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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
 SPIELE FINALE :: BERICHT

Portugal - Griechenland

Charisteas schießt Hellas zum EM-Triumph

Erstellt am 04. Juli, 00:25 Uhr

Die Sensation ist perfekt: Mit einem 1:0-Sieg über Portugal holt sich Griechenland seinen ersten großen Titel im Fußball. Die Mannschaft von Otto Rehhagel war im Finale mit der gleichen Defensivtaktik erfolgreich, die sie schon während des gesamten Turniers gezeigt hatten. Für den entscheidenden Treffer sorgte der Bremer Angelos Charisteas.

Die Griechen schafften damit einen Erfolg, mit dem vorher niemand rechnen konnte. Sie waren nach Meinung aller Experten nur als Punktelieferant angereist, spielten sich aber mit kompromisslosem Defensivfußball bis ins Finale vor. Der Gastgeber aus Portugal fand, wie vorher schon Frankreich und Tschechien, kein Mittel gegen die kompakt stehende Abwehr um Innenverteidiger Traianos Dellas.

Otto Rehhagel krönte mit diesem Erfolg seine 32-jährige Trainerlaufbahn. Er ist der erste ausländische Trainer der ein Team zum EM-Titel führen konnte. „Rehakles“ formte aus einer disziplinlosen Elf eine Einheit, die mit Leidenschaft und viel Kampfgeist ihre spielerischen Defizite ausgeglichen hat. Die griechische Mannschaft holte sich den Titel absolut verdient, denn sie haben mit Frankreich, Tschechien und jetzt mit den Portugiesen die drei besten Teams des Turniers und echte Größen des Weltfußballs geschlagen.

Der Jubel der Hellenen über den Sensationssieg war riesig.


:: Nervöser Beginn

Beide Formationen begannen das Endspiel sehr nervös und leisteten sich zahlreiche Abspielfehler. Die erste Chance erspielten sich die Gastgeber nach zwölf Minuten. Miguel hatte auf der halbrechten Seite ein wenig Platz und zog aus etwa 20 Metern ab. Griechenlands Torwart Nikopolidis konnte sich erstmals auszeichnen und bugsierte den Ball ins Tor-Aus. Nach einer Viertelstunde wurden dann auch die Griechen zum ersten Mal richtig gefährlich. Nach einer schönen Ballstafette rettete Portugals Keeper Ricardo mit einer Fußabwehr vor dem einschussbereiten Charisteas.

Nach diesen beiden guten Gelegenheiten tat sich eine Viertelstunde lang nichts mehr vor den Toren. Beide Mannschaften agierten wieder zerfahren und ohne Tordrang. Das galt speziell für die Griechen, die ihre Offensive überhaupt nicht zum Laufen brachten. Die Portugiesen erarbeiteten sich zwar ein klares Übergewicht in Sachen Ballbesitz, konnten aus dieser Überlegenheit aber kein Kapital schlagen.

Otto Rehhagel (mit Torwart Nikopolidis) krönte seine große Trainerkarriere mit dem Europameistertitel.

:: Charisteas köpfte das Siegtor

Zwölf Minuten nach der Halbzeit erzielten die Griechen dann völlig aus heiterem Himmel den Führungstreffer. Wieder einmal schlug Angelos Charisteas vom SV Werder Bremen zu und nutzte Griechenlands erste Ecke zum Tor. Basinas hatte den Ball hereingegeben, Portugals Torhüter Ricardo kam nicht rechtzeitig aus seinem Kasten, Charisteas stieg am Höchsten und köpfte das Leder in die Maschen.

Wieder einmal hatten die Griechen die Spielverhältnisse auf den Kopf gestellt. Die Portugiesen waren auch am Anfang der zweiten Hälfte feldüberlegen gewesen, agierten aber insgesamt zu ideenlos, um die Defensive von Otto Rehhagels Team ernsthaft in Gefahr zu bringen. Die Einwechslung von Rui Costa nach einer Stunde Spielzeit brachte zumindest einige Impulse für das Angriffsspiel.

In der 75. Minute vergab Cristiano Ronaldo die bis dahin beste Chance für sein Team. Nach einem langen Pass aus der eigenen Hälfte stand der Jungstar plötzlich alleine vor Griechenlands Torwart Nikopolidis. Er hatte aber Probleme, den Ball anzunehmen, der Keeper verkürzte klug den Winkel und Ronaldos Schuss ging über das Tor. In der 89. Minute setzte sich Luis Figo am Rand des Strafraumes gegen drei Griechen durch, der Ball wurde aber abgefälscht und ging knapp am Tor vorbei. Es war die letzte Chance für die Portugiesen.

:: Portugals Stürmer zu harmlos

Der Bremer Angelos Charisteas erzielte das entscheidende Tor für die griechische Mannschaft.

Insgesamt war Portugals Team im Sturm einfach zu harmlos. Pedro Pauleta wurde während der kompletten Spielzeit von den griechischen Abwehrspielern abgemeldet. Auch sein Nachfolger Nuno Gomes konnte keine Akzente setzen. Wenn sich einmal die Chance zum Konter geboten hätte, wurden die Spielzüge so langsam aufgezogen, dass sich die Hellenen wieder formieren konnten. Portugal hatte während des Spiels 22 Torschüsse und nutzte keinen. Die Griechen machten aus vier Torschüssen ein Tor, diese Effektivität brachte ihnen den Sieg.

Die „Goldene Generation“ Portugals hat mit dieser Niederlage ihre letzte Gelegenheit auf einen Titel vertan. Rui Costa hat bereits seinen Rücktritt angekündigt, Fernando Couto wird ihm wohl folgen. Der Einzige, der von seiner Leistung her, noch weitermachen könnte ist Luis Figo. Allerdings wird die portugiesische Mannschaft jetzt nicht in ein Loch fallen. Mit jungen Spielern wie Cristiano Ronaldo, Miguel und Ricardo Carvalho sieht die Zukunft recht gut aus.

:: Spielstatistik:

Portugal (Trainer: Luis Felipe Scolari): Ricardo – Jorge Andrade, Miguel (Paulo Ferreira, 43.), Ricardo Carvalho, Nuno Valente - Maniche, Costina (Rui Costa, 60.), Luis Figo, Deco, Cristiano Ronaldo – Pauleta (Nuno Gomes, 74.)

Griechenland (Trainer: Otto Rehhagel): Nikopolidis – Dellas, Fyssas, Kapsis, Seitaridis - Basinas, Zagorakis, Giannakopulos (Venetidis, 76.), Katsuranis – Charisteas, Vryzas (Papadopoulos, 81.)

Tor: 0:1 Charisteas (57.)

Gelbe Karten: Costinha (12.), Nuno Valente (90.+4) – Basinas (45.), Seitaridis (63.), Fyssas (67.), Papadopoulos (85.)

Schiedsrichter: Dr. Markus Merk (Deutschland)


Adrian Bauer

 
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