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Frauen wacht auf!
Schiris sind die besseren Männer
Erstellt am 24. Juni, 15:40 Uhr
„Foul! Der hat den eindeutig gefoult!“ Fred,
dessen von Bier aufgeblähter Körper seit Tagen an
den Wohnzimmersessel gefesselt ist, schreit wild gestikulierend
den viereckigen Kasten vor ihm an. „Das gibt ’nen
Elfmeter!“ Auch Klaus, noch ausladender in der Statur,
wettert wie ein Irrer: „Der Schiri lässt weiter
spielen. Das darf doch nicht wahr sein.“ „Das
war eindeutig ein Foul. Ich hab’s genau gesehen. So
eine Null“, gibt auch Dietmar mit hochrotem Kopf seinen
Senf dazu. „So ein Trottel! Der hat doch Tomaten auf
den Augen“, schließt Karl die Kommentierung der
vier Freunde zum vermeintlichen Fehltritt des Schiris ab.
Freds Frau, Mona, seit Tagen unter den cholerischen Ausbrüchen
ihres Mannes und seiner Freunde leidend, versteht nur Bahnhof.
Wagt dennoch keine Frage, nickt nur stillschweigend und hofft
auf das Ende der Europameisterschaft.
:: Der
Schiri hat das letzte Wort
Fred, Klaus, Dietmar und Karl sind allesamt Fußballexperten
vor dem Fernseher. Sie entlarven jedes Foul, jede Schwalbe,
jedes Abseits,
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| Herr Merk hat einen äußerst praktischen Beruf. Er ist Zahnarzt, "nervt" also nur berufsbedingt. |
und ganz besonders jeden Fehler des Schiris. Der hat immer
Unrecht und macht viel zu viel Fehler, die unverzeihlich sind.
Dennoch, Klagen, wilde Beleidigungen und obszöne Gesten
sind nutzlos. Was der Schiri pfeift, gilt und kann nicht dementiert
werden.
:: Charismatisch
und durchtrainiert
Doch Mona, schau dir den Schiri ruhig mal genauer an. So eine
Null ist er gar nicht, da gibt es mehr davon um dich herum.
Der Schiri ist der mit dem andersfarbigen Trikot auf dem Feld.
Er rennt ständig zwischen den Mannschaften hin und her,
schlichtet Streit und sorgt dafür, dass Regeln eingehalten
werden. Stressbeständig und durchsetzungsfähig,
Ruhe bewahrend und täglich für Fitness und Ausdauer
trainierend. Das ist ein echter Mann! Nun gut, in den meisten
Fällen mag er nicht gerade einen Adoniskörper haben
und einstweilen kann es auch passieren, dass seine Augen wie
die eines Frosches hervorspringen, er die Stirn in tiefe Falten
zieht oder die Zähne fletscht. Passiert, wenn ein Spiel
zum Schaukampf ausartet und mehr verwundete Spieler am Boden
liegen, als gesunde dem Ball nachjagen. Das raubt Nerven,
aber Grimmasenschneiden ist immer noch abwechslungsreicher,
als ein langweiliger Mann, der brubbelnd vor dem Fernseher
hockt und seine Wampe mit Bier pflegt.
:: Irren
ist menschlich
Lass dir gesagt sein, liebe Mona, Schiris sind eindeutig die
besseren Männer. Nicht nur physisch fit, sondern auch
fix im Kopf müssen sie sekundenschnell Entscheidungen
treffen, die schwerwiegende Folgen für die Teams haben
können. Die sogar den Ausgang eines Spiels
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| Der Herr Nielsen aus Dänemark
kennt sich mit Computern aus. |
beeinflussen können. Endlich ein Mann mit Verantwortung.
Das Beste: Er hat einen Blick für alles und ist zuvorkommend.
Nicht nur auf dem Spielfeld! Denn Schiedsrichter haben im
„richtigen“ Leben auch oft noch verantwortungsvolle
Berufe. Kim Milton-Nielsen aus Dänemark ist Informatiker,
dass Dr. Markus Merk Zahnarzt ist, ist auch bekannt. Der Italiener
Colina ist Finanzberater und auch der Brite Riley ist in diesem
Geschäft tätig. Allerdings bleibt auch ein einziges
Manko. Fußball. Fußball ist sein Leben, eben wie
bei Fred. Stundenlanges Analysieren von Videos mit Spielen
der Mannschaften, die er später pfeift, ist nicht ausgeschlossen.
Aber sei dir sicher, die Kommentare sind durchdacht und Expertenreif
und seine Freunde bringt er zum Fußballschauen auch
nicht mit. Nie mehr vulgäre Ausrufe von rülpsenden
Bockwurstmampfenden Möchtegernexperten, die nur die Fehler
des Schiris sehen. Zugegeben, ganz fehlerfrei ist er nicht,
aber das kann passieren. Du hast Fred ja auch die ewige Treue
geschworen. Irren ist schließlich menschlich.
::
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