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  MAGAZIN :: BERICHT

Munteres Trainerraten eröffnet

Mayer-Vorfelder auf der Suche nach „Plan B“

Erstellt am 03. Juli, 09:30 Uhr

Hitzfeld verteidigt seine Absage, Gerhard Mayer-Vorfelder gibt unumwunden zu, dass ihm ein „Plan B“ fehle. Währenddessen stimmen die Deutschen mehrheitsdemokratisch über die Völlernachfolge ab. Die Umfrageergebnisse können mehr als überraschen.

Mayer-Vorfelder hat keinen „Plan B“

Würde der Bundestrainer über Volksvotum in sein Amt eingeführt, dürfte sich Christoph Daum über ein Wahlergebnis von 56% freuen. Unter den Fans liegt der von den Fußballfunktionären Geschmähte an erster Stelle – trotz seiner Kokain-Eskapaden. Die Umfrage des ZDF am Donnerstag belegte, dass Daum vor Otto Rehhagel weit in der Gunst liegt. Lothar Matthäus landet abgeschlagen mit 7% im Feld der Außenseiter. Dort haben es sich auch ausländische Trainernamen wie Arsene Wenger und Guus Hiddink gemütlich gemacht.

Vielen Kandidaten der Umfragen ist eines gemeinsam: Ihre Absage an den DFB. Daum sagte von Istanbul aus ab, für Felix Magath ist der „Job kein Thema“, Thomas Schaaf beschäftigt sich nicht damit. Außenseiter wie Paul Breitner loten ihre Chancen realistisch aus: „Eher werde ich Papst als Teamchef bei diesem DFB“. Günther Netzer empfindet sich als „unseriöse Lösung“. Otto Rehhagel und Jupp Heynckes schätzen die Bewerbung um das Amt des Bundestrainers als „unwahrscheinlich“ ein. Diese lange Liste der Absagen komplettiert auch Ottmar Hitzfeld, der „mehr Druck als Freude“ auf diesen Posten verspürt habe. Das Herz habe für eine Nachfolge von Völler gesprochen, aber die Vernunft habe gesagt: „Es geht nicht“.

Seine Absage stürzte den DFB ins Chaos: Ottmar Hitzfeld

:: MV in der Kritik

Nach dieser Flut der Absagen steht die DFB-Führungsspitze unter Druck. Verbandspräsident Mayer-Vorfelder verkündete freimütig, dass er jetzt keinen „Plan B“ habe. Kritik an MVs Krisenmanagement wird damit immer lauter. Er erklärte die Suche nach einem Völler-Nachfolger zur „Chefsache“ und wagte damit einen Alleingang. Nach Hitzfelds Absage steht er mit leeren Händen da. Eine Präsidiumssitzung des DFB soll am Montag Klarheit schaffen. „Jetzt muss das Präsidium sagen, was der richtige Weg ist“, so Mayer-Vorfelder. Unter vorgehaltener Hand wird bei dieser DFB-Sitzung auch intern Kritik am DFB-Präsidenten geübt werden.

:: Kandidatenliste wird kleiner

Welcher Trainer die deutsche Nationalmannschaft in 23 Monaten zum WM-Turnier im eigenen Land führt, ist weiterhin offen. Die Zahl der Kandidaten reduziert sich jedoch zusehends. Otto Rehhagel ist trotz seiner gegenteiligen Aussagen immer noch im Karussell der Bewerber. Mit dem Einzug seiner Griechen ins Finale der EM gibt er sich aber derzeit bedeckt. Winnie Schäfer verfügt über eine Ausstiegsklausel als Nationaltrainer von Kamerun und sammelte bereits WM-Erfahrung. Lothar Matthäus bekundete Interesse, vom ungarischem zum deutschen Fußballverband zu wechseln.

Eine Mannschaft ohne Trainer

Auch ein ausländischer Trainer ist für den DFB auf dem Sessel des Bundestrainers denkbar. Vorbedingung: er muss fließend deutsch sprechen. Damit befinden sich nur der Holländer Guus Hiddink, der Franzose Arsene Wenger und der Däne Morten Olsen im engeren Kandidatenkreis. Sowohl Hiddink als auch Olsen sind jedoch vertraglich gebunden. Wenger lehnte das Amt des Nationaltrainers bereits nach der EM 2000 ab.

:: Macht es Rudi noch einmal?

Zumindest die älteren deutschen Nationalspieler bringen einen weiteren Namen wieder ins Spiel: Rudi Völler. „Ich habe das nicht zu entscheiden, aber ich würde ihn gern als Bundestrainer sehen“, so Christian Ziege. Auch Herthas Fredi Bobic spricht sich für eine Rückkehr Völlers aus: „Ich würde mich freuen, wenn Rudi seinen Rücktritt noch mal überdenken würde.“ Die Stimmen dieser Altinternationalen dürften aber ungehört verklingen. Ihre eigene Nationalmannschaftskarriere ist mit dem Vorrunden-Aus in Portugal höchstwahrscheinlich selber ausgeklungen.

:: Eine „Doppelspitze“ für die Deutschen

Praktikabler scheint hingegen eine „Doppelspitze“. Völler als Mann für die Präsentation, ein ausländischer Trainer für das Fachliche. „Ich kann mir vorstellen, dass man versucht, Rudi mit einer abgespeckten Version zu gewinnen“, sagte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Liga-Präsident Werner Hackmann soll Völler-Freund Reiner Calmund gebeten haben, auf Völler einzuwirken. Rudi statt Teamchef nun Teammanager. Für welche Variante und welche Namen sich der DFB entscheidet, klärt sich erst am kommenden Montag.

Markus Mähler


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