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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  EMMA :: KOLUMNE

Ein richtiger Kerl

Totti spuckt für einen guten Zweck

Erstellt am 18. Juni, 12:30 Uhr

Das Leben ist doch ungerecht. Vor allem gegen Francesco Totti. Wie der feurige Römer in Diensten von Azzuri-Coach Giovanni Trapattoni es auch anstellt, Schelte gibt es immer. Dabei fing alles so gut an: Distinguiert, unnahbar ging der Stürmerstar in das Auftaktmatch gegen die Dänen. Höflich, den Gegner nicht störend eben. Doch böse Zungen behaupten nun, Spiel und Ball liefen an ihm vorbei.
Was natürlich kein Wunder war. Drückte doch das viel zu enge Schuhwerk, das der hübsche Totti nach dreißig Minuten schon wechselte. Ein Foul, so der Schuhhersteller. Doch was war die Alternative? Hässlich eingewachsene Fußnägel? Ein Werbeträger wie Totti, eine echte Marke halt, kann, ja darf dieses Risiko auf keinen Fall eingehen. Es sei denn, man versichert die guten Treter, wie einst Jennifer Lopez ihren Allerwertesten.

Hmmm, ist der Poulsen 'ne lecker Jung. Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen.


Noch schlimmer kam es für den armen Francesco, als seine neueste Trendfri-sur vor Millionen deutschen Fernsehzuschauern vom Moderator der Lächerlich-keit preisgegeben wurde. Seiner Zöpfchen solle er sich entledigen hieß es, und endlich spielen wie ein echter Kerl. Totti hörte und gehorchte: Sekunden vor Spielende ein brutales Frustfoul, gnadenlos männlich eben. Die gelbe Karte gab es dafür? Was für ein verweichlichter Schiri!
Schließlich die Spuckattacke gegen den dänischen Bundesligaprofi Christian Poulsen. Dass Totti überhaupt noch Fußball spielen darf! Demnächst wird er noch kratzen, beißen, an den Haaren ziehen. Bekanntlich hat Totti dann die besten Karten. Schon in der Grundschule lernt man: Mädchen kann man ruhig an den Haare ziehen, denn je länger der Zopf, desto kleiner die Schmerzen.
Doch zurück zum Spucken: Das war zwar bös gemeint und demonstrierte Tottis Hilflosigkeit, doch im Effekt vielleicht gar ganz gut? Poulsen wird doch beherzt die Millionärsspucke in den Trikotärmel gewischt haben. Bloß jetzt nicht waschen!
Denn der feuchte Angriff sollte bei Ebay wahrlich Gold wert sein, das Trikot kann nun höchstbietend für einen guten Zweck verschachert werden. Gut gemacht, Totti. Also: Spucken für den guten Zweck? Und Gerechtigkeit für den barmherzigen Totti? Nee, das ist es dann doch nicht wert!

Till Schröder

 
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