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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  EM IN L.E. :: INTERVIEW

Eine Journalistik-Studentin hinter den Kulissen der Nationalmannschaft

Wenn Olli stöhnt und Rudi spuckt

Erstellt am 26. Juni, 09:20 Uhr

Tina Stepan (25), Fußballspielerin, Schiedsrichterin, Journalistin und Fan ist gerade in Bukarest (Rumänien). Als die deutsche Nationalmannschaft die 1:5–Schlappe gegen Rumänien einstecken musste, war sie vor Ort. Was man sonst noch als Fußballfan im Karpaten-Land erlebt, hat sie uns erzählt.

EM-OLE: Tina, Interesse für Fußball ist ja nicht jederfraus Sache. Selbst aktiv Fußball zu spielen ist noch ungewöhnlicher. Wie bist du zum Fußball gekommen?

Tina Stepan: Mein Vater war Fußballtrainer und mein kleiner Bruder hat auch Fußball gespielt. Das hat mir schon immer gefallen. Da hab ich einfach bei einer Mannschaft im Nachbarort mitgespielt, denn in meiner Heimatstadt Torgau gab es keine Frauenmannschaft. Und dann hat mich der Ehrgeiz gepackt. Mein Vater und ich, wir haben sozusagen im Torgauer Fußballverein eine Frauenmannschaft aufgebaut, ich als Spieler, er als Trainer. Wir waren sogar richtig gut, die Mannschaft gibt es heute noch.

EM-OLE: Warum hast du aufgehört?

Tina Stepan: Das war ein Zeitproblem. Nebenbei habe ich noch als Schiedsrichter gearbeitet, jedes Wochenende, da blieb keine Zeit mehr. Und als ich dann zum Studieren nach Leipzig gezogen bin, konnte ich nicht mehr zum Training.

EM-OLE: Weibliche Schiedsrichter gibt es ja noch seltener als weibliche Fußballer. Wie bist du denn dazu gekommen?

Tina Stepan: Wie gesagt, mein Vater war Trainer des Torgauer Vereins SSV 1952 und jeder Verein muss einen Schiri stellen, der andere Spiele pfeift. Nur war es so, dass die Männer, die die Spiele pfeifen sollten, abends in der Stadionkneipe zugesagt haben und morgens nicht mehr zum Spiel kamen. Da hat mich mein Vater gefragt, ob ich nicht Lust dazu hätte. Schiedsrichterfrauen wurden damals sehr gefördert und so bin ich auch ganz schnell aufgestiegen. Ich habe Männer-Landesliga gepfiffen, in der Damen-Bundesliga stand ich an der Linie.

Tina Stepan

EM-OLE: Akzeptieren Männer denn eine Frau als Schiedsrichterin?

Tina Stepan: Es bleibt ihnen ja nichts anderes übrig. Mit den jüngeren Männern kam ich meistens gut klar, die älteren haben schon öfter den Kopf geschüttelt. Die können eine Frau in dieser Position nicht akzeptieren. Ein Spieler hat mich einmal so beleidigt, dass ich ihm die rote Karte zeigen musste.

EM-OLE: Deine aktive Fußball-Laufbahn hast du ja jetzt beendet. Du studierst Journalistik, bist gerade in Bukarest und hattest deinen ersten Auslandseinsatz beim Länderspiel Deutschland gegen Rumänien. Was erlebt man hinter den Kulissen eines Länderspiels?

Tina Stepan: Es war mein erstes Länderspiel, das ich als Journalistin gesehen habe. Das war schon aufregend, vor allem wenn man so mit dem Fußball verbunden ist. Ich habe Olli (Oliver Kahn, Anm. d. Red.) fallen gesehen und ihn dabei stöhnen gehört und ich konnte Rudi praktisch beim Reden spucken sehen. Und ich hatte einen entscheidenden Anteil daran, was am nächsten Tag in den rumänischen Zeitungen stand. Weil Rudi Völler auf der Pressekonferenz nur deutsch reden wollte und ich und meine Kollegin von einer rumänischen Nachrichtenagentur die einzigen waren, die sowohl deutsch, als auch rumänisch sprechen, haben wir alles übersetzt. Am nächsten Tag waren die Zeitungen voll mit „unseren“ Nachrichten.

EM-OLE: Du bist während der EM immer noch in Bukarest. Rumänien ist aber nicht bei der EM dabei. Wie ist es da mit der EM-Begeisterung bestellt?

Tina Stepan: Das ist ganz, ganz schlecht. In den Kneipen gibt es wenig Fernseher, die Fußball zeigen, eben weil Rumänien nicht dabei ist. Wenn sie überhaupt schauen, dann zu Hause. Und den Leuten auch noch klar zu machen, warum man das deutsche Spiel sehen will, das ist gar nicht so einfach. Da muß man schon regelrecht betteln, dass auf die deutschen Spiele umgeschaltet wird. Die meisten halten, wenn überhaupt auf Portugal, Spanien oder Italien, nicht auf Deutschland.

EM-OLE: Und wie hilft man sich dann als alter Fußballhase?

Tina Stepan: Wir haben jetzt eine deutsche Brauerei ausfindig gemacht. Das soll ein Treffpunkt für Deutsche in Bukarest sein. Endlich deutsche Fans und deutsches Bier. Und meine Behelfsausrüstung besteht aus schwarz-rot-gelben Klamotten und einer selbst gebastelten Deutschlandfahne.

Das Interview führte Anika Heintze.

 
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