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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  EM IN L.E. :: ZUR PERSON

Vorgestellt: WM-Sammler René Sopp

"Fußball ist wie Rock 'n' Roll"

Erstellt am 17. Juni, 00:20 Uhr

Es war Sonntag, der letzte im Juni des Jahres 1978. Im Estadio Monumental in Bueons Aires stehen Argentinien und die Niederlande im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. Der damals neun Jahre alte René Sopp sitzt gespannt vor dem Fernseher: In der 38. Minute schießen die Niederlande ihr erstes Tor, in der 81. Minute gelingt den Argentiniern der Ausgleich. Die Spannung ist geradezu zerreißend.

Der Leipziger René Sopp sammelt seit 20 Jahren alles rund um die Fußball-Weltmeisterschaften.

In der letzten Minute der regulären Spielzeit kommt es dann zu der Schlüsselszene, die Sopp nie vergessen wird: Der Holländer Rensenbrink feuert den Ball auf das Tor – er prallt um Millimeter verfehlt am rechten Pfosten ab. Das Finale geht in die Verlängerung, Argentinien schießt zwei Tore hintereinander in wenigen Minuten, die Niederlande unterliegen zum zweiten Mal in Folge im WM-Finale.

Die einmalige Stimmung, die damals aus Buenos Aires über die Bildröhre flimmerte, verzauberte den jungen Leipziger. Durch sie entdeckte der heute 35-Jährige seine Begeisterung für Fußball, im Speziellen für die Weltmeisterschaften; sie wird zur Sammelleidenschaft.

:: Karstadt Sport zeigt Sopps Sammlung

Heute, 26 Jahre später, ist aus seiner kindlichen Verzückung eine umfangreiche Ausstellung rund um die Weltmeisterschaften geworden. Bei Karstadt Sport zeigt Sopp noch bis zum Samstag seine seltenen Sammlerstücke von der WM 1930 bis 2002: Autogrammkarten, zahlreiche Fotos und Zeitungsausschnitte von Spielern und Höhepunkten, Fußballschuhe und Trophäen, Siegermedaillen sowie Trikots.

Seltenes Sammlerstück: Mit einem Ball des sogenannten T-Modells wurde Uruguay 1930 erster Fußball-Weltmeister.

Sopps persönlicher Höhepunkt sind jedoch die Fußbälle. Er zeigt ein original "T-Modell", einen jener Bälle, der Uruguay 1930 zum ersten Weltmeister machte. "Rindsleder, nur die Rückenstücke. Innen die Schweineblase. Ein fantastisches Stück", schwärmt Sopp. Seine Augen glänzen. Von den 13 offiziellen Bällen, die es seit der WM 1954 gibt, hat Sopp elf. "Ich weiß von einem Italiener, der hat bereits zwölf Bälle", erzählt er. Aber das runde Leder von 1982 kriege er noch, na und den anderen auch.

Stolz zeigt der Leipziger den "Telstar"aus dem WM-Jahr 1974. Einige Unterschriften zieren den Ball – da stehen Namen wie Beckenbauer, Voigts, Netzer, Hoeneß. "Ich mag das Gekritzel auf dem Ball nicht so. Es entstellt das Original. Was soll man machen?", sagt Sopp und zuckt mit den Schultern. Er hat von den Fußballstars noch weitere Unterschriften — auf Autogrammkarten und Fotos.

Hohe Tafeln, chronologisch nach Weltmeisterschaften geordnet, zeigen zwischen Informationen und Illustrationen 13 weitere Raritäten: Original Eintrittskarten der Finalspiele von 1954 bis 2002. "900 Euro ist die älteste wert," verrät Sopp. "Der Zustand ist fantastisch." Er benutzt häufig diesen Ausdruck. Zu fast jedem Bestandteil der Sammlung kennt Sopp Anekdoten und Hintergrundinformationen.

:: Immer am Ball: Ebay als Startseite

Die meisten seiner Stücke bekommt Sopp über Auktionen oder Tauschbörsen. Das Angebot des Onlineauktionshauses Ebay öffnet sich als Startseite automatisch bei jeder Einwahl in das Internet. Ein, zwei Stunden am Tag verbringt der Call-Center-Agent mit der Suche nach Raritäten im Netz.

