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Nachrichten

Am 30.5. findet im NSG S 202, 15- 17 Uhr eine Informationsveranstaltung zu Studieren im Ausland, Schwerpunkt Erasmus statt.

Die Prüfungstermine für das Sommersemester 2013 finden Sie hier.

Im SoSe 2013 bietet das Institut für Afrikanistik zusammen mit dem Institut für Ethnologie eine Vortragsreihe zum Thema "Stadt als Soziale Praxis" an. Die Ringvorlesung findet jeweils Montags 17.15-18.45 Uhr im HG HS 5 statt.

Das Vorlesungsverzeichnis für das SoSe 2013 ist ab sofort online verfügbar.
Talentierte und leistungsstarke Studierende, die über ein großes Potential verfügen und bereits herausragende Leistungen in Studium oder Beruf erbracht haben, können sich ab dem WS 2012/13 für das Deutschlandstipendium bewerben.
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Am 28. Mai ist Dr. Joao Gomes Porto (Universität Addis Ababa) Gast im MA AFR 711 "Africa's Peace and Security Architecture".
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Das Centre for Area Studies veranstaltet am 28. Mai gemeinsam mit "Partnerschaft mit Afrika e.V." eine Informationsveranstaltung zu den Afrika-Partnerschaften der Universität Leipzig. Zeit: 13.00-17.00, Ort: Thomaskirchhof 20. Berichte wird es unter anderem geben zu: "Welcome to Africa", den Master- und dem PhD-Programmen mit der Addis Ababa University, etc.

Prof. Dr. Hartmut Schilling (1932
Hartmut Schilling wurde am 20. Februar 1932 im nordthüringischen Orlishausen geboren. Er verstarb im Alter von 78 Jahren am 1. Oktober 2010 in Fredersdorf bei Berlin.
 
Prof. Schilling studierte in Leipzig und Berlin Wirtschaftswissenschaften. Nach anfänglicher Tätigkeit an der Humboldt-Universität ging er 1961 an das neu gegründete Afrika-Institut der Karl-Marx-Universität Leipzig, dessen Abteilung für Ökonomie Afrikas er bis 1964 kommissarisch leitete. Weitere Stationen seiner akademischen Karriere waren das Institut für Wirtschaftswissenschaften der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin und das Institut für Internationale Beziehungen an der Deutsche Akademie für Staat und Recht in Potsdam-Babelsberg. Er habilitierte sich 1974 an der Hochschule für Ökonomie (Berlin) mit einer Arbeit über besondere Ausprägungen des Kapitalismus in den Entwicklungsländern Asiens und Afrikas.
 
1976 wurde er zum ordentlichen Professor mit Lehrstuhl für „Ökonomie der Entwicklungsländer“ an der KMU berufen.
 
Das Humboldtsche Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre war für ihn stets Leitlinie seines akademischen Wirkens. Mit der ihm eigenen akademischen Rigorosität und mit stets politisch informierter Konsequenz im Handeln hat er nicht nur eine große Schar von Kollegen, Doktoranden und Studenten zu begeistern gewusst, sondern auch eine namhafte Zahl von wissenschaftlichen Kontrahenten zu fruchtbaren, aber auch scharfen Kontroversen provoziert. Geforscht, publiziert und vor allem gelehrt hat er – neben seinen Promotions- und Habilitationsthemen Kolonialismus und Neokolonialismus – insbesondere zu wirtschaftstheoretischen, noch heute relevanten Fragen wie dem immanenten Zusammenhang von ökonomisch-sozialer Hoch-Entwicklung und Unter-Entwicklung in der globalen Nord-Süd-Konstellation sowie zu den Besonderheiten der sozialökonomischen Struktur in Entwicklungsländern und den Tendenzen ihrer Evolution. In verschiedener Hinsicht hat er dabei die Grenzen zu benachbarten Disziplinen wegweisend überschritten – insbesondere zur Entwicklungssoziologie und zur globalen Umweltpolitik, wo er als einer der ersten in der DDR die überragende Bedeutung globaler Probleme der Menschheitsentwicklung erkannt und in die entwicklungsökonomische Lehre eingeführt hat.
 
Auf seiner ersten Afrika-Reise im Rahmen seiner akademischen Karriere begleitete er 1963 als Berater den Rektor der Humboldt-Universität Berlin zur Inauguration der East African University nach Nairobi, im – damals noch nicht unabhängigen – Kenia. Später folgten Reisen und Forschungsaufenthalte, die ihn außerhalb Europas unter anderem in den Sudan sowie nach Ghana und Kerala (Indien) führten.
 
Von Anfang an ging es Prof. Schilling auch darum, Theorie und Praxis zu verbinden. So war er seit 1961 Präsidiumsmitglied der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft, nahm an einer Reihe internationaler Solidaritätskonferenzen im Ausland teil und organisierte solche auch in der DDR.
 
Am 1.12.1990 wurde Prof. Schilling im Zuge der Abwicklung von Universitätseinrichtungen als Folge der deutschen Wiedervereinigung abberufen; er arbeitete noch bis zum 31.08.1991 „zur Aufrechterhaltung des Studienbetriebes“ weiter an der Universität Leipzig.
 
Nach Eintritt in den Ruhestand engagierte er sich über ein Jahrzehnt in der Entwicklungspolitischen Gesellschaft und besonders im Solidaritätsdienst International (SODI), als dessen stellvertretender Vorstand er bis 2002 wirkte.
 
