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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  MAGAZIN :: BERICHT

Kleinere Scharmützel in England

Johanssons Worten folgen Taten

Erstellt am 15. Juni, 02:00 Uhr

"Zetteln englische Hooligans Krawalle an, werden wir das Team England nach Hause schicken", polterte UEFA-Präsident Lennart Johansson noch vor wenigen Tagen. Dann kam für das englische Team die bittere 2:1-Auftakspleite gegen Frankreich und alle Fußballfans befürchteten das Schlimmste: Krawalle in Lissabon und das Aus am Grünen Tisch für das Inselteam. Aber es kam anders.

:: Eintracht in Lissabon

Einträchtig saßen englische und französische Fußballfans in überfüllten Nachtlokalen und diskutierten das Spiel. Viele französische Schlachtenbummler mussten den englischen sogar Trost spenden und Taschentücher für die Tränen reichen. Der Schock saß bei den Engländern so tief, dass sie an Randale gar nicht denken konnten. Viel Zeit wurde für die Analyse des Duells aufgebracht, das sich mit Fug und Recht als Spitzenspiel bezeichnen kann.

Durch die friedlichen Fans war es für die portugiesischen Sicherheitskräfte ein ruhiger Abend. Eine Verhaftung wurde im Zusammenhang mit dem Spiel gemeldet. Welche Nationalität der Verhaftete hat und was ihm angelastet wird, teilte die Lissabonner Polizei allerdings noch nicht mit.

:: Zwietracht in London

Durch die gute Zusammenarbeit zwischen den britischen und portugiesischen Sicherheitsbehörden vor dem Turnier war es ohnehin vielen Hooligans nicht gelungen, nach Portugal einzureisen. Sie mussten in England bleiben. Wohl auch ein Grund, warum es gestern in Croydon, im Süden von London, zu heftiger Randale kam. 400 Randalierer zogen aus den Pubs auf die Straße und schmissen Flaschen und Gläser auf die herbeigerufene Polizei. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt, 14 Personen wurden festgenommen.

In Birmingham ein ähnliches Bild: 200 Jugendliche zogen randalierend durch die Stadt, nachdem sie das Ende des Spieles Frankreich und England auf einer Großleinwand gesehen hatten. In der Kleinstadt Boston in Lincolnshire kam es ebenfalls wegen des Spiels zu Übergriffen. Zwei Polizeiautos und ein Laden brannten aus. Das Resultat der Nacht: 85 Festnahmen und sieben verletzte Polizisten. Was passiert gar, wenn England das nächste Gruppenspiel gegen die Schweiz verliert?

:: Rückzieher von Johansson

Nachdem die englischen Fans zumindest in Lissabon friedlich geblieben sind, gab es auch friedliche Worte von UEFA-Präsident Lennart Johansson: "Wir sollte nicht dem englischen Verband oder seiner Mannschaft die Schuld für das Verhalten von Hooligans geben". Seine frühere, gegenteilige Aussage sei falsch interpretiert worden.

Daniel Frick

 
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