Heute, 26 Jahre später, ist aus seiner kindlichen
Verzückung eine umfangreiche Ausstellung rund um
die Weltmeisterschaften geworden. Bei Karstadt Sport
zeigt Sopp noch bis zum Samstag seine seltenen Sammlerstücke
von der WM 1930 bis 2002: Autogrammkarten, zahlreiche
Fotos und Zeitungsausschnitte von Spielern und Höhepunkten,
Fußballschuhe und Trophäen, Siegermedaillen
sowie Trikots.
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Seltenes Sammlerstück: Mit
einem Ball des sogenannten T-Modells wurde Uruguay
1930 erster Fußball-Weltmeister.
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Sopps persönlicher Höhepunkt sind jedoch
die Fußbälle. Er zeigt ein original "T-Modell",
einen jener Bälle, der Uruguay 1930 zum ersten
Weltmeister machte. "Rindsleder, nur die Rückenstücke.
Innen die Schweineblase. Ein fantastisches Stück",
schwärmt Sopp. Seine Augen glänzen. Von den
13 offiziellen Bällen, die es seit der WM 1954
gibt, hat Sopp elf. "Ich weiß von einem Italiener,
der hat bereits zwölf Bälle", erzählt
er. Aber das runde Leder von 1982 kriege er noch, na
und den anderen auch.
Stolz zeigt der Leipziger den "Telstar"aus
dem WM-Jahr 1974. Einige Unterschriften zieren den Ball
da stehen Namen wie Beckenbauer, Voigts, Netzer,
Hoeneß. "Ich mag das Gekritzel auf dem Ball
nicht so. Es entstellt das Original. Was soll man machen?",
sagt Sopp und zuckt mit den Schultern. Er hat von den
Fußballstars noch weitere Unterschriften
auf Autogrammkarten und Fotos.
Hohe Tafeln, chronologisch nach Weltmeisterschaften
geordnet, zeigen zwischen Informationen und Illustrationen
13 weitere Raritäten: Original Eintrittskarten
der Finalspiele von 1954 bis 2002. "900 Euro ist
die älteste wert," verrät Sopp. "Der
Zustand ist fantastisch." Er benutzt häufig
diesen Ausdruck. Zu fast jedem Bestandteil der Sammlung
kennt Sopp Anekdoten und Hintergrundinformationen.
:: Immer am Ball:
Ebay als Startseite
Die meisten seiner Stücke bekommt Sopp über
Auktionen oder Tauschbörsen. Das Angebot des Onlineauktionshauses
Ebay öffnet sich als Startseite automatisch bei
jeder Einwahl in das Internet. Ein, zwei Stunden am
Tag verbringt der Call-Center-Agent mit der Suche nach
Raritäten im Netz.
Seine Frau hat sich längst an das zeitraubende
Hobby gewöhnt, unterstützt ihren Ehemann sogar.
Das war nicht immer so. "Sie beschrieb Fußball
als 22 Idioten, die einen Ball treten und Fans als Bier
trinkende Sofahocker", erzählt der Fanatiker
und lächelt. Aber Sopp gehe es ja weniger um das
Bier trinken und vielleicht wird aus der Sammlung mal
ein berufliches Standbein. Das sei vernünftig.
Ohnehin geht die Familie vor. Seine beiden Söhne,
zwei und sechs Jahre alt, können mit Fußball
noch nicht viel anfangen. "Der ältere hat
gegen alles eine Kontraeinstellung," so der Familienvater.
"Da könnte ich auch Briefmarken sammeln."
Wohl eine Altersfrage. Das werde sich noch ändern.
:: DDR-Zeitungen:
Die Qualität von "Klopapier"
Erst seit 1998 wächst seine Sammlung beachtlich.
Zum einen verlor Sopp in den achtziger und neunziger
Jahren etwas das Interesse am WM-Fußball. "Zu
DDR-Zeiten gab es einfach nichts, außer ein paar
Fotos aus Zeitungen." Zum anderen machen internationale
Onlineauktionen seit einigen Jahren das Sammeln wesentlich
einfacher.
Mit einem Kopfschütteln erzählt Sopp von
den Anfängen: 1982 besuchte er zum ersten Mal das
polnische Informationszentrum in Leipzig. "Die
hatten Zeitschriften mit Farbfotos. Außerdem war
die Qualität gut," sagt Sopp, der regelmäßig
sein Taschengeld dort ließ. Er kaufte sich auch
die 'FuWo'- die 'Fußballwoche' -, die 'Junge Welt'
oder das 'Sportecho'. Die tristen schwarz-weiß
Fotografien in den Zonezeitungen malte er bunt. "Es
war ein Drang nach Farbe, nach Leben, sagt Sopp.
Er suchte die Emotionen auf dem "hölzernen
Klopapier." Bis heute hat er rund 20.000 Euro in
Reliquien investiert. "Der emotionale Wert ist
in Zahlen nicht auszudrücken," fügt Sopp
hinzu. Das ist halt alles "wie Rock 'n' Roll":
Eine Lebensaufgabe und eine endlose Begeisterung. Er
vergleicht ein Fußball-Spiel mit dem Lieblingslied:
"Es erinnert an Höhen und Tiefen."
Sopp ist nämlich auch Musikfan, besonders verehrt
er die Beatles. Er sammelte einiges zu der legendären
Band, entschied sich aber für Fußball. Man
müsse Prioritäten setzen. Das einzige Paul
McCartney-Konzert Deutschlands vor wenigen Wochen in
Leipzig ließ er ausfallen. Sein Geld fließt
in die Ausstellung. Mit seiner Frisur und der Brille
mit den runden Gläsern erinnert der Beatles-Fan
sogar an John Lennon. Für musikalisch hält
er sich jedoch nicht und Fußball hat er auch nur
während der Schulzeit gespielt. Im Sammeln sei
er talentierter.
:: Fußball-Traum:
Sopp plant eigenes Museum
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Siegermedaillen, Trikots, Autogramme
Die Ausstellung zur Fußball-WM ist
noch bis Samstag bei Karstadt Sport zu sehen.
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Sechs Jahre hat es gedauert bis die Sammlung präsentationsreif
war. Schon lange erwähnte der Fußballnarr
eine Ausstellung, dachte erst an eine Leihgabe an das
Leipziger Sportmuseum. Im Januar 1999 fuhr Sopp am Fotomuseum
in Mölkau vorbei. "Da kam mir plötzlich
die Idee, selbstständig eine Ausstellung zu machen,"
erinnert er sich. 2006 wird er zum ersten Mal bei einer
WM dabei sein.
Bis dahin möchte Sopp ein eigenes Museum in Leipzig
eröffnen. "Vielleicht direkt in Räumen
des Zentralstadions." Es wäre fantastisch.
Susanne Röhr