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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  SPIELE FINALE :: VORSCHAU

Portugal - Griechenland

Mauert sich Hellas zum Titel?

Erstellt am 03. Juli, 23:55 Uhr

Ein Ergebnis des Finales dieser Europameisterschaft steht schon jetzt fest: Es wird mit großer Sicherheit kein fußballerischer Leckerbissen werden. Denn dass Griechenland plötzlich von der bisher so erfolgreichen Zerstörungstaktik abrückt und sich mit spielerischen Mitteln gegen Gastgeber Portugal versucht, ist mehr als unwahrscheinlich. Egal mit welcher Taktik sie spielen, gegen das Team von Luis Felipe Scolari wird es schwierig für die Hellenen, denn die Portugiesen wollen Revanche für die Niederlage im Eröffnungsspiel.

Augen zu und durch: Trajanos Dellas schoss Griechenland ins Finale.

Die Griechen werden personell relativ unverändert ins Finale gehen. Verzichten muss Otto Rehhagel lediglich auf Mittelfeldspieler Georgios Karagounis, der im Halbfinale die zweite gelbe Karte gesehen hatte und für das Finale gesperrt ist. Ansonsten kann "König Otto" aus dem Vollen schöpfen, ein Zeichen für die Disziplin, die Rehhagel seinen Spielern eingeimpft hat. Denn eine defensive Spielweise wie die der Griechen bringt normalerweise mehr Fouls und damit auch Verwarnungen mit sich.

Doch bei aller Disziplin ist, wie schon im Viertel- und im Halbfinale, die große Frage, wie die Griechen diesmal ein Tor schießen wollen. Stürmer Angelos Charisteas ist zwar in guter Form, die Griechen sind zudem bei Standardsituationen gefährlich, aber ein funktionierendes und starkes Offensivsystem haben sie nicht. Die alte Fußballweisheit "Hinten dicht und vorne hilft der liebe Gott" hat bisher immer funktioniert, ob diese Spielweise aber auch im Finale zum Erfolg führen kann, darf bezweifelt werden.

:: Neue Abwehr funktioniert bestens

Sorgenfalten bei "König Otto": Wie kann man die scheinbar übermächtigen Portugiesen schlagen?

Denn auch die Portugiesen haben mittlerweile ebenfalls einen sicheren, eingespielten Defensivblock. Die Viererkette mit Miguel, Ricardo Carvalho, Jorge Andrade und Nuno Valente hat im Verlauf des Turniers immer besser zu einander gefunden. Nach der Auftaktpleite gegen Griechenland in der Vorrunde wurde Abwehrchef und Alt-Star Fernando Couto endgültig aus der Anfangsformation genommen. Die Maßnahme fruchtete, Portugal ließ in der Vorrunde kein Gegentor mehr zu und auch die hochgelobten holländischen Stürmer konnten selbst kein Tor erzielen.

Verstärkt wird die Abwehr durch Torwart Ricardo, der eigentlich nur als Lückenbüßer für Vitor Baia in die Startelf der "Seleccao" gerückt war. Er war im bisherigen Turnier ein sicherer Rückhalt für sein Team. Spätestens nachdem er mit seinem gehaltenen Elfmeter und dem folgenden entscheidenden Treffer im Viertelfinale gegen England für das Weiterkommen seines Teams gesorgt hat, dürfte der 28-jährige von Sporting Lissabon vor Selbstvertrauen strotzen.

:: Figo will sein Team zum Titel führen

Luis Figo will seine große Karriere mit dem EM-Titel im eigenen Land krönen.

Als letztes Überbleibsel von Portugals "Goldener Generation" will Luis Figo seine große Karriere mit dem EM-Titel krönen. Nachdem er bei dieser Endrunde in drei von vier Spielen ausgewechselt worden war, zeigte er im Halbfinale, dass er immer noch zu den Großen des Weltfußballs gehört. Mit seiner engagierten Leistung meldete er sich als der unumstrittene Leader seiner Mannschaft zurück. Unterstützt wird er im Mittelfeld von Jungstar Cristiano Ronaldo, der als Flankengeber und auch als Torschütze in Erscheinung trat sowie von Rui Costa. Der Alt-Star war bisher als Joker erfolgreich und wird wohl auch diesmal von der Bank kommen. Es wird sein letztes Spiel für Portugal sein, nach dem EM tritt er zurück.

Trotz der starken Abwehr und des Mittelfelds haben auch die Portugiesen ihre Schwächen. Stürmer Pedro Pauleta traf bei dieser EM bisher kein Scheunentor. Pauleta, der für Paris St. Germain fast in jedem Spiel trifft, vergab allein im Halbfinale Großchancen, die für drei Spiele gereicht hätten. Nuno Gomes hat in der Vorrunde gegen Spanien Portugals bisher einziges Stürmertor erzielt, trat danach aber nicht mehr in Erscheinung. Diese Schwäche im Sturm könnte gegen die Griechen verhängnisvoll sein. Denn viele Torgelegenheiten bekommt man gegen die hellenische Mauertruppe nicht.

:: Griechen in gewohnter Rolle

Dennoch sind die Portugiesen haushoher Favorit in diesem Finale. Die Euphorie der Fans ist grenzenlos und wird das Team im Endspiel noch zusätzlich anspornen. Allerdings ist die griechische Mannschaft die Rolle des Underdogs schon seit dem ersten Spiel dieser Endrunde gewohnt. Erwarten kann man auf jeden Fall eine spannende und dramatische Partie.

Adrian Bauer

 
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