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Internetpublikation zum
4. Leipziger Fotografieworkshop
Diversität - Geschlechterordnungen - Machtbeziehungen
Hrsg. von Marcel Finke und Barbara Lange
Ausgehend von der Überlegung, dass Differenz das Ergebnis von kulturellen Setzungen ist, die Diversität in eine hierarchisierte Ordnung bringen, ging der Workshop der Rolle fotografischer Bildmedien bei der Konstruktion derartiger Ordnungen nach. Der Authentizitätscharakter der Fotografie konstituiert in besonderer Weise unsere Auffassung von Realität mit und reproduziert so bestehende Machtkonditionen. Zugleich ist Fotografie aber auch jenes Medium, in dem diese Bedingungen in Frage gestellt und Perspektiven für neue Wahrnehmungen aufgemacht werden.
Marcel Finke:
Inspecting a Slave. Zur Geschlechterdifferenzierung in Eadweard Muybridges momentfotografischem Projekt Animal Locomotion (1887)
Torsten
Scheid:
Die Frau mit der Kamera. Die Konzeption des ‚sozialen Geschlechts'
in der Fotografie innerhalb filmischer Darstellung
Marcel
Finke:
Rollenmuster und Musterrollen. Zur Reinszinierung visueller Klischees. Ein Interview mit Rabea Eipperle
Miriam Paeslack (Leipzig):
Welches Berlin? Ein differenzierender Blick auf die urbane Fotografie der Wilhelminischen Ära
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Wofür steht eine Stadt und welche Bilder vermitteln sich von ihr durch analoge Medien? Dieser Frage möchte ich anhand von Aufnahmen Berlins der Zeit unmittelbar nach der Reichsgründung 1871, die zu einer dramatischen Veränderung der Stadt führte, nachgehen. Die Präsentation wird Arbeiten der kommerziellen Stadtfotografen Max Missmann und Hermann Rückwardt mit Aufnahmen zweier ganz eigenwilliger Fotografen, Georg Bartels und Heinrich Zille, vergleichen. Während letztere in ihren Bildern ein Interesse für das Unspektakuläre, die Stadtränder und “Un-orte” Berlins erkennen lassen, ist Missmann ein Meister prächtiger Panoramen des “neuen” Berlin. Rückwardt's grosses Ziel war die systematische Dokumentation der barocken Stadtstrukturen; er fotografierte jedoch auch Neubauprojekte im Auftrag von Bauherren. Anhand dieser Betrachtung werden drei Ebenen der Differenz im Zusammenhang mit dem Stadtbild diskutiert: Die Wahl etwas zu überliefern oder nicht zu überliefern, zu mediatisieren oder nicht zu mediatisieren; die unterschiedliche Wertung dessen was medial festgehalten wurde durch Fotografen und Auftraggeber; und schliesslich wie man mit diesen Manifestationen analytisch verfährt. |
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Kurzvita:
2002 |
Promotion „Fotografie Berlin 1871 – 1914. Eine Untersuchung zum Darstellungswandel, den Medieneigenschaften, den Akteuren und Rezipienten von Stadtfotografie im Prozess der Großstadtbildung “ am Institut für Kunstgeschichte der Universität Freiburg. |
2002–2004 |
Lehrbeauftragte für Kunstgeschichte, Visual Studies und Fotografiegeschichte in den USA (California College of the Arts, Oakland). |
Seit Oktober 2004 |
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst im Bereich Bild- und Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Geschichte und Theorie der Fotografie. |
Marcel Finke (Leipzig):
Inspecting a Slave . Zur Geschlechterdifferenzierung in Eadweard Muybridges momentfotografischem Projekt Animal Locomotion (1887)
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Von 1884 bis 1885 fertigt der angloamerikanische Fotograf Eadweard Muybridge in Zusammenarbeit mit der Universität von Pennsylvania mehrere Zehntausend Fotografien tierischer Motorik an. Zirka 20000 der Momentaufnahmen werden zu 781 Bildtafeln montiert und 1887 in einer umfangreichen Edition herausgegeben. In zahlreichen Serien mit weiblichen Akteurinnen werden dabei durch eine narrative Übercodierung Differenzen in die Darstellungsmodi der Geschlechter eingeführt, welchen im Verlauf des Vortrags nachgegangen werden soll. Dabei wird gezeigt, inwiefern bestimmte Repräsentationen des weiblichen Körpers die bewegungsphysiologische Unternehmung Muybridges als solche in Frage stellen. Die Rede von der geschlechterspezifischen Darstellung wird dann jedoch prekär, wenn mit den Serien Athletes. Wrestling Beispiele thematisiert werden, in denen gerade der körperliche Austausch zwischen Männern die Erfassung des Körpers verunsichert. |
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Kurzvita:
1998-2004 |
Studium der Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften und Germanistik an der Universität Leipzig und dem University College Dublin; |
2004 |
Magisterarbeit zum Thema „Die Logik der Bilder. Francis Bacons Adaption medialer Vorlagen am Beispiel der Wrestler “ |
Christine Walter (München):
Experimente mit weiblichen Medien in der Parapsychologie um 1900: Ausdruck unterwürfiger Weiblichkeit oder gezielte Abwendung von einem (männlich) inszenierten Frauenbild?
