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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  SPIELE HALBFINALE :: KOMMENTAR

Griechenland - Tschechien

Tragisches Tschechien – Rehhagel auf dem Weg zur Unsterblichkeit

Erstellt am 02. Juli, 13:00 Uhr

Es gibt Fußball-Spiele, die verdienen keinen Verlierer. Freilich, das EM-Halbfinale Griechenland gegen Tschechien wird keinen Preis für Ästhetik oder Eleganz gewinnen. Zu viel stand für beide Mannschaften auf dem Spiel. Otto Rehhagels Mannschaften waren selten für begeisternden Offensiv-Fußball moderner Prägung bekannt; die Erfolge mit Bremen, Kaiserslautern und auch mit Bayern sprechen jedoch eine deutliche Sprache. Auch Tschechien zelebrierte keinen zauberhaften Angriffsfußball, ein Halbfinale, zudem gegen eine solch defensive Mannschaft, lässt dies nicht zu. Wie dem auch sei, keinem der beiden Teams war und ist es zu gönnen, die bittere Heimreise antreten zu müssen, so kurz vor dem großen Traum!

:: Herausragende Turnierleistung der Tschechen

Die Tschechen, trainiert vom verschmitzten, (fast) immer ein Ass im Ärmel habenden Karel Brückner, fanden müüsam ins Turnier. Gewonnen wurde die Auftaktpartie gegen Lettland dennoch. Weltklasse war ihr Auftritt im Vergleich mit Holland, selbst ein 0:2 hielt diese tapfere Mannschaft nicht davon ab, drei Punkte zu entführen. Das Sahnehäubchen folgte mit dem Erfolg der Reserve-Mannschaft gegen Deutschland. Im Viertelfinale ließ man Dänemark keine Chance.
Dennoch: Nun ist es vorbei. Gewiss hätte Tschechien sein Bestes gegeben, auch diesen Rückstand in einen Sieg zu verwandeln; aber leider fiel der Treffer quasi mit dem Schlusspfiff der ersten Hälfte der Verlängerung, welcher durch das Silver Goal Dellas’ auch das Halbfinale beendete.

:: Nedveds tragischer Abgang

Tragisch, dass Kapitän und Spielgestalter Pavel Nedved nach 40 Minuten verletzt das Feld räumen musste. Im Nachhinein erhält die Szene nach seiner Auswechslung traurigen Symbol-Charakter: Nedved sitzt weinend, mit gesenktem Haupt auf der Bank. Ein Abgang, der dem Zuschauer bereits zum Zeitpunkt des Geschehens unendlich leid tat und nun noch viel mehr; hatte der sympathische Tscheche doch bislang eine hervorragende Endrunde gespielt.

:: Griechenland weit über dem Ziel

Doch was, wenn nicht Tschechien, sondern Griechenland den Platz als zweiter Sieger verlassen hätte? Sicher, man war offiziell mit wenig bis keinen Erwartungen nach Portugal gereist. Sogar ein Scheitern in der Vorrunde, engagiertes Auftreten vorausgesetzt, hätte in Athen für keine Missgunst der Fans für ihren "Rehakles" gesorgt. Das Überstehen der Vorrunde und der Triumph über die Franzosen ließen ganz Griechenland in einer Welle der Euphorie versinken; nun ist das Unfassbare geschehen. Den Hellenen ünkt es wahrscheinlich im Moment, die Götter seien vom Olymp zurückgekehrt und hätten ihnen als Geschenk einen teutonischen Fußball-Lehrer mitgebracht.
Wie bereits gesagt, Otto Rehhagel hat seine Mannschaft bereits sehr, sehr weit über das ursprüngliche Ziel hinausgeführt. Ein Scheitern im Halbfinale hätte rein gar nichts an seinem Status geändert.

:: Würdevoller Verlierer und unsterbliche Gewinner

Nun sind die Würfel gefallen. Tschechien wird seine Helden, die für ihre großartige Turnier-Leistung nicht belohnt wurden, würdevoll und mit allen Ehren in der Heimat empfangen. Schämen brauchen sie sich ihrer Tränen nicht.

Griechenland muss indes noch eine Weile warten, bis Rehhagel & Co. in Athen eintreffen. Und wer wei&zlig;, vielleicht wird sich ja im Reisegepäck ein edelmetallenes Souvenir befinden, welches den deutschen Trainer auf dem Peloponnes endgültig unsterblich machen wird.

Michael Urbach

 
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