Seine Frau hat sich längst an das zeitraubende Hobby gewöhnt, unterstützt ihren Ehemann sogar. Das war nicht immer so. "Sie beschrieb Fußball als 22 Idioten, die einen Ball treten und Fans als Bier trinkende Sofahocker", erzählt der Fanatiker und lächelt. Aber Sopp gehe es ja weniger um das Bier trinken und vielleicht wird aus der Sammlung mal ein berufliches Standbein. Das sei vernünftig. Ohnehin geht die Familie vor. Seine beiden Söhne, zwei und sechs Jahre alt, können mit Fußball noch nicht viel anfangen. "Der ältere hat gegen alles eine Kontraeinstellung," so der Familienvater. "Da könnte ich auch Briefmarken sammeln." Wohl eine Altersfrage. Das werde sich noch ändern.

:: DDR-Zeitungen: Die Qualität von "Klopapier"

Erst seit 1998 wächst seine Sammlung beachtlich. Zum einen verlor Sopp in den achtziger und neunziger Jahren etwas das Interesse am WM-Fußball. "Zu DDR-Zeiten gab es einfach nichts, außer ein paar Fotos aus Zeitungen." Zum anderen machen internationale Onlineauktionen seit einigen Jahren das Sammeln wesentlich einfacher.

Mit einem Kopfschütteln erzählt Sopp von den Anfängen: 1982 besuchte er zum ersten Mal das polnische Informationszentrum in Leipzig. "Die hatten Zeitschriften mit Farbfotos. Außerdem war die Qualität gut," sagt Sopp, der regelmäßig sein Taschengeld dort ließ. Er kaufte sich auch die 'FuWo'- die 'Fußballwoche' -, die 'Junge Welt' oder das 'Sportecho'. Die tristen schwarz-weiß Fotografien in den Zonezeitungen malte er bunt. "Es war ein Drang nach Farbe, nach Leben,“ sagt Sopp.

Er suchte die Emotionen auf dem "hölzernen Klopapier." Bis heute hat er rund 20.000 Euro in Reliquien investiert. "Der emotionale Wert ist in Zahlen nicht auszudrücken," fügt Sopp hinzu. Das ist halt alles "wie Rock 'n' Roll": Eine Lebensaufgabe und eine endlose Begeisterung. Er vergleicht ein Fußball-Spiel mit dem Lieblingslied: "Es erinnert an Höhen und Tiefen."

Sopp ist nämlich auch Musikfan, besonders verehrt er die Beatles. Er sammelte einiges zu der legendären Band, entschied sich aber für Fußball. Man müsse Prioritäten setzen. Das einzige Paul McCartney-Konzert Deutschlands vor wenigen Wochen in Leipzig ließ er ausfallen. Sein Geld fließt in die Ausstellung. Mit seiner Frisur und der Brille mit den runden Gläsern erinnert der Beatles-Fan sogar an John Lennon. Für musikalisch hält er sich jedoch nicht und Fußball hat er auch nur während der Schulzeit gespielt. Im Sammeln sei er talentierter.

:: Fußball-Traum: Sopp plant eigenes Museum

Siegermedaillen, Trikots, Autogramme – Die Ausstellung zur Fußball-WM ist noch bis Samstag bei Karstadt Sport zu sehen.

Sechs Jahre hat es gedauert bis die Sammlung präsentationsreif war. Schon lange erwähnte der Fußballnarr eine Ausstellung, dachte erst an eine Leihgabe an das Leipziger Sportmuseum. Im Januar 1999 fuhr Sopp am Fotomuseum in Mölkau vorbei. "Da kam mir plötzlich die Idee, selbstständig eine Ausstellung zu machen," erinnert er sich. 2006 wird er zum ersten Mal bei einer WM dabei sein.

Bis dahin möchte Sopp ein eigenes Museum in Leipzig eröffnen. "Vielleicht direkt in Räumen des Zentralstadions." Es wäre fantastisch.

Susanne Röhr

 
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EM in L.E.: Tipp

Noch bis Samstag ist die umfangreiche Sammlung von René Sopp im Karstadt Sport, neben dem Neuen Rathaus, zu sehen. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Neben René Sopp zeigt der Chemnitzer Achim Mißler seine Briefmarkensammlung mit Sonderdrucken zu WM-Motiven.

Öffnungszeiten: werktags 10 Uhr bis 20 Uhr, samstags 10 Uhr bis 16 Uhr.