Homepage von PD Dr. phil. habil. Oliver Decker

 
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Sozialpsychologie des technischen und medizinischen Wandels
Der Warenkörper - Zur Sozialpsychologie der Medizin
Die Ökonomisierung erfasst den menschlichen Körper, er wird zur Ware. Am deutlichsten ist das in der modernen Medizin. Sie braucht den Körper
als Ressource, ob in der Stammzellforschung oder der Organtransplantation. So wird der menschliche Körper und werden seine Teile zum
Handelsgut. Das war der Körper im historischen Umbruch zur Moderne schon einmal: Der ganz Europa erfassende Reliquienhandel machte menschliche Körperteile zum begehrtesten Handelsgut – und zum Heilsgut. Mit dieser Vorgeschichte wird auf einen Schlag sichtbar, dass der Griff nach dem menschlichen Körper keine ökonomische Landnahme ist: Waren-Gesellschaft und moderne Medizin verbindet mehr, als sie an ihrer Oberfläche zu erkennen geben. Der für die Psychoanalyse Freuds und für die Theorie Marx’ so zentrale Begriff des Fetischismus wirft ein Licht auf den »theologischen Glutkern « (Adorno) von kapitalistischem Markt und moderner Medizin. Die »untergründige Geschichte des Körpers« (Horkheimer/Adorno) ist an zentraler Position in einer Dialektik der Aufklärung.

Projektlaufzeit: 2005-2009
Gefördert durch: -
Erscheint im Herbst 2011 im ZuKlampen-Verlag (Springe)


Der Prothesengott - Subjektivität und Transplantationsmedizin

Der Titel dieser Arbeit, Der Prothesengott, verweist auf die individuellen und zivili­satorischen Leistungen, die vollbracht werden mussten, um mit Fug und Recht »Ich« sagen zu können. Der Begriff Prothesengott ist der Freudschen Schrift Das Unbeha­gen in der Kultur entnommen. Freud schreibt dort vom Ideal des Prothesengottes und das erste Kapitel ist der Entfaltung dieses Ideals gewid­met. Dieses Begriffspaar hat mehr Bedeutungsnuancen, als Freud an Ort und Stelle entwickelte. Es umfasst die Bedeutung von Mythos und Gott als Prothesen, als Ideale, die den Menschen vervollständigten. Aber auch die Bedeutung von Theorien, Ideen, schlicht Idealen als Prothesen Gottes ist angesprochen, und damit der Versuch, den Verlust Gottes auszugleichen. Und zu guter Letzt benennt es das Ideal eines Gottes durch Prothesen, die Apotheose, wie Freud sie meinte: Als Vergötzung der Prothesen, mit denen der Mensch sich vervollständigt, um sich nach dem Tod Gottes selber ein Versprechen auf Erlösung sein zu können. Mit dieser Entfaltung soll die Zivilisation wie die individuelle Entwicklung als ein Prozess rekonstruiert werden, in dem Sub­jek­ti­vität gleichzeitig hervorgebracht und beschädigt wird. Die Wirkung der Transplantationsmedizin, die mit der Verschiebung von Fremd und eigen die Bedingung der Möglichkeit von Subjektivität berührt, wird mit Hilfe einer Tagebuchstudie im Längsschnitt untersucht.

Leseprobe

Projektlaufzeit: 2000-2003
Gefördert durch: Novartis
Erschienen 2004 bei Psychosozial-Verlag (Giessen)


Neben diesen als Monographien angelegten Studien sind eine Reihe von kleineren Untersuchungen entstanden, die sich mit der elektronischen Gesundheitskarte, der Qualitätsicherung und der Publikationspraxis und Wissensproduktion in der Medizin beschäftigen. Weitere Themen sind der Literaturliste zu entnehmen.


Sozialpsychologie des gesellschaftlichen Wandels
 Die "Mitte"-Studien -
Rechtsextreme Einstellung und ihre Einflußfaktoren in Deutschland
Seit 2002 wird in zweijährigem Abstand die Ausprägung und der Verbreitungsgrad der rechtsextremen Einstellung in Deutschland mit Hilfe von Repräsentativerhebung erhoben. Erste Ergebnisse wurden in der Vierteljahreszeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschehen" publiziert. Seit 2006 wird das Foschungsprojekt aus Mitteln der Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin gefördert. So wurden ebenfalls Gruppendiskussionen zu aktuellen, generationalen und sozialisatorischen Aspekten des Zustandekommens rechtsextremer Einstellung möglich.


