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Großer Krach beim DFB

Wie gehts weiter mit Hitzfeld und MV?

Erstellt am 30. Juni, 14:01 Uhr

Es ist sicherlich nicht die Personalie Hitzfeld, die Liga-Präsident Werner Hackmann aufregt, sondern die selbstherrliche Art von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Der hatte die Trainer-Frage zur Chefsache erklärt. „Das ist aus unserer Sicht nicht in Ordnung und nicht hinnehmbar“, erklärte Hackmann sichtlich erregt. Dadurch gerät der 71-jährige Mayer-Vorfelder weiter unter Druck. Zumal ihm mittlerweile auch der Rücktritt von Rudi Völler zur Last gelegt wird.

:: MV wehrt sich

Überaltert, verkrustet, patriarchisch – so wird das DFB-Präsidium von vielen gesehen. Als Symbolfigur für diese Strukturen steht der Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Der hat mit seinem Alleingang in Sachen Trainerfrage nicht nur Liga-Boss Hackmann verärgert, auch Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern, rät Mayer-Vorfelder eine breite Zustimmung für den neuen Trainer zu finden: „Er muss Leute wie Hackmann und Beckenbauer und einige Meinungsmacher der Bundesliga mit einbinden“, sagte Rummenigge. Mit Letzteren meinte er sich wohl selber. Vom „patriarchalischen Populismus“, spricht Wolfgang Holzhäuser aus der Geschäftsführung von Bayer Leverkusen. Gegen solche Vorwürfe wehrt sich Mayer-Vorfelder: „Nach der DFB-Satzung hat der Präsident die Gespräche mit in Frage kommenden Trainern zu führen.“. Die endgültige Einstellung obliege natürlich dem Präsidium. In dem sitzt unter anderen auch Werner Hackmann.

:: Völler rausgeekelt?

Auch der Rücktritt von Rudi Völler wird mittlerweile Mayer-Vorfelder angelastet. Die Aussage von Rudi Völler „Man könne sich wieder in die Augen schauen“ in Richtung Mayer-Vorfelder bei der Rücktritt-Pressekonferenz hatte für wildeste Spekulationen gesorgt. Was in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nach EM-Aus geschehen ist, wird wohl weiter im Dunklen bleiben. Doch anscheinend wollte Mayer-Vorfelder mit Völler „Diskussionen über Konzepte“ führen. Das hat dann „Bauchmensch“ Völler als fehlende Rückendeckung interpretiert und daraufhin das Handtuch geworfen. Die deutschen Spieler waren von der Entscheidung überrascht: „Rudi hat alle aufs Glatteis geführt“, sagt zum Beispiel Jens Nowotny. Das war nicht Völlers Schuld, ist sich Trainerlegende Udo Lattek sicher: „Wenn Mayer-Vorfelder Völler darin bestärkt hätte, bis 2006 weiterzumachen, hätte Rudi es getan.“ BILD-Experte Paul Breitner sieht Völler als „Bauern-Opfer“. Rückendeckung in dieser Diskussion erhält Mayer-Vorfelder ausgerechnet von Liga-Boss Werner Hackmann „Ich halte diese Kritik für ungerechtfertigt.“

:: Keine Reserve

Nun ist allerdings zu befürchten, dass es zu einer Trainerposse wie vor vier Jahren kommen könnte. Hitzfeld scheint der alleinige Favorit auf dem Trainerposten zu sein. „Alle meine Freunde und ich gehen davon aus, dass es Ottmar Hitzfeld wird“, sagt selbst Spielerlegende Uwe Seeler dem Leipziger Radiosender mephisto97.6. Hitzfeld selbst stellt allerdings Bedingungen. Zum Beispiel müsste sein langjähriger Freund und Co-Trainer Michael Henke mit ihm eingestellt werden. Die Chancen auf eine Einigung liegen noch bei „ein wenig unter 50 Prozent“, schätzt Hitzfeld. Mittlerweile werden es aber ein paar Prozent mehr sein, denn Trainer-Frau Beatrix Hitzfeld hat grünes Licht gegeben.
Sollte Hitzfeld jetzt noch absagen, käme das einem Supergau für den DFB gleich. Nach der Absage von Otto Rehagel und dem nicht mehrheitsfähigen Christoph Daum, gäbe es kaum eine Alternative. Nebenkandidaten Lothar Matthäus oder Paul Breitner liegen im Dauerclinch mit der DFB-Führung, Felix Magath hat gerade seinen Vertrag beim FC Bayern unterschrieben. Dritte Wahl wäre also die logische Konsequenz und damit könnte zum Beispiel der gute alte Uli Stielike wieder ins Gespräch kommen.
Das Gleiche könnte auch in der DFB-Führung passieren. Der von allen favorisierte Nachfolger von Mayer-Vorfelder wäre Franz Beckenbauer. Doch der will definitiv nicht für das Amt kandidieren.

Beim DFB dreht sich derweil alles um diese beiden Männer: Ottmar Hitzfeld (links) und Gerhard Mayer-Vorfelder


Ob Mayer-Vorfelder selbst am 23.Oktober aufs neue zum DFB-Präsidenten gewählt wird, gilt derzeit als höchst fraglich. Auch, wenn der Ärger über MV bei Liga-Präsident Werner Hackmann mittlerweile verflogen scheint. Auf die Frage, ob der Stuhl des Präsidenten wackle, antwortete Hackmann: „Ich glaube das eher nicht. Er hat schon so viele Stürme im Wasserglas überstanden.“
Das EM-Wasserglas aber hat schon „Badewasserformat, und lädt nicht zum präsidialen Planschen ein“ (Roland Zorn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 30.06.2004).

:: Außerordentliche Sitzung des DFB am Montag

Vielleicht entscheidet sich die Zukunft Mayer-Vorfelders schon am kommenden Montag – dann trifft sich das DFB-Präsidium zu einer außerordentlichen Sitzung. Dort soll es auch um die Kritik an der Amtsführung von MV gehen.
Sowieso könnte der kommende Montag ein ganz wichtiger in der Geschichte des DFB werden. Denn auch Ottmar Hitzfeld will bis dahin eine Entscheidung gefällt haben. Es bleibt also auch nach der EM spannend...

 

Daniel Frick

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