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Rudi Völler kann jetzt nur noch zurückschauen
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:: An Völler
lag es kaum
Soweit so gut. Abgesehen von der Auswahl der falschen
Stürmer - Deutschlands einziger verläßlicher
Goalgetter Martin Max nicht dabei, Deutschlands junge
Hoffnung Lukas Podolski im Turnier zu spät - kann
man Völler keinen ernsthaften Vorwurf machen. Die
besten Spieler hatte er mit an Bord. Oder besser gesagt:
die am wenigsten schlechten.
:: Völler opferte
sich
Aber sein Rücktritt kommt nicht so ganz von ungefähr:
Spätestens seit Völlers Wutattacke gegen ARD-Interviewer
Waldemar Hartmann im vergangenen Sommer musste jedem klar
sein: richtig Spaß macht ihm die Sache nicht mehr.
Er opfert sich. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Weil
ihm halt Fußballdeutschland zu Füßen
liegt. Nicht aber die Nationalmannschaft selber. Und das
ist das Problem. Zu Beginn der Ära Völler, nach
der Euro-Arbeitsverweigerung vor vier Jahren in Holland,
musste sie sich aufrappeln und Sympathien zurückgewinnen.
Bei der WM vor zwei Jahren erreichte sie mit Völlers
Spirit trotz ihrer begrenzten spielerischen Möglichkeiten
das Finale. Das jedoch eigentlich nur dank Losglück
und einer Menge Zufall, schließlich wartete der
erste ernsthaftegroße Gegner mit Brasilien erst
im Finale.
:: Rudi mehrfach
allein gelassen
Doch anschließend ruhte sich die Truppe auf dem
Triumph aus. Olli Kahn sah Deutschlands Fußball
endlich "wieder da, wo er hingehört, in der
Weltspitze," doch das war trügerisch. Mit mitunter
katastrophalen Auftritten in der EM-Qualifikation und
peinlichen Testspielniederlagen gegen Rumänien und
Ungarn ließ die Mannschaft ihren Teamchef mehrfach
im Stich. Und erstellte sich jedes Mal brav vor sie, obwohl
sie es bei weitem nicht immer verdient hatte. Und auch
bei der EM wäre keine einhundertprozentige Rückendeckung
angemessen gewesen. Unbedingter Siegeswille über
93 Minuten konnte man dem Team gegen Tschechien B nicht
bezeugen. Und es fehlte auch weitaus mehr als das vielfach
beschworene Glück.
:: Egoismus endlich
praktiziert!
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Rudi Völler: Nachfolger gesucht
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Rudi Völler sagt, bei der WM im eigenen Land in
zwei Jahren wäre er als Teamchef gerne dabei gewesen.
Aber Egoismus sei der falsche Freund. Ich sage: Falsch!
In diesem Falle war Egoismus für Völler genau
der richtige Freund. Erstens wird der Abgang von einem
Großteil der Deutschen bedauert, weit mehr als bei
Berti Vogts' Aus vor sechs und erst recht Erich Ribbecks
Rücktritt vor vier Jahren. Zweitens begreift die
Nationalmannschaft jetzt hoffentlich, wen sie sich als
Frontmann verspielt hat. Und drittens wird der WM-Erfolg
von 2002 in zwei Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
nicht zu wiederholen sein. OK, mit einem Vorrunden-Aus
ist bei den naturgemäß schwächer besetzten
Gruppen nicht zu rechnen. Aber nach z.B. einer Viertelfinalniederlage
gegen einen großen Gegner wird das Geschrei groß
sein. Und dieses Geschrei hat Rudi Völler nicht verdient.
Das muss sich jetzt zurecht ein anderer antun!
Deswegen Respekt, lieber Rudi Völler, Anerkennung
und Dankeschön für die schöne Zeit und
das große Opfer!
Christoph Dziedo