Die Mitte in der Krise - Rechtsextrem Einstellung in Deutschland
Beteiligte Wissenschaftler: PD Dr. Oliver Decker (Leitung), Marliese Weißmann, Johannes Kiess, Prof. Dr. Elmar Brähler
 Es werden zu Beginn die Befunde unserer bisherigen „Mitte“-Studien zur rechtsextremen Einstellung und ihre Konsequenzen kurz dargestellt. Dann wird der theoretische Rahmen der Untersuchungskonzeption beschrieben. Ausgangspunkt sind die Studien zur Autorität aus dem Umfeld des exilierten Frankfurter Instituts für Sozialforschung, insbesondere das Konzept des Autoritären Charakters. Darauf aufbauend wird die These vom wirtschaftlichen Wohlstand als „narzisstische Plombe“ vorgestellt. Anschließend wird die „Mitte“ in den theoretischen Zusammenhang eingeordnet und dabei das gesellschaftliche Zentrum und sein Verhältnis zum „Rand“ näher betrachtet. Danach werden die aktuellen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen in ihren Auswirkungen auf die „Mitte“ analysiert. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Krise der Arbeitsgesellschaft und zunehmende Prekarität. Es wird untersucht, welche Auswirkungen diese Entwicklungen in Zeiten der Wirtschaftskrise auf die rechtsextreme Einstellung haben. Die These eines "Veralten des Autoritären Charakters" wird entwikelt. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, die Verbreitung rechtsextremer Einstellung im Jahre 2010 zu dokumentieren. Hieran anschließend werden die Ergebnisse unserer Untersuchungen aus den Jahren 2002 (Decker et al. 2003), 2004 (Decker & Brähler 2005), 2006 (Decker et al. 2006) und 2008 (Decker & Brähler 2008) mit den Ergebnissen der Erhebung in 2010 verglichen.


Projektlaufzeit
2010

Gefördert durch: Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin


Bewegung in der Mitte – Rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2008 mit einem Vergleich von 2002 bis 2008 und der Bundesländer
Beteiligte Wissenschaftler: PD Dr. Oliver Decker (Leitung), Prof. Dr. Elmar Brähler

Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, die Verbreitung rechtsextremer Einstellung im Jahre 2008 zu dokumentieren. Hieran anschließend werden die Ergebnisse unserer Untersuchungen aus den Jahren 2002 (Decker et al. 2003), 2004 (Decker & Brähler 2005) und 2006 (Decker et al. 2006) mit den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung in 2008 verglichen. Die Betrachtung der Befragungsergebnisse im Zeitverlauf gestattet es, Tendenzen in der Zustimmung zu rechtextremen Aussagen auszumachen. Die Verbindung der vier Untersuchungen zu einer kumulierten Stichprobe ermöglicht darüber hinaus den Vergleich der Einstellung nach Bundesländern. Für die bevölkerungsreicheren Bundesländer erlauben die Daten belastbare Aussagen. Dabei werden die zusammengeführten Daten als langjähriger durchschnittlicher Mittelwert behandelt, um die Verbreitung rechtsextremer Einstellung auch jenseits des Ost-West-Vergleichs abbilden zu können. Einleitend sollen zentrale Ergebnisse der beiden jüngeren Studien „Vom Rand zur Mitte“ und „Ein Blick in die Mitte“ wiedergegeben werden, vor deren Hintergrund die neuen Befunde interpretiert werden können.

