Zentrale Einrichtungen  

Zentrale
Einrichtungen

Leipziger Universitätsmusik

Zur Geschichte der Musik an der Universität Leipzig

1410
Beschluss der Artistenfakultät in ihrem Statut, dass Vorlesungen über die Musica speculativa secundum Boetium (1323) von Johannes de Muris zur Erlangung von Baccalaureat und Magisterium vorgeschrieben sind. Andere deutsche Universitäten folgen im 15. Jahrhundert dem Leipziger Beispiel. Damit festigt sich die Stellung der Musik als Teil des Quadriviums (zusammen mit Arithmetik, Geometrie und Astronomie) der Septem Artes liberales. Spätestens 1558 werden diese Vorlesungen wieder abgeschafft.

1503
Erstmals sind Zahlungen der Universität an einen Organisten und einen Kantor für eine universitäre Feierlichkeit belegt.

1504
Fertigstellung des Mensuralkodex des Magisters Nikolaus Apel (eine der bedeutendsten deutschen Musikhandschriften jener Zeit).

1543
Die Paulinerkirche geht in den Besitz der Universität über und wird damit zur Universitätskirche. Bei den dort stattfindenden akademischen Festakten ist sorgt meist der Thomaskantor für die Musik.

Mitte des 16. Jh.
Neue Vorlesungen und Übungen zur Musik, die nun häufig von den Kantoren der Thomas- oder Nikolaikirche durchgeführt werden. Sie dienen vornehmlich der Ausbildung von praktischen Musikern.

1655/56
Mit Werner Fabricius stellt die Universität erstmals einen eigenen „Academiae Musicus“, d. h. Universitätsmusikdirektor ein.

17. Jh.
Sporadische Existenz mehrerer Collegia musica (studentische Instrumental-Ensembles)

1701
Gründung eines Collegium musicum durch den Jura-Studenten Georg Philipp Telemann (nachmals Musikdirektor der Stadt Hamburg); es wird später u. a. von Johann Sebastian Bach geleitet.

1708
Gründung eines zweiten Collegium musicum durch den Jura-Studenten Johann Friedrich Fasch (nachmals Hofkapellmeister in Zerbst).

1710
Einrichtung eines öffentlichen, mit anspruchsvoller Figuralmusik ausgestatteten, „neuen” Gottesdienstes in der Universitätskirche St. Pauli.

1723–1750
Musikalische Betreuung des an einigen hohen kirchlichen Festtagen und bei Universitäts-Redeakten weiterhin üblichen „alten” Gottesdienstes in der Universitätskirche durch den Thomaskantor Johann Sebastian Bach. Dabei werden, wie seit Jahrhunderten üblich, schlichte Motetten gesungen. Den musikalisch gewichtigeren „neuen” Gottesdienst überlässt die Universität dem künstlerisch weit weniger bedeutenden Universitätsmusikdirektor Johann Gottlieb Görner.

1727
Aufführung der Trauerode BWV 198 von Bach nach einem Gottsched-Text im Auftrag des Studenten Carl von Kirchbach zum Gedächtnis der verstorbenen sächsischen Kurfürstin Christiane Eberhardine in der Universitätskirche (Höhepunkt einer im 17. und 18. Jahrhundert reichen Musiktradition zu akademischen Festakten, Promotionen, Quartalsorationen, Huldigungen und Trauerfeiern).

1729
Wilhelm Friedemann Bach studiert u. a. Jura, Philosophie und Mathematik

17311734
Carl Philipp Emanuel Bach studiert Jura

1737–1743
Musiktheoretische Vorlesungen durch Lorenz Christoph Mizler (erstmals seit dem 16. Jahrhundert).

Ca. 1740
Johann Ernst Bach studiert Jura

1793
Erstmals musikästhetische Vorlesungen durch Christian Friedrich Michaelis.

ab 1812
In der Universitätskirche werden Oratorien (darunter bedeutende zeitgenössische Werke) durch die 1802 gegründete Leipziger Singakademie, deren Dirigenten 1818 bis 1847 zugleich Universitätsmusikdirektoren sind, aufgeführt. Nach 1850 kommen Riedelverein und Bachverein hinzu.

