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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  MAGAZIN :: KOMMENTAR

Niederlage mit Folgen

Ende des Opfers

Erstellt am 24. Juni, 21:20 Uhr

Rudolf Völler hat aufgegeben. Der Wundermann des neuen Jahrtausends schmeißt die Brocken hin. Und das zu einem überraschenden Zeitpunkt. Genießt der ursprüngliche Feuerwehrmann als Teamchef in Fußballdeutschland doch nach wie vor gutes Ansehen, trotz des wieder einmal unrühmlichen Vorrunden-Ausscheidens unserer Elf.

Rudi Völler kann jetzt nur noch zurückschauen

:: An Völler lag es kaum

Soweit so gut. Abgesehen von der Auswahl der falschen Stürmer - Deutschlands einziger verläßlicher Goalgetter Martin Max nicht dabei, Deutschlands junge Hoffnung Lukas Podolski im Turnier zu spät - kann man Völler keinen ernsthaften Vorwurf machen. Die besten Spieler hatte er mit an Bord. Oder besser gesagt: die am wenigsten schlechten.

:: Völler opferte sich

Aber sein Rücktritt kommt nicht so ganz von ungefähr: Spätestens seit Völlers Wutattacke gegen ARD-Interviewer Waldemar Hartmann im vergangenen Sommer musste jedem klar sein: richtig Spaß macht ihm die Sache nicht mehr. Er opfert sich. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Weil ihm halt Fußballdeutschland zu Füßen liegt. Nicht aber die Nationalmannschaft selber. Und das ist das Problem. Zu Beginn der Ära Völler, nach der Euro-Arbeitsverweigerung vor vier Jahren in Holland, musste sie sich aufrappeln und Sympathien zurückgewinnen. Bei der WM vor zwei Jahren erreichte sie mit Völlers Spirit trotz ihrer begrenzten spielerischen Möglichkeiten das Finale. Das jedoch eigentlich nur dank Losglück und einer Menge Zufall, schließlich wartete der erste ernsthaftegroße Gegner mit Brasilien erst im Finale.

:: Rudi mehrfach allein gelassen

Doch anschließend ruhte sich die Truppe auf dem Triumph aus. Olli Kahn sah Deutschlands Fußball endlich "wieder da, wo er hingehört, in der Weltspitze," doch das war trügerisch. Mit mitunter katastrophalen Auftritten in der EM-Qualifikation und peinlichen Testspielniederlagen gegen Rumänien und Ungarn ließ die Mannschaft ihren Teamchef mehrfach im Stich. Und erstellte sich jedes Mal brav vor sie, obwohl sie es bei weitem nicht immer verdient hatte. Und auch bei der EM wäre keine einhundertprozentige Rückendeckung angemessen gewesen. Unbedingter Siegeswille über 93 Minuten konnte man dem Team gegen Tschechien B nicht bezeugen. Und es fehlte auch weitaus mehr als das vielfach beschworene Glück.

:: Egoismus endlich praktiziert!

Rudi Völler: Nachfolger gesucht

Rudi Völler sagt, bei der WM im eigenen Land in zwei Jahren wäre er als Teamchef gerne dabei gewesen. Aber Egoismus sei der falsche Freund. Ich sage: Falsch! In diesem Falle war Egoismus für Völler genau der richtige Freund. Erstens wird der Abgang von einem Großteil der Deutschen bedauert, weit mehr als bei Berti Vogts' Aus vor sechs und erst recht Erich Ribbecks Rücktritt vor vier Jahren. Zweitens begreift die Nationalmannschaft jetzt hoffentlich, wen sie sich als Frontmann verspielt hat. Und drittens wird der WM-Erfolg von 2002 in zwei Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zu wiederholen sein. OK, mit einem Vorrunden-Aus ist bei den naturgemäß schwächer besetzten Gruppen nicht zu rechnen. Aber nach z.B. einer Viertelfinalniederlage gegen einen großen Gegner wird das Geschrei groß sein. Und dieses Geschrei hat Rudi Völler nicht verdient. Das muss sich jetzt zurecht ein anderer antun!

Deswegen Respekt, lieber Rudi Völler, Anerkennung und Dankeschön für die schöne Zeit und das große Opfer!

Christoph Dziedo

 
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