 Dr. rer. oec. Arndt Hopfmann
 

Erinnerungen an Prof. Dr. sc. Hartmut Schilling von Dr. sc. Peter Sebald
 
Man kann das Lebenswerk von Professor  Schilling in einem Satz zusammenfassen: Sein Lebenstraum von einer vom Joch direkter Kolonialherrschaft befreiten Welt ist in Erfüllung gegangen.
 
Die staatlich-dirigistische Hochschulpolitik der DDR wollte in den 1960er Jahren die sogenannten „Regionalwissenschaften“ auf einzelne Universitäten der DDR  konzentrieren. Der wissenschaftliche Lebensweg von Prof. Schilling ist wesentlich von dieser Politik bestimmt worden, so dass er – nach verschiedenen Arbeitsstellen in Berlin und Potsdam-Babelsberg  - erst relativ spät eine Professur in Leipzig erhielt. 
 
Als die Kolonialregimes mit der Unabhängigkeit Ghanas 1957 zusammen zu brechen begannen, stieg auch in der DDR die Nachfrage nach Literatur. So trafen sich der Ökonom Schilling und der Historiker  Sebald im Dietz Verlag. Nachdem ich 1952 bis 1956 Allgemeine Geschichte bei Professor Walter Markov in Leipzig studiert hatte, arbeitete ich als Lektor für „Dritte Welt-Literatur“, war folglich bereits auf meinem Arbeitsgebiet mit vagen theoretischen Begriffen konfrontiert. Gleichzeitig erforschte ich als „Außerplanmäßiger Aspirant“ bei Markov die Geschichte der von 1884 bis 1914 Kaiserlich-deutschen Kolonie Togo. Die willkürliche Grenzziehung europäischer Diplomaten hatten der Kolonie die Gestalt eines schmalen, langen Landstreifens gegeben, der so offensichtlich Teil der umfassenderen Region Westafrika geblieben war und viele theoretische Fragen aufwarf. Diese Probleme konnte ich nun mit Hartmut Schilling diskutieren. Am meisten beeindruckte mich seine Konzentrationsfähigkeit: Er konnte seitenlange Passagen in Gedanken formulieren, so dass er in seinem Manuskript ganz selten Korrekturen vorzunehmen brauchte. Von 1966 bis 1971 trennten sich unsere Lebenswege, weil ich  als hauptamtlicher Angestellter der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft (Dafrig) meinen Weg nach Afrika fand, er jedoch die akademische Laufbahn als Hochschullehrer verfolgte. Er behielt mich allerdings in seinem Gesichtskreis. Nach meiner Rückkehr warb er (zusammen mit Dr. Ruth Andexel) mich als Chefredakteur für die neu heraus zu gebende wissenschaftliche Zeitschrift „Asien, Afrika, Lateinamerika“.
 
Hartmut Schilling war 1976 am Ziel seiner Wünsche, als er in Leipzig zum ordentlichen Professor mit Lehrstuhl für „Ökonomie der Entwicklungsländer“ berufen wurde. 
 
Manchmal konzentriert sich die Leistung eines Menschen nicht nur in einem Opus, sondern in einer Formulierung, wie zum Beispiel seiner Kolonialismus-Definition: „Kolonialismus... ist stets die Ausbeutung und Unterdrückung eines in Abhängigkeit gebrachten Volkes durch die herrschende Klasse eines anderen Volkes unter Ausnutzung von Unterschieden im  Niveau der ökonomischen und sozialen Entwicklung“ („Krise und Zerfall des imperialistischen Kolonialsystems“, Berlin 1977, S. 11). 1976 schrieb er mir in einem Brief zu den „Formulierungen für Kol., Neokol und kol.-System“: „teils hat es mir einfach Spaß gemacht, mich damit zu befassen“. Das habe ich  an Hartmut von Anfang an geschätzt: seinen wachen Geist, seine Neugier zum Entdecken, Neues zu formulieren. Damit erregte er bei bestimmten Kollegen Mißtrauen. Andererseits hat er nicht nur mich, sondern auch manch anderen angeregt und immer wieder Nachdruck auf exakte Formulierungen gelegt.
 
Die Brisanz einer Kritik an dogmatischen Auffassungen zum Neokolonialismus erfuhr ich am eigenen Leib; als ich 1978 eine kritische Rezension zu einer in der DDR erschienenen Publikation über Neokolonialismus schrieb, wurde ich fristlos von meiner Funktion als Chefredakteur enthoben.
 
Ein Herold der Schilling’schen Definition blieb ich  weiter, auch als ich von  1990 bis 2010 alljährlich im Nationalarchiv Togos in den deutschen Akten forschte und einen Vorlesungs-zyklus über „Kolonialismus“ an der Universität hielt. 
 
Auf die neuen Formen des kollektiven Kolonialismus im Rahmen der Europäischen Union durch führende europäische Regierungen hatte Prof. Schilling  frühzeitig verwiesen, wir sprachen bzw. korrespondierten darüber. Aber ich musste miterleben, dass er wegen tückischer Krankheiten im letzten Jahrzehnt wissenschaftliche Arbeiten praktisch nicht mehr fortführen konnte.
 
Gewiß dachte Hartmut Schilling bis zu seinem Tod in umfassenderen Zusammenhängen als dem Kolonialismus und manche Hoffnung blieb unerfüllt. Aber auch in einer wirklich „postkolonialen“ Zeit wird die Geschichte der Kolonialregime eine Realität bleiben und damit die Schillingsche Definition weiter  eine zutreffende, verständliche Antwort bieten.
 
DFG