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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  MAGAZIN :: BERICHT

Reaktionen auf den EM-Start der Deutschen

Zufriedenheit pur auf beiden Seiten

Erstellt am 16. Juni, 18:10 Uhr

Friede, Freude, Eierkuchen. Nach dem salomonischen 1:1 im Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Holländer sind die befürchteten Hassausbrüche ausgeblieben. Spieler, Fans und Öffentlichkeit zeigten sich in beiden Ländern mit dem Start ins Turnier zufrieden.

So was gab’s lange nicht: Das Auftaktspiel stimmte Deutsche und Holländer gleichermaßen zufrieden.

Die Jungs von Rudi Völler kehrten um zwei Uhr nachts zufrieden in ihr Hotel in Almancil zurück. "Wir sind ganz ordentlich in das Turnier gestartet", meinte Michael Ballack, der das Unentschieden "realistisch gesehen für gerecht" hielt. "Wir haben das beste Spiel seit langer Zeit gemacht", lautete die Einschätzung von Kapitän Oliver Kahn. Der Teamchef sah sich veranlasst, seiner Mannschaft ein Kompliment zu machen. Franz Beckenbauer schrieb in seiner Kolumne auf Bild.de: "Die Mannschaft hat mit einer unglaublichen Leidenschaft gekämpft. Wenn die Einstellung stimmt, kann eine deutsche Nationalelf nahezu jeden Gegner schlagen."

:: Holländer teilen positive Einschätzung

Die Holländer bewerteten das Spiel ebenfalls sehr positiv. "Ich glaube, wir können zufrieden sein", sagte Phillip Cocu. Torschütze Ruud van Nistelrooy hielt seinen Ausgleich für verdient und erklärte: "Eine Niederlage wäre schlimm für uns gewesen. Jetzt haben wir etwas mehr Ruhe." Laut Trainer Dick Advocaat hatte sich Deutschland besser als erwartet präsentiert. Auch er schätzte das Ergebnis als gerecht ein.

:: Fan-Ausschreitungen blieben aus

Das gutklassige Spiel begeisterte natürlich auch die Fans beider Lager. Nach Spielende ertönte tosender Applaus aus beiden Lagern. Die befürchteten Ausschreitungen blieben in Portugal aus – ganz im Unterschied zu den britischen Hooligans, die sich gestern Nacht erneut Ausschreitungen mit der Polizei lieferten.

:: Erzfeindschaft seit 30 Jahren

Selten herrschte nach einem Duell zwischen Deutschland und Holland soviel Eintracht. In der Vergangenheit hatten diese Spiele immer wieder kriegsähnliche Situationen ausgelöst. Ausgangspunkt war das WM-Finale 1974 in München, als Gastgeber Deutschland den Favoriten mit 2:1 besiegte. Seitdem beschäftigte die Niederländer der Rache-Gedanke. In steter Regelmäßigkeit kam es zu unschönen Szenen. Bei der WM 1978 boxte Dick Nanninga Bernd Hölzenbein in den Magen, worauf dieser ihn an der Nase packte.

Bei der EM 1980 erhielt Torhüter Toni Schumacher von den Holländern einen Tritt in den Magen, was dieser als "bislang schlimmstes Erlebnis in meiner sportlichen Laufbahn" bewertete. Unvergessen natürlich auch die Spuckattacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler bei der WM 1990. Die letzte große Gehässigkeitsattacke von Deutschland breitete sich vor der WM 2002 aus, als das Lied "Ohne Holland fahrn wir zur WM" zum Gassenhauer avancierte.

Christoph Meichsner

 
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