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Was von der EM bleibt
Aufstand der Mauerblümchen
Erstellt am 05. Juli, 10:30 Uhr
Früher auf dem Schulhof gab es auf der einen Seite die
Schönheiten aus der Klasse. Sie sahen unerreichbar gut
aus, waren immer die besten im Sport, hatten super Noten und
waren auch sonst nicht auf den Mund gefallen. Dann gab es
da noch diese versteckten Schönheiten. Sie waren auch
hübsch, doch fielen sie nie auf. Sie waren eher ruhig,
hatten unvorteilhafte Frisuren und gingen nicht unbedingt
den aktuellsten Modetrends hinterher. Die Schönheiten
gewannen immer.
Bei dieser EM war dies ein wenig anders. Gleich im Eröffnungsspiel
bekam Portugal, die Schönste aus der Gruppe A, gegen
das Mauerblümchen Griechenland eins ausgewischt. Spanien
fuhr sogar nach Hause. So richtig zickig verhielt sich Italien
in der Gruppe C. Weil es für die eitle Schönheit
aus dem Süden gegen zwei unterkühlte Blondinen aus
dem Norden nicht reichte, fing sie erst an zu treten und dann
zu spucken. Unheimlich kindisch die Mädels.
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| Lässt die Schönheit der
Griechen erahnen: Valia Kakouti, Miss Griechenland 2004. |
:: Aus s wird
sch
Doch was gab es noch Neues zu erfahren, außer dem Aufstand
der Mauerblümchen? Von unseren allseits beliebten Kommentatoren
erfuhren wir, dass s nicht immer s ist,
sondern immer öfter sch. Johannes B. Kerner,
ein eher kuscheliger Typ, versuchte, das zu perfektionieren.
Bei den Portugiesen gab es die meisten Exemplare. Luisch Figo,
Nuno Gomesch oder Rui Coschta. Man(n) will ja auch ein wenig
glänzen. Peinlich wird es nur, wenn man nicht konsequent
ist. Der Tscheche Milan Baroš hieß also folgerichtig
Barosch. Aber warum Kuschel-Johannes aus Galašek nicht
Galascheck und aus Šmicer nicht Schmicer machte, bleibt
wohl sein Geheimnis.
:: Stil ist nicht gleich
Erfolg
Das Versagen der Schönheiten zog sich durch das gesamte
Turnier. Olof Mellberg, immerhin der Gewinner unserer Mr.
EM Wahl, vergab den entscheidenden Elfmeter gegen die Niederlande.
Schweden fuhr nach Hause. David Beckham, die Klassenschönste
der ganzen Welt, verschoss auch. England fuhr zurück
auf die Insel. Raul, der schöne Spanier, fuhr bereits
nach drei Spielen wieder nach Hause. Zum Glück hatte
er es nicht so weit.
Selbst bei den Trainern bedeutete Stil nicht gleich Erfolg.
Ob Englands Coach Sven Göran Eriksson, der Italiener
Giovanni Trappatoni, der Tscheche Karel Brückner oder
der Franzose Jacques Santini. Sie alle saßen in feinen
Maßtüchern auf den Bänken am Rand von Portugals
Fußballplätzen. Im Finale schließlich trafen
sich Scolari (Portugal) und Rehhagel (Griechenland) wieder.
Sie waren ausgestattet von Nike bzw. Adidas. Feinster Sportstoff
umhüllte ihre Körper. Jogginghosen, die genügend
Freiheit und Bequemlichkeit boten, schafften es bis ins Finale.
:: Griechenland ist
auch süß
Irgendwann entdeckten die Jungs auf dem Schulhof, die sich
bisher immer nur für die Schönheiten begeistern
konnten, die Mauerblümchen für sich. Sie merkten,
dass sie auch ganz hübsch sind und dass man mit ihnen
viel mehr Spaß haben konnte, als mit den Schönheiten.
Und zickig waren sie auch nicht. Es war also ein später
Triumph für die Mauerblümchen. So auch für
Griechenland. Der Sonnenstaat am Zipfel Europas wurde 78 Jahre
nach Gründung des Fußballverbandes zur Sonnenkönigin.
Sie schlugen Portugal im Finale mit 1:0 und die Welt, zumindest
unsere europäische, entdeckte, dass Griechenland eigentlich
dann doch ein ganz süßes Mädel ist.
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