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HALBFINALE :: KOMMENTAR |
Griechenland - Tschechien
Tragisches Tschechien – Rehhagel auf dem Weg zur Unsterblichkeit
Erstellt am 02. Juli, 13:00 Uhr
Es gibt Fußball-Spiele, die verdienen keinen Verlierer. Freilich, das
EM-Halbfinale Griechenland gegen Tschechien wird keinen Preis für
Ästhetik oder Eleganz gewinnen. Zu viel stand für beide Mannschaften auf
dem Spiel. Otto Rehhagels Mannschaften waren selten für begeisternden
Offensiv-Fußball moderner Prägung bekannt; die Erfolge mit Bremen,
Kaiserslautern und auch mit Bayern sprechen jedoch eine deutliche
Sprache. Auch Tschechien zelebrierte keinen zauberhaften
Angriffsfußball, ein Halbfinale, zudem gegen eine solch defensive
Mannschaft, lässt dies nicht zu. Wie dem auch sei, keinem der beiden
Teams war und ist es zu gönnen, die bittere Heimreise antreten zu
müssen, so kurz vor dem großen Traum!
:: Herausragende Turnierleistung der Tschechen
Die Tschechen, trainiert vom verschmitzten, (fast) immer ein Ass im
Ärmel habenden Karel Brückner, fanden müüsam ins Turnier. Gewonnen wurde
die Auftaktpartie gegen Lettland dennoch. Weltklasse war ihr Auftritt im
Vergleich mit Holland, selbst ein 0:2 hielt diese tapfere Mannschaft
nicht davon ab, drei Punkte zu entführen. Das Sahnehäubchen folgte mit
dem Erfolg der Reserve-Mannschaft gegen Deutschland. Im Viertelfinale
ließ man Dänemark keine Chance.
Dennoch: Nun ist es vorbei. Gewiss hätte Tschechien sein Bestes gegeben,
auch diesen Rückstand in einen Sieg zu verwandeln; aber leider fiel der
Treffer quasi mit dem Schlusspfiff der ersten Hälfte der Verlängerung,
welcher durch das Silver Goal Dellas’ auch das Halbfinale beendete.
:: Nedveds tragischer Abgang
Tragisch, dass Kapitän und Spielgestalter Pavel Nedved nach 40 Minuten
verletzt das Feld räumen musste. Im Nachhinein erhält die Szene nach
seiner Auswechslung traurigen Symbol-Charakter: Nedved sitzt weinend,
mit gesenktem Haupt auf der Bank. Ein Abgang, der dem Zuschauer bereits
zum Zeitpunkt des Geschehens unendlich leid tat und nun noch viel mehr;
hatte der sympathische Tscheche doch bislang eine hervorragende Endrunde
gespielt.
:: Griechenland weit über dem Ziel
Doch was, wenn nicht Tschechien, sondern Griechenland den Platz als
zweiter Sieger verlassen hätte? Sicher, man war offiziell mit wenig bis
keinen Erwartungen nach Portugal gereist. Sogar ein Scheitern in der
Vorrunde, engagiertes Auftreten vorausgesetzt, hätte in Athen für keine
Missgunst der Fans für ihren "Rehakles" gesorgt. Das Überstehen der
Vorrunde und der Triumph über die Franzosen ließen ganz Griechenland in
einer Welle der Euphorie versinken; nun ist das Unfassbare geschehen.
Den Hellenen ünkt es wahrscheinlich im Moment, die Götter seien vom
Olymp zurückgekehrt und hätten ihnen als Geschenk einen teutonischen
Fußball-Lehrer mitgebracht.
Wie bereits gesagt, Otto Rehhagel hat seine Mannschaft bereits sehr,
sehr weit über das ursprüngliche Ziel hinausgeführt. Ein Scheitern im
Halbfinale hätte rein gar nichts an seinem Status geändert.
:: Würdevoller Verlierer und unsterbliche Gewinner
Nun sind die Würfel gefallen. Tschechien wird seine Helden, die für ihre
großartige Turnier-Leistung nicht belohnt wurden, würdevoll und mit
allen Ehren in der Heimat empfangen. Schämen brauchen sie sich ihrer
Tränen nicht.
Griechenland muss indes noch eine Weile warten, bis Rehhagel & Co. in
Athen eintreffen. Und wer wei&zlig;, vielleicht wird sich ja im Reisegepäck
ein edelmetallenes Souvenir befinden, welches den deutschen Trainer auf
dem Peloponnes endgültig unsterblich machen wird.
Michael Urbach
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