Forschung

Der Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe fällt in den Bereich der kognitiven Neurowissenschaften. Dabei untersuchen wir mit Hilfe biopsychologischer und allgemeinpsychologischer experimenteller Methoden Prozesse und Strukturen, die der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, dem Gedächtnis, der Sprache und dem Lernen zugrunde liegen. (Auf diese Schwepunkte hin ist unser Labor eingerichtet.)

Beispielsweise wird in einem Projekt, das zur DFG-Forschergruppe "Arbeitsgedächtnis" gehört, das auditive sensorische Gedächtnis als informationale Basis des Arbeitsgedächtnisses untersucht. Traditionellerweise wird die Forschung zum auditiven sensorischen Gedächtnis und diejenige zum Arbeitsgedächtnis relativ isoliert betrieben. In diesem Projekt wird versucht, diese beiden Forschungsgebiete theoretisch und experimentell stärker zu verzahnen. Dazu werden zum einen wichtige Eigenschaften des präattentiven auditiven sensorischen Gedächtnisses, nämlich die funktionale und strukturelle Organisation dieses Gedächtnissystems, unter Bedingungen untersucht, in denen die Vpn die auditive Stimulation ignorieren. Um Vergleiche zu Eigenschaften des Arbeitsgedächtnisses ziehen zu können und um die funktionale Bedeutung des sensorischen Gedächtnisses für Funktionen des Arbeitsgedächtnisses weiter aufzuklären, werden (unter ansonsten identischen experimentellen Bedingungen) die Leistungen des Systems auch in Situationen bestimmt, in denen die auditiven Reize aufgabenrelevant sind. Im zweiten Fragenkomplex, wird das präattentive auditive sensorische Gedächtnis mit einem Paradigma untersucht, das der Forschung zum Arbeitsgedächtnis entlehnt ist. Dabei werden die top-down-Wirkungen aufgabenabhängiger Prozesse auf die eher als obligatorisch zu beschreibenden Prozesse des sensorischen Gedächtnisses untersucht. In den ersten beiden Fragenkomplexen geht es also auf der einen Seite um Aspekte des sensorischen Gedächtnisses, die vermutlich die informationale Basis für Prozesse des Arbeitsgedächtnisses konstituieren. Auf der anderen Seite werden die (im Sinne der Aufgabenstellung zielführenden) aufgabenabhängigen Modulationen des sensorischen Gedächtnisses erforscht. Im Rahmen des dritten Fragenkomplexes wird untersucht, ob und inwiefern obligatorische Verarbeitung im Rahmen des sensorischen Gedächtnisses Funktionen des Arbeitsgedächtnisses (nicht nur unterstützen, sondern auch) beeinträchtigen kann.

Als wichtigste abhängige Variable werden ereigniskorrelierte Gehirnpotentiale (EKPs) erhoben. Neben den bekannten Vorzügen von EKPs gegenüber Verhaltensdaten (Möglichkeit der kontinuierlichen Messung von Hirnaktivität, während der zu untersuchende Informationsverarbeitungsprozeß aktiv ist; evtl. genauere Lokalisation von EKP-Effekten und ihre Zuordnung zu neuronalen Generatorprozessen) ist die Erhebung von EKPs im Rahmen der hier verfolgten Fragestellung aus einem weiteren Grund eine besonders geeignete Methode. Im Gegensatz zu Verhaltensuntersuchungen können in EKP-Experimenten Gedächtnisprozesse auch ohne offene Reaktionen der Vpn auf die auditiven Reize bzw. ohne Beachtung der auditiven Reize untersucht werden. Dies ermöglicht einen differenzierteren Zugang zu aufmerksamkeitsunabhängigen, präattentiven Grundprozessen sowie aufmerksamkeitsabhängigen, übergeordneten Prozessen, die Funktionen des Arbeitsgedächtnisses involvieren.

Weitere Forschungsbeispiele können den Web-Seiten der Mitarbeiter sowie den Publikationslisten entnommen werden.