfen, kratzendes Rascheln mit Tüten, Körner auf Pappe)
Eine Liebesbeziehung in ihrer Dynamik wird dargestellt: umeinander werben, dann Distanz schaffen, zueinander hinstreben, sich abweisen,

dann innige Nähe, Hände und Arme recken sich von den Seiten aus ins Bild, um an dieser Zweisamkeit teilhaben zu dürfen

Auf dem OHP liegt rote Folie auf, wird ausgewechselt durch Folien mit anderen Rottönen oder überlagert mit anderen Folien Die Seitenränder der Schattenwand müssen verdeckt sein, damit der Zuschauer nicht die am Rand stehenden Personen sieht, sondern nur die Hände und Arme

Zusätzlich Farbstrahler langsam bewegt

Beatles: "All you need is love", etwas langsamer als gewöhnlich – geringe Verzerrung
Buchstaben fallen zufällig in das Bild und ergeben das Wort: TRAUM Aus Papier ausgeschnittene Buchstaben werden seitenverkehrt auf die OHP-Fläche geworfen,

eine Hand wischt sie wieder fort

Farbstrahler aus zu jedem einzeln Buchstaben wird ein Geräusch erzeugt
Keine . Als "Zwischenspiel":
Zwei Mitspieler halten rechts und links hinter der Schattenwand eine große transparente Folie und bewegen sie in Wellen, sie wird von verschiedenen Farbstrahlern von hinten beleuchtet
Geräusch von Wind, Sturm, Zischen und Rauschen durch das Mikrofon
Ein Mensch rennt hektisch hin und her. Er wird bedroht von aggressiven Elementen, hebt schützend die Arme, dann senkt sich von oben eine Glaskuppel über den Menschen und bietet ihm Schutz Von den Seiten der OHP-Fläche aus werden spitze Gegenstände (Glassplitter, Schaschlyk-Stäbe, Gabeln usw.) oder andere Materialien (Federn, Zweige usw.) in das Bild hineingeschoben, Murmeln über die Fläche gerollt...

Ein Glas wird so über die OHP-Fläche geschoben, daß sie genau den vorn agierenden Menschen umschließt

Es müssen gleichzeitig einige Mitspieler am OHP arbeiten, um ein gemeinsames Bild zu erzeugen Mikrofon wird vor Lautsprecher gehalten und erzeugt ohrenbetäubendes Kreischen, wird immer leiser, abgedämpfter
Die Person tastet ihr "Gehäuse" von innen ab, wägt sich in Sicherheit und läßt sich nieder, eine zarte Blume wächst neben dem Glashaus, ist aber von der Person nicht erreichbar. Sie fühlt sich plötzlich gefangen, einsam, ausgeschlossen,

sinkt enttäuscht und erschöpft nieder

Glas wird weiterhin auf dem OHP gehalten,

daneben wird ein Pflanzengebilde aus Draht auf die OHP-Fläche geschoben

. Stille

Geräusch eines Klopfens mit einem Gegenstand auf Glas, Rütteln

Worte:
SICHERHEIT -  FREIHEIT
geschriebene Worte auf OHP-Folie, werden allmählich mit Farbe zugemalt . wieder Phillip Glass vom Anfang