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| Futsch ist’s: Zauberer
Baron von Keyserlingk verbrennt mal eben 50 Euro. |
Der 50 Euro-Schein brennt. Daran besteht kein Zweifel.
Der Zauberer streut die Asche auf eine Zeitungsseite,
wickelt den verkohlten Rest ein, steckt ihn in eine kleine
Kiste. Der Gast schaut verdutzt. Sein Geld ist futsch
und Wolff Baron von Keyserlingk macht einfach weiter mit
seiner Show. Als wäre nichts passiert.
Der Frankfurter Zaubermeister geht zum nächsten
Trick über, drückt einem der 35 Gäste im
FIFA-Globus auf dem Leipziger Marktplatz ein Buch in die
Hand. Er solle sich ein Wort merken, irgendeins und grinst
verschmitzt. Dann verfällt er in Meditation, wedelt
sich Luft mit einem Fächer zu. „Jugendzeit!“
Es stimmt, verblüffter Applaus.
Zwar geht es an diesem Abend nicht wirklich um Fußball.
Allerlei runde Dinge verschwinden und tauchen wieder auf,
das ist auch schon alles. „Aber heute ist ja auch
spielfrei“, kommentiert Jochen Hieber. Der FAZ-Feuilletonist
hat das Kulturprogramm in dem überdimensionalen Sportgerät
zusammen gestellt. Die Kulturabende sind vielfältig:
Poesie, Doping und die Prinzen, alles ist dabei. Bis 2006
tourt Hieber mit dem Programm durch die zwölf Austragungsort
der Fußball-Weltmeisterschaft.
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| Gedankenlesen: Zauberer Baron
von Keyserlingk errät, was in den Köpfen
seiner Gäste vor sich geht. |
Hinter die Tricks des Barons ist Hieber noch nicht gekommen.
Sagt er zumindest. Es ist Zauberei, auf die man sich einlassen
muss. Sie überzeugt nicht mit Knall und Feuerwerk.
Der ergraute Zauberer verbindet kleine, aber feine Tricks
mit Gefühl für das Publikum. Um seine Mundwinkel
spielt immer ein schelmisches Lächeln, das zu einem
Lachen wird, wenn eine zerrissene Zeitung plötzlich
wieder ganz ist.
Das Publikum hat die 50 Euro schon längst wieder
vergessen. Ein Gast schneidet gerade eine frische Zitrone
auf, mit der Baron von Keyserlingk eine kurze Jonglierpause
eingelegt hatte. Und da ist der Schein wieder, steckt
im Fruchtfleisch der Frucht. Raunen, der Spender atmet
erleichtert auf. Ein gekonnter Abgang.
Ann-Kathrin Seidel