Pünktlich vor der EM in Portugal nutzten gemeinnützige
Einrichtungen wie "TransFair"die Gunst der Stunde
und jenen Aufmerksamkeitsbonus, den alles genießt,
was in diesen Tagen mit dem Fußball verbunden ist.
Nach dem Motto "Fairplay beginnt vor dem Anpfiff"
wurde eine Informationskampagne über Kinderarbeit
gestartet. Positive Botschaft sollte eigentlich die Tatsache
sein, dass mehr und mehr Fußbälle mit dem offiziellen
"FairPlay"-Logo verkauft werden. Dieses Logo
garantiert, dass der in Pakistan hergestellte Ball ohne
Kinderarbeit und unter gerechten Löhnen das Licht
der Welt erblickte.
:: EM-Ball auf der Anklagebank
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Bereits vor dem ersten Spiel steht
der EM-Wunderball mächtig unter Druck.
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Viel größeres Aufsehen erregte jedoch, dass
ausgerechnet das offizielle Spielgerät zur EM dieses
Gütesiegel nicht trug. Kritik strömt in diesen
Tagen reichlich auf den Adidas-Wunderball. Fußballer
und Experten entsagten dem "Roteiro" die Gefolgschaft
und kanzelten den von Jürgen Kohler aufgrund seiner
unberechenbaren Flugbahn als "fliegende Untertasse"
geadelten Ball als untauglich ab. Da Adidas nun neben
einer vernichtenden Expertenkritik auch mit dem Makel
der Kinderarbeit belastet wurde, startete der Herzogenauracher
Sportartikelhersteller eine breite Informationskampagne.
:: Freispruch: geklebt
und nicht genäht
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Unschuldsbekundung: Adidas ließ
den Roteiro durch die deutsche Presselandschaft
strippen.
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Das Ergebnis konnte man sich über einen brav abgeschriebenen
Pressetext in Deutschlands führender Sonntagszeitung
zu Gemüte führen (auf der letzten Seite). Bedeutende
und nebenbei mit einem Werbevertrag bei Adidas ausgestattete
Fußballer versicherten die hervorragenden Eigenschaften
des Roteiros. Da sich der Ball vor einer Weltöffentlichkeit
entblättern musste, wurde klar, dass er nicht über
Kinderarbeit hergestellt werden kann. Im Gegensatz zum
Normal-Fußball gibt sich die "fliegende Untertasse"
auch in der Herstellung sehr abgehoben: nahtlos ist er
und seine Einzelteile werden unter Hitze und Druck zusammen
geklebt.
:: Fliegende Untertasse
für Fliegenfänger?
Entwarnung ist also von dieser Seite gegeben. Der Roteiro
benötigt kein Siegel gegen Kinderarbeit, da er nicht
von Kindern zusammen genäht werden kann. Wie verhält
es sich jedoch mit der fachlichen Kritik an der runden
Kugel? Die klingt in etwa so: "Es ist kaum zu glauben,
dass sie so was einen Ball nennen!". Verärgert
reagierte der spanische Nationalspieler Joaquin nach dem
Freundschaftsspiel Mitte Februar. Er war der erste, der
nicht nur mit dem Fuß gegen den Ball treten durfte.
"Dieser Ball ist sehr merkwürdig und reagiert
nie so, wie man es erwartet." Der italienische Keeper
Gianluigi Buffon befürchtet, dank dem neuen Ball
sogar als Fliegenfänger abgestempelt zu werden. Dass
jedoch auf den kleinen Ball nicht von allen Seiten verbal
eingedroschen wird, dafür sorgen Fußballgrößen
wie Ballack, Zidane und Beckham. "Der Roteiro erlaubt
mit noch präzisere Pässe", so Beckham.
Allerdings finden Beckham, Ballack und Zidane nicht nur
den Ball sondern vermutlich auch ihre Werbeverträge
mit Adidas sehr gut. Ob die Flugeigenschaften dieses Balls
nun wirklich einer fliegenden Untertasse ähneln,
davon kann sich ab dem EM-Eröffnungspiel jeder Fußballfan
und jeder Kicker überzeugen. Vorhang auf für
den Roteiro.
Markus Mähler, Daniel Frick