Projektlaufzeit
2008

Gefördert durch: Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin



Ein Blick in die Mitte. Gruppendiskussion zur Untersuchung der Einflussfaktoren rechtsextremer und demokratischer Einstellungen
Beteiligte WissenschaftlerInnen:
PD Dr. Oliver Decker (Leitung), Dr. Katharina Rothe, Dipl.-Soz. Marliese Weißmann, Dipl.-Psych. Norman Geissler, Prof. Dr. Elmar Brähler
cand phil. Kathleen Pöge, cand. phil. Franziska Göpner

Im Anschluss und aufbauend auf den Ergebnissen der repräsentativen Querschnittsstudie zu Determinanten "Vom Rand zur Mitte - Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2006" soll ein vertiefendes Forschungsprojekt realisiert werden. Ausgehend von der Annahme eines "Geschichtsmilieus", das als "schwer entwirrbares Geflecht von familiären, örtlichen, politischen und auch intellektuellen Überlieferungen" (Habermas 1987, S. 140) bezeichnet wurde, wurde die Tradierung von demokratischer und rechtsextremer Einstellung untersucht werden. Um die Entstehung dieser politischen Einstellungen zu untersuchen, war das Verfahren der Wahl die Gruppendiskussion. Die durchgeführten Gruppendiskussionen wurden mit Methoden der psychoanalytischen Sozialforschung und orientiert an der rekonstruktiven Sozialforschung ausgewertet.

Projektlaufzeit
2007-2008

Gefördert von: Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin


Vom Rand zur Mitte – Rechtsextreme Einstellung und ihre Einflussfaktoren in Deutschland
Beteiligte Wissenschaftler:
PD Dr. Oliver Decker (Leitung), Prof. Dr. Elmar Brähler, Dipl.-Psych. Norman Geissler

Ausgehend von der zunehmenden Zahl rechtsextrem motivierter Straftaten und dem Einzug rechtsextremer Parteien in die Landesparlamente wurde in dieser Untersuchung die Verbreitung und Ausprägung rechtsextremer Einstellung in Deutschland untersucht. In einem weiteren Schritt sind dann die verschiedenen Erklärungsansätze zur Entstehung rechtsextremer Einstellungen empirisch überprüft worden.
Grundlage der Untersuchung ist eine im Auftrag der Universität Leipzig vom Meinungsforschungsinstitut USUMA durchgeführte Repräsentativerhebung mit einer Stichprobengröße von 5000 ProbandInnen.

Projektlaufzeit
2006

Gefördert durch: Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin


Rechtsextreme Einstellung in Deutschland
Beteiligte Wissenschaflter: PD Dr. Oliver Decker, Prof. Dr. Elmar Brähler

In den Jahren 2002 und 2004 wurden jeweils Repräsentativerhebung zur Verbreitung und Ausprägung rechtsextremer Einstellung in Deutschland durchgeführt. Zum Einsatz kam ein mehr-dimensionaler Fragebogen zum Rechtsextremismus, der von einer Expertenkommission erarbeitet worden ist. Eingangs werden Fragen der Traditionslinien und Probleme der Rechtsextremismusforschung skizziert. Hieran schließt die Darstellung des Untersuchungsinstruments und der Ergebnisse der Befragung an.


Projektlaufzeit
2002-2004
Finanzierung: Eigenmittel



Versorgungs- und Ausbildungsforschung


Modellprojekt: Schauspielpatienten in der Lehre
Dr. Oliver Decker, Dr. Katrin Rockenbauch

Die durch die neue AO angestoßene Entwicklung scheint in zwei Richtungen zu weisen: Einerseits ist es sehr positiv zu bewerten, dass die Fächer deutlich stärker im Studium verankert sind. Daneben haben wir die Umstellung auf die neue AO für eine didaktische Neuorientierung nutzen können. Das Ausbildungsprofil im Grundstudium an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig enthält nun einen noch deutlicheren psychosozialen Akzent, den drei wesentliche Punkte kennzeichnen: deutlicher Bezug zur aktuellen Forschung und Theorie durch die Seminare im zweiten Semester, Stärkung der kommunikativen Kompetenzen und Anwendungsbezogenheit durch die Kurse im dritten und vierten Semester sowie die Partizipation der Studierenden bei der Gestaltung ihres Studiums.
In den Kursen zur Gesprächsführung  werden sogenannten Schauspielpatienten eingesetzt. Der Begriff der SchauspielpatientInnen hat eine längere Geschichte Howard Barrows setzte SchauspielpatientInnen zum ersten mal in den sechziger Jahren, in der neurologischen Prüfung von ÄrztInnen.  Anfangs verwendete er den Begriff der Programmed Patients, also der programmierten Patienten, im Laufe der Jahre bürgerten sich die Begriffe "Simulierter Patient“ und "Standardisierter Patient“ ein. Diese Begriffe werden zumeist synonym verwendet (genau genommen sind Simulierte Patienten oder auch Schauspielpatienten nicht-Patienten, die einen Patienten spielen, während Standardisierte Patienten sowohl Patienten als auch Nicht-Patienten sind, die in der Präsentation von Symptomen so geschult worden sind, dass sie diese wiederholt gleichförmig präsentieren und damit die Bedingung für eine objektive Prüfung erfüllen (OSCE: Objektiv Standardized Clinical Examination)
Wir haben uns für den Begriff des Schauspielpatienten entschieden, um den Unterschied im didaktischen Ziel zu markieren: Schauspielpatienten sind ausgebildet in einer Rolle, deren Erwerb weniger auf die präsentation bestimmter Symptome zielt, sondern auf die dann auch individuell zu gestaltete Beziehungssuche gegenüber den helfenden Berufen.

