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Völler tritt als Teamchef zurück

Beckenbauer: "Ich kann Rudi verstehen - Ich hatte auch die Schnauze voll"

Erstellt am 24. Juni, 20:30 Uhr

Wie üblich verbreitete erst die Bild-Zeitung das Gerücht: Der deutsche Teamchef Rudi Völler ist zurückgetreten. Nach Angaben des Blattes fiel die Entscheidung in der Nacht nach dem EM-Aus. Am Morgen dann die offizielle Bestätigung: "Ich werde von meinem Amt zurücktreten", sagte Völler wortkarg in der einberufenen Pressekonferenz. Die Stimmen.

Gerhard Mayer-Vorfelder (DFB-Präsident): "Ich habe Rudi sehr zu danken. Er hat auf meine spontane Frage damals vor vier Jahren zugesagt, die Mannschaft zu übernehmen. Zunächst war eine Interimszeit von einem Jahr vorgesehen. Aus einem Jahr sind vier Jahre geworden. Vier Jahre, in denen die Vize-Weltmeisterschaft errungen worden ist. Es hat eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit stattgefunden, auch wenn es in der einen oder anderen Frage Spannungen gab. Er hat in der schwierigen Situation nach der EM 2000 geholfen. Wir erinnern uns alle an das erste Spiel in Hannover gegen Spanien, in dem die Nationalmannschaft von den Fans, dank des großen Ansehens von Rudi Völler von den Fans wieder angenommen wurde. Ich bedaure die Entscheidung von Rudi sehr. Wir haben uns gestern Abend aber offen in Augen schauen können, so dass sein gutes und offenes Verhältnis zum DFB erhalten bleibt."

Franz Beckenbauer (Ex-Teamchef): "Rudi Völler war vor vier Jahren das Beste, was dem DFB passieren konnte. Er hat in der Öffentlichkeit viel Druck von der Mannschaft genommen, die Spieler sind Sensibelchen. Wenn man sie anpackt, fallen sie um. Ich kann Rudi verstehen, ich war damals in einer ähnlichen Situation. Ich hatte auch die Schnauze voll. Die Emotionen sind manchmal wichtiger als der Verstand, so komisch das auch klingen mag. Es wird schwer, einen Nachfolger zu finden, denn es gibt keinen Zauberer. Den findest du nur im Zirkus Krone. Mit Blick auf die WM 2006 gibt es nur einen, der es richten kann: Ottmar Hitzfeld. Ohne unserem Präsidenten vorgreifen zu wollen, wäre seine Verpflichtung eine logische Konsequenz. Ottmar ist das Beste, was der deutsche Fußball im Trainerbereich derzeit zu bieten hat. Außerdem ist er frei."

Reiner Calmund (Ex-Geschäftsführer von Bayer Leverkusen): "Rudi hat sich gestern Nacht mit Präsident Mayer-Vorfelder und dem Generalsekretär Horst R. Schmitt zurückgezogen. Zwischen drei und vier Uhr erfuhren wir dann, dass das Thema beendet ist und Rudi Völler um seinen Rücktritt gebeten hat, und das Präsidium ist dem Wunsch nachgekommen. Dann haben wir bis morgens um sechs, halb sieben um Hölzchen auf Stöckchen diskutiert, was man anderes hätte machen können, aber die Entscheidung war gefallen. Es war für alle
eine Schlag. Er hat die schwierige WM-Qualifikation erfolgreich bestanden und uns zur Vize-Weltmeisterschaft geführt. Rudi ist ein patenter Kerl, der mit beiden Beinen auf der Erde steht. Ob ihn jetzt der Bayer-Konzern anspricht, um ihn wieder zurückzuholen, muss man abwarten. Ich will Spekulationen keine Nahrung geben. Rudi war ein Glücksfall für den DFB, es tut mir Leid für ihn. Trotz der Defizite, die hier aufgetreten sind, war er der richtige Mann. Wenn ich ihm einen Rat hätte geben sollen, hätte ich ihm gesagt: Bleib"

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München): "Ich bedauere den Rücktritt von Rudi Völler und möchte mich im Namen des FC Bayern für die äußerst gute, sympathische und fruchtbare Zusammenarbeit, die wir hatten, bedanken."

Otto Rehhagel (Nationaltrainer Griechenland): "Ich habe ein besonderes Verhältnis zu Rudi. Manchmal trifft man etwas vorschnell seine Entscheidung, Rudi hätte auch weitermachen können. Er ist aber alt genug, man muss seine Entscheidung respektieren. Jetzt ist emotionale Intelligenz gefragt und keine unüberlegten Schnellschüsse. Man muss jetzt sehen, was auch immer geschieht, die WM 2006 ist in Deutschland. Darauf muss man hinarbeiten, dass das klappt. Es ist schrecklich, dass wir ausgeschieden sind."

Thomas Helmer (Ex-Nationalspieler): Rudi Völlers Rücktritt war schon überraschend. Ich glaube, der neue Mann wird es nicht leichter haben, weil er keine größere Auswahl an Spielern hat. Ottmar Hitzfeld würde es sicherlich gut machen, aber es ist nicht wirklich eine Perspektive für 2006 da."

Christoph Dziedo

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