1822
Gründung des Sängervereins an der Kirche zu St. Pauli, der sich ab 1824 Universitätssängerverein zu St. Pauli und ab 1919 Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli nennt. Seine Leiter sind von 1860 bis 1936 gleichzeitig Universitätsmusikdirektoren. Um die Jahrhundertmitte (1849) tritt der Akademische Gesangverein Arion hinzu. Die beiden studentischen Männerchöre entwickeln sich bis zum Ersten Weltkrieg zu den mitgliederstärksten Leipziger Studentenverbindungen und singen in zahlreichen Konzerten allein oder mit gemischten Chören u. a. im Gewandhaus und in der Universitätskirche.

18281829
Robert Schumann studiert Jura

18311832
Richard Wagner studiert Musik

1836
Ehrendoktorwürde für Felix Mendelssohn Bartholdy

1859
Einführung regelmäßiger Vorlesungen zur Musikgeschichte durch den Universitätsorganist und späteren Universitätsmusikdirektor Hermann Langer.
 
1847
Felix Mendelssohn Bartholdy wird in der Universitätskirche aufgebahrt

18901895
Der Universitätsmusikdirektor Hermann Kretzschmar veranstaltet jährlich sechs Akademische Orchesterkonzerte, die den Studenten der Universität zur musikalischen Bildung dienen sollen.

1907
Für anderthalb Jahre ist der bedeutende Komponist Max Reger Leipziger Universitätsmusikdirektor.

1908
Gründung des Collegium musicum durch Hugo Riemann, Ursprung des Musikwissenschaftlichen Instituts.

1926
Gründung des Madrigalkreises Leipziger Studenten durch Friedrich Rabenschlag. Aus diesem sowie aus der ebenfalls von Rabenschlag geleiteten Heinrich-Schütz-Kantorei (vormals Universitätskantorei) geht 1938 der Leipziger Universitätschor hervor.

1926
Ankauf der Heyer’schen Sammlung historischer Musikinstrumente aus Köln für die Leipziger Universität. Die Sammlung bildet den Grundstock für das 1929 eröffnete Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig im Grassi-Museum.

1943
Bei einem Luftangriff werden die Räume des Instituts für Musikwissenschaft und des Instrumentenmuseums im Grassimuseum schwer getroffen. Zahlreiche einzigartige Instrumente werden beschädigt und zerstört.

1946
Wiederbeginn der Arbeit des Universitätschores, der Universitätskantorei und des Kammerorchesters der Universität unter Friedrich Rabenschlag.

1950
Gründung des Instituts für Musikerziehung (1966 bis 1993 mit dem Institut für Musikwissenschaft vereinigt).

1954
Gründung des Akademischen Orchesters (zunächst Collegium musicum genannt) durch Horst Förster.

1957
Gründung der Capella fidicinia am Musikinstrumenten-Museum durch Hans Grüß.

1968
Sprengung der unversehrten Universitätskirche, der Heimstatt des Universitätschores.

seit den 1960er Jahren
Gründung mehrerer weiterer musikalischer Ensembles an der Universität sowie an einzelnen Fakultäten und Instituten.

1992
Einrichtung der Leipziger Universitätsmusik und Gründung des Pauliner Kammerorchesters durch Wolfgang Unger.

1994
Gründung des Pauliner Barockensembles durch Wolfgang Unger und erstmalige Veranstaltung der Leipziger Universitätsmusiktage, die seitdem etwa im zweijährigen Turnus stattfinden.

2003
Gründung des Leipziger Universitätsorchesters.

2006
Gründung der Unibigband Leipzig.

2009
Jubiläumsjahr zum 600-jährigen Bestehen der Universität Leipzig mit monatlichen Konzerten der Universitätsmusik. Veröffentlichung der durch den Universitätschor eingespielten Gesamtaufnahme Festmusiken zu Leipziger Universitätsfeiern mit allen 12 erhaltenen Bach-Kantaten für die Universität. Uraufführung des Auftragswerks Memoriam – Tempo e tempi des Leipziger Komponisten Bernd Franke zum Festakt am 2.12.2009 im Paulinum – Aula/Universitätskirche St. Pauli.


letzte Änderung: 21.09.2016 

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