 |
|
Das Ende einer Karriere : Trapattoni hat fertig
|
Die Heimkehr der italienischen Mannschaft dürfte nach dem blamablen EM-Auftritt zum Spießrutenlauf voll Schimpf und Schande geraten. Trainer Giovanni Trapattoni, der bereits vor dem Turnier aufgrund seiner defensiven Taktik massiv in die Kritik geriet, steht nach dem blamablen EM-Aus vor der Ablösung. Der italienische Verbandspräsident Franco Carraro kündigte bereits eine "klärende" Sitzung der Fußballoberen an. Der designierte Nachfolger Marcello Lippi hat seinen Vertrag bei Juventus Turin bereits aufgelöst und steht in den Startlöchern. Doch der Anteil Trapattonis an der Blamage nimmt sich noch gering aus.
:: Italien fürchtete das "Wikinger-Komplott"
Bereits bei der letzten Weltmeisterschaft vermuteten die Italiener einen "Komplott" aufgrund ihres frühen Ausscheidens. Ähnliche Verschwörungstheorien wiederholten sich nun: Am letzten Spieltag der Gruppe C witterten die italienische Mannschaft und heimische Medien einen "skandinavischen Solidarpakt" zwischen den Gruppengegnern Schweden und Dänemark. Ein friedliches und torreiches 2:2 der Nordländer würde Italien aus der EM befördern - egal wie hoch die Squadra Azzurra ihr eigenes Spiel gewinnen sollte. Das Misstrauen gegenüber einer möglichen Mauschelei war derart groß, dass italienische Medien vorsorglich ankündigten, das Spiel Schweden-Dänemark mit sieben Kameras überwachen zu wollen. Mittelfeldspieler Gennaro Gattuso forderte gar 50 Kameras. Letztendlich schied Italien zwar durch ein solches 2:2 der "Wikinger" aus. Der Spielverlauf dieser Partie lässt jedoch bei Fußballexperten auf vollen Einsatz der beiden Länder schließen.
 |
|
Arrivederci Italia: Die Azzurri verabschieden sich von der EM
|
:: Angst sollte Italien zum Sieg treiben
Nicht Einsatz, sondern Angst regierte hingegen bei den Italienern vor der entscheidenden Partie gegen Bulgarien. Manndecker Alessandro Nesta fasste die Stimmung in der Mannschaft wie folgt zusammen: "Wir alle haben Angst, dass es am Dienstagabend schon vorbei sein kann." Doch Nesta hoffte, dass diese Angst Italien zu einem "überzeugenden Sieg treiben werde." Wie wenig es derzeit bei den Azzurri stimmt, belegte nicht nur dieses Versprechen. Christian Vieri, Gianluca Buffon und Francesco Totti, die eigentlichen Stützen der Mannschaft, verzettelten sich in Spuckattacken, Spielsperren, Beleidigungen und anderen verbalen Nachtritten gegenüber der Presse.
:: Vieri & Totti = Schimpfen & Klagen
Während Stürmerstar Christian Vieri in der gestrigen Pressekonferenz zum beleidigenden Rundumschlag gegen die Medien ausholte, verklagt Mannschaftskollege Francesco Totti gerade mehrere Zeitungen auf Schadensersatz. Die Schadenssumme beläuft sich auf fünf Millionen Euro und ist für Totti gerechtfertigt. In der Spuck-Attacke auf den Dänen Christian Poulsen sieht sich der Italiener durch eine "verleumderische Berichterstattung" in seiner Ehre verletzt.
Vieri hingegen erklärte gleich der ganzen Zunft den Krieg. Er legte sich ein Sprechverbot mit allen Reportern auf. Nicht aber, ohne vorher zum Rundumschlag ausgeholt zu haben: Wütend bezeichnete er anwesende Journalisten als "Lügner ohne Gewissen", welche die italienische Mannschaft "von morgens bis abends massakrieren." Zur Entgleisung führte jedoch der Satz, dass Vieri "hundert Mal mehr wert" sei als "alle Journalisten".
 |
|
Trotz Beten: Gott war an diesem Tag kein Italiener
|
:: Eine Vorstellung des Grauens
Was nach der Spekulation um ein "abgekartetes Spiel" unter den Skandinaviern, den Spuckattacken und Klagen Tottis, Vieris Pressekonferenz, einem Trainer im Kreuzfeuer der Kritik, einer dürftigen Mannschaftsleistung mit frühem EM-Aus und viel dicker Luft bleibt? Neben einer Vorstellung des Grauens vor der europäischen Öffentlichkeit offenbar auch das Ende einer großen Trainerkarriere. Seniore Trapattoni wird als "Maestro" den Trainer-Hut einer italienischen Mannschaft nehmen, die "für ihn in den Krieg ziehen" wollte, so Manndecker Marco Materazzi. Leider ging dieser "Krieg" bereits im Mannschaftslager verloren.
Markus Mähler