Laufzeit: 2006
Gefördert durch:
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Dresden


Die Geschlechter-Differenz im Rahmen der Lebendorganspende
Gender Imbalance in Living Organ Donation
Dr. Oliver Decker (Oliver.Decker@medizin.uni-leipzig.de), Dipl.-Psych. Merve Winter
(Merve.Winter@uni-due.de)

In Deutschland werden in den letzten Jahren jährlich ca. 2300 Nieren transplantiert, davon sind fast 400 Lebendnierenspenden. Die Ausweitung der Lebendorganspende ist insofern ein interessantes Phänomen in der Biomedizin, da nach wie vor grundlegende Fragen im ethischen und juristischen
Bereich, in der psychischen Betreuung und in der Geschlechterdifferenz z.T. ungeklärt und strittig sind. So sind auf der Empfängerseite ca. 60% Männer anzutreffen, wohin gegen auf der Spenderseite sich das Geschlechterverhältnis fast umdreht: Hier sind es zwischen 40-50% Männer. Als SpenderInnen kommen folgende Gruppen vor: - Biologisch Verwandte: (Mutter, Vater, Tochter, Sohn, Cousin etc.) und Nicht-biologisch Verwandte, aber enge Vertraute (z.B. Ehe- und Lebenspartner) (so z.B. in Deutschland). Nicht-Verwandte, Nicht-Bekannte Dritte (u.a. im Iran, USA, Schweiz: cross-over-Spende zwischen zwei Paaren). Dieses sog. ‚Geschlechter-Imbalence’ ist in der Fachliteratur zurLebendspende ein in verschiedenen nationalen wie internationalen Studien beschriebenes Phänomen. Etwas vereinfacht könnte man konstatieren: Frauen spenden und Männer empfangen Organe. Neben dieser kulturübergreifenden Konstanz (so z.B. aktuelle Daten aus USA; Schweden, Schweiz, Deutschland, Norwegen) gibt es auch länderspezifische, zeitliche Kontinuitäten wie z.B. in der Schweiz. Hingegen variieren die Unterschiede in Deutschland zwischen den Jahren und denverschiedenen Transplantationszentren.
Im Forschungsprojekt wird die Motivation von Paaren in der Lebendorganspende beschrieben. Hierfürwerden qualitative Forschungsinterviews geführt und auf geschlechtsabhängige Motivationen untersucht.
2007-2009
Gefördert durch: Astellas Pharmas


Patienteninformationssysteme, Krankheitsspezifisches Wissen und Entscheidungsfindung
Patient information systems, disease specific Knowledge and decision making
Dr. Oliver Decker

Im Rahmen dieser Studie soll untersucht werden, inwiefern das interaktive Computersystem „OTIS“ die Kriterien für evidenzbasierte Patienteninformationen erfüllt. „OTIS“ vermittelt krankheitsspezifisches Wissen für Patienten vor und nach einer Organtransplantation. Zudem soll die Frage beantwortet werden, ob sich „OTIS“ neben der obligatorischen ärztlichen Beratung unterstützend auf die Entscheidungsfindung für eine NTX auswirkt, die Arzt/Ärztin-Patienten/Patientinnen-Beziehung nach dem Modell des Share Decision Making beeinflusst und den Informationsbedarf der Patienten nachhaltig deckt.

Projektlaufzeit: 2009-2010
Gefördert durch: Roche Pharma GmbH