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Zwischen den 1870er und den 1920er Jahren gab es in Europa und Amerika zahlreiche Versuche von Wissenschaftlern und vermeintlich transzendent begabten Medien, die dem Nachweis so genannter ideoplastischer Phänomene galten. So führte u. a. auch der Münchner Arzt Albert Freiherr von Schrenck-Notzing Versuche mit dem Medium Eva C(arrière) durch, deren Ergebnisse er in dem seinerzeit viel beachteten Buch „Materialisationsphänomene“ 1914 publizierte und mit zahlreichen Fotografien und wenigen Stichen bebilderte.
Während die Stiche mit dem männlichen Blick gezeichnet sind, das Medium sanft und dem Wissenschaftler widerspruchslos als Versuchsobjekt zur Verfügung stehend, ergibt sich anhand der Fotografien ein ganz anderes Bild von der jungen Frau, die sich wild bis nahezu orgiastisch gebärdete. Dieser Diskrepanz zwischen den Darstellungen und dem Verhalten des Mediums gilt der Vortrag von Christine Walter. |
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Kurzvita:
2002 |
Promotion zum Thema „Bilder erzählen! Positionen inszenierter Fotografie. Eileen Cowin, Jeff Wall, Anna Gaskell, Sharon Lockhart, Tracey Moffatt und Sam Taylor-Wood” |
2001 – 2003 |
Länderstipendium am Zentralinstitut für Kunstgeschichte München, Forschungsprojekt zum Thema des “Unheimlichen in der Fotografie” |
Madoka Suehiro (Essen):
Das offizielle Selbst. Selbstportrait-Serien von Tomoko Sawada
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Passfotos sind eines der konventionellen Formate, die die japanische Fotografin Tomoko Sawada (geb. 1977) ihren Selbstportraits zu Grunde legt (ID 400, 1998). Vierhundertmal veränderte sie für diese Serie ihre Kleidung, Haare, Make-up und Haltung, um sich in einem Fotoautomaten als scheinbar jedes Mal andere Person festzuhalten. Sie folgt dabei den Codes für Passfotos: ein frontales Brustbild, ohne Wenden des Kopfes, mit einem höchstens angedeuteten Lächeln. Jedoch spielt sie mit kulturellen Zeichen wie Frisur und Kleidung und stellt den Wiedererkennungswert des offiziellen Selbstbildes in Frage und damit gleichzeitig das Funktionieren des Formates "Ausweisfoto", das zum Identitätsnachweis innerhalb des Ordnungssystems "Staat" dient. Wie rekonstruiert man als Rezipient die Identität von Sawada auf diesen Bildern? Was für Fragen wirft das für das Konzept der (eigenen) Identität auf? Und wie verhält sich das zur Identität von jungen Fotografinnen in Japan? |
Der
Aufsatz erscheint demnächst.
Kurzvita:
2003 |
Magisterabschluss der Germanistik an der Gakushuin Universität in Tokio, Japan |
Seit April 2004 |
Promotionsstudiengang der Geschichte und Theorie der Fotografie bei Prof. Dr. Herta Wolf an der Universität Essen |
Torsten Scheid (Hildesheim):
Die Frau mit der Kamera. Die Konzeption des 'sozialen Geschlechts‘ der Fotografie innerhalb filmischer Darstellung
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Der Blick durch den Sucher des Fotoapparates ist traditionell ein männlicher Blick, die Kamera ein Macht- und Kontrollinstrument. Fotokameras in literarischen und filmischen Erzählungen sind Attribute von Männlichkeit, die Verbindung mit Herrschaftsmotiven und Voyeurismus ist Legion. Gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts aber übernehmen zunehmend Frauen die Regie des Blicks und deuten die Geste der Fotografie in ihrem Sinne um. Die Fotografie gerät zum Werkzeug von Subversion und Emanzipation. Vor der Negativfolie hegemonialer Aufnahmepraxis wird das Alternativmodell einer liebenden Fotografie entwickelt, die kein Objekt observiert, sondern durch den fotografischen Akt ein Subjekt erschafft. Diese gewandelte Zuschreibungspraxis im Diskurs der Fotografie verdeutlicht der Vortrag anhand zweier prominenter Filmbeispiele: Antonionis Blow up und Lisa Chollondenckos High Art. |
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Kurzvita:
1996 |
BA Cultural Studies an der Norwich School of Art&Design |
1999 |
Diplom Kulturpädagoge, Universität Hildesheim Abschlussarbeit: "Bilder im Spiegel von Bildern. Intertextualität als künstlerische Strategie im Gesamtwerk von Thomas Ruff." |
2000-2004 |
Doktorand an der Universität Hildesheim bei Prof. Dr. Jan Berg, Dissertation: "Fotografie als Metapher. Zur Konzeption des Fotografischen innerhalb filmischer Darstellungen" |
2004 |
Promotion zum Dr. des. Phil. |
seit 1999 |
Lehrbeauftragter für Theorie und Praxis der Fotografie im Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft an der Universität Hildesheim |
Marcel Finke:
Rollenmuster und Musterrollen. Zur Reinszenierung visueller Klischees. Ein Interview mit Rabea Eipperle
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Sie kommt angefahren. Sie steigt aus. Sie tanzt. Sie fährt wieder weg.
Wer kennt das nicht? Zu Musik über Wohnzimmermöbel tanzen.
Dies weitet sich in ihren Jahren unausweichlich auf einen VW-Bus und einen Wendeplatz aus.
www.rabeaeipperle.de
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Kurzvita:
2001 |
Diplom an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei B.J.Blume |
2002 |
Realisierung eines Videoprojekts in Nashville, Tennessee USA |
2003 |
Goldrausch Künstlerinnenprojekt art IT, Berlin |
2004 |
Stipendium der Stiftung Kulturfonds im Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop |
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