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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  MAGAZIN :: BERICHT

Schweden ist im Viertelfinale

Im Land von Henke, Freddie und Zlatan

Erstellt am 23. Juni, 23:00 Uhr

„Sverige!, Sverige!, Sverige!“ So schallte es am Dienstagabend durch die Straßen und aus den Pubs in Stockholm. Schweden hat es gepackt und steht im Viertelfinale und das vielleicht auch noch gegen Deutschland. Während des „Endspiels“ gegen Dänemark zeigten selbst die eher unterkühlten Schweden Emotionen pur.

Ernüchterung nach dem 0:1 durch Tomasson.

Mit einem spektakulären Ende in der Gruppe C hat sich Schweden als Gruppenerster für das Viertelfinale der Europameisterschaft qualifiziert. Eine Verschwörung mit Dänemark hat es dabei nicht gegeben, auch wenn genau der Fall der Fälle eintrat, ein 2:2, welches den Italienern nicht den Hauch einer Chance gab. Doch die Schweden mussten lange zittern bevor gegen 22:30 alle Dämme brachen.

Das O’Learys, ein Sportspub im Szeneviertel Slussen war rappevoll mit über 250 Schweden, die sich einsangen und ihre durstige Kehlen mit dem für Deutsche gewöhnungsbedürftigem schwedischen Bier stillten. Die Stimmung war sehr angespannt, welche Peter (36) auf den Punkt brachte: „Ich bin sehr nervös und aufgeregt.“

:: Stimmungstief nach dem 0:1

Eines ist allen Schweden anzumerken, sie sind sehr stolz auf ihr Team und selbst ein Ausscheiden in der Vorrunde hätte dem kein Abbruch getan und so genießen sie den Augenblick des Erfolges in vollen Zügen. Michael (41) sagt, es sei im Moment eine sehr gute Zeit. „Das Fussballfieber ist sehr hoch.“ Was er für das Team für möglich hält? „Den ganzen Weg", kommt blitzartig seine Antwort.

Peter: "Ich bin unheimlich nervös."

Nach dem 1:0 für die Dänen sackte die Stimmung merklich ab und auch die Einspielung von Musik konnte sie nicht anheizen. Sollten wir etwa doch noch ausscheiden? Bange Blicke zu den kleineren Fernsehern, wo sie die Italiener verfolgen konnten bestimmten nun die Szenerie. Waren die Medien doch zu voreilig, als sie die Schweden nach ihrem grandiosen Auftaktsieg schon als Gruppensieger feierten. Die Berichterstattung in den Gazetten ist sehr extrem und braucht sich nicht hinter der Bild-Zeitung zu verstecken. Jenny (30) ist selbst Journalistin und sagt: „Natürlich haben die Medien total überreagiert, aber das ist doch immer so. Die Menschen dagegen sind eher ein wenig abwartender.“

:: Ausgerechnet "Henke" trifft

Das 1:0 für die Bulgaren löste einen Jubelschrei aus, doch die das würde bedeuten, dass Tschechien der nächste Gegner ist. Man hoffte auf mehr im eigenen Spiel. Denn gegen die Tschechen wollte man nicht spielen. „Gegen die Tschechen fliegen wir raus, ohne Wenn und Aber.“ sagte Peter. Mit dem verwandelten Foulelfmeter durch Henrik Larrson bebte der Pub. Ausgerechnet "Henke" machte wieder das Tor. Der verlorene Sohn, der zurückgeholt wurde. In einer einmaligen Aktion mit über 60 000 Unterschriften holte sie ihren Gerd Müller ins Nationalteam zurück. Sogar der König und der Ministerpräsident Persson setzten ihre Unterschriften auf die Liste.

Die gute Stimmung mit vielen Fangesängen hatte aber bald wieder ein abruptes Ende gefunden, als die Dänen durch ihren Goalgetter Tomasson wieder in Führung gegangen sind und die Azzuri auch schon den Ausgleich geschafft hatten. Ein Tor mehr für die Italiener und das "Tre Kronor Team" ist raus. Die Nervosität war jetzt mit den Händen greifbar und die Dänen vergaben eine Chance nach der anderen.

Jenny: "Wir sind eher abwartend."

 

:: Ekstase eine Minute vor Schluss

Die Minuten rannten davon und man schaffte den Ausgleich nicht, bis zur Erlösung und zur vollkommenen Ekstase in der 89. Minute, als Jonsson den Ausgleich erzielte. Die sonst so zurückhaltenden Schweden kannten keine Grenzen mehr und jubelten minutenlang. In ihren Freudentaumel ging das 2:1 der Italiener vollkommen unter, was sie kurze Zeit später erzielten. Es waren nur Sekunden, die sie ins Viertelfinale und die Italiener in die Heimat beförderten. Gelb-blaue Fahnen wurden geschwenkt, ein aufblasbarer Fussball flog umher und große Plastikhände mit der Nationalflagge wurden im Gleichtakt geschwenkt.

Jetzt heißt es auch am Samstag wieder „Gamla Du Fria“ („Du altes, du freies Land“), wenn die Schweden ihre Nationalhymne singen und stolz sind auf ihre Henkes, Freddies und Zlatans.

Stefan Burkhardt

Burkhardt studiert Politikwissenschaften, Journalitik und VWL. Zurzeit lebt er in Stockholm.

 
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