Portugal - Griechenland
Charisteas schießt Hellas zum EM-Triumph
Erstellt am 04. Juli, 00:25 Uhr
Die Sensation ist perfekt: Mit einem 1:0-Sieg über
Portugal holt sich Griechenland seinen ersten großen
Titel im Fußball. Die Mannschaft von Otto Rehhagel war
im Finale mit der gleichen Defensivtaktik erfolgreich, die
sie schon während des gesamten Turniers gezeigt hatten.
Für den entscheidenden Treffer sorgte der Bremer Angelos
Charisteas.
Die Griechen schafften damit einen Erfolg, mit dem vorher
niemand rechnen konnte. Sie waren nach Meinung aller Experten
nur als Punktelieferant angereist, spielten sich aber mit
kompromisslosem Defensivfußball bis ins Finale vor.
Der Gastgeber aus Portugal fand, wie vorher schon Frankreich
und Tschechien, kein Mittel gegen die kompakt stehende Abwehr
um Innenverteidiger Traianos Dellas.
Otto Rehhagel krönte mit diesem Erfolg seine 32-jährige
Trainerlaufbahn. Er ist der erste ausländische Trainer
der ein Team zum EM-Titel führen konnte. „Rehakles“
formte aus einer disziplinlosen Elf eine Einheit, die mit
Leidenschaft und viel Kampfgeist ihre spielerischen Defizite
ausgeglichen hat. Die griechische Mannschaft holte sich den
Titel absolut verdient, denn sie haben mit Frankreich, Tschechien
und jetzt mit den Portugiesen die drei besten Teams des Turniers
und echte Größen des Weltfußballs geschlagen.
 |
| Der Jubel der Hellenen über
den Sensationssieg war riesig. |
:: Nervöser Beginn
Beide Formationen begannen das Endspiel sehr nervös
und leisteten sich zahlreiche Abspielfehler. Die erste Chance
erspielten sich die Gastgeber nach zwölf Minuten. Miguel
hatte auf der halbrechten Seite ein wenig Platz und zog aus
etwa 20 Metern ab. Griechenlands Torwart Nikopolidis konnte
sich erstmals auszeichnen und bugsierte den Ball ins Tor-Aus.
Nach einer Viertelstunde wurden dann auch die Griechen zum
ersten Mal richtig gefährlich. Nach einer schönen
Ballstafette rettete Portugals Keeper Ricardo mit einer Fußabwehr
vor dem einschussbereiten Charisteas.
Nach diesen beiden guten Gelegenheiten tat sich eine Viertelstunde
lang nichts mehr vor den Toren. Beide Mannschaften agierten
wieder zerfahren und ohne Tordrang. Das galt speziell für
die Griechen, die ihre Offensive überhaupt nicht zum
Laufen brachten. Die Portugiesen erarbeiteten sich zwar ein
klares Übergewicht in Sachen Ballbesitz, konnten aus
dieser Überlegenheit aber kein Kapital schlagen.
 |
| Otto Rehhagel (mit Torwart Nikopolidis)
krönte seine große Trainerkarriere mit dem
Europameistertitel.
|
:: Charisteas köpfte das
Siegtor
Zwölf Minuten nach der Halbzeit erzielten die Griechen
dann völlig aus heiterem Himmel den Führungstreffer.
Wieder einmal schlug Angelos Charisteas vom SV Werder Bremen
zu und nutzte Griechenlands erste Ecke zum Tor. Basinas hatte
den Ball hereingegeben, Portugals Torhüter Ricardo kam
nicht rechtzeitig aus seinem Kasten, Charisteas stieg am Höchsten
und köpfte das Leder in die Maschen.
Wieder einmal hatten die Griechen die Spielverhältnisse
auf den Kopf gestellt. Die Portugiesen waren auch am Anfang
der zweiten Hälfte feldüberlegen gewesen, agierten
aber insgesamt zu ideenlos, um die Defensive von Otto Rehhagels
Team ernsthaft in Gefahr zu bringen. Die Einwechslung von
Rui Costa nach einer Stunde Spielzeit brachte zumindest einige
Impulse für das Angriffsspiel.
In der 75. Minute vergab Cristiano Ronaldo die bis dahin
beste Chance für sein Team. Nach einem langen Pass aus
der eigenen Hälfte stand der Jungstar plötzlich
alleine vor Griechenlands Torwart Nikopolidis. Er hatte aber
Probleme, den Ball anzunehmen, der Keeper verkürzte klug
den Winkel und Ronaldos Schuss ging über das Tor. In
der 89. Minute setzte sich Luis Figo am Rand des Strafraumes
gegen drei Griechen durch, der Ball wurde aber abgefälscht
und ging knapp am Tor vorbei. Es war die letzte Chance für
die Portugiesen.
:: Portugals Stürmer
zu harmlos
 |
| Der Bremer Angelos Charisteas erzielte
das entscheidende Tor für die griechische Mannschaft.
|
Insgesamt war Portugals Team im Sturm einfach zu harmlos.
Pedro Pauleta wurde während der kompletten Spielzeit
von den griechischen Abwehrspielern abgemeldet. Auch sein
Nachfolger Nuno Gomes konnte keine Akzente setzen. Wenn sich
einmal die Chance zum Konter geboten hätte, wurden die
Spielzüge so langsam aufgezogen, dass sich die Hellenen
wieder formieren konnten. Portugal hatte während des
Spiels 22 Torschüsse und nutzte keinen. Die Griechen
machten aus vier Torschüssen ein Tor, diese Effektivität
brachte ihnen den Sieg.
Die „Goldene Generation“ Portugals hat mit dieser
Niederlage ihre letzte Gelegenheit auf einen Titel vertan.
Rui Costa hat bereits seinen Rücktritt angekündigt,
Fernando Couto wird ihm wohl folgen. Der Einzige, der von
seiner Leistung her, noch weitermachen könnte ist Luis
Figo. Allerdings wird die portugiesische Mannschaft jetzt
nicht in ein Loch fallen. Mit jungen Spielern wie Cristiano
Ronaldo, Miguel und Ricardo Carvalho sieht die Zukunft recht
gut aus.
:: Spielstatistik:
Portugal (Trainer: Luis Felipe Scolari): Ricardo
– Jorge Andrade, Miguel (Paulo Ferreira, 43.), Ricardo
Carvalho, Nuno Valente - Maniche, Costina (Rui Costa, 60.),
Luis Figo, Deco, Cristiano Ronaldo – Pauleta (Nuno Gomes,
74.)
Griechenland (Trainer: Otto Rehhagel): Nikopolidis
– Dellas, Fyssas, Kapsis, Seitaridis - Basinas, Zagorakis,
Giannakopulos (Venetidis, 76.), Katsuranis – Charisteas,
Vryzas (Papadopoulos, 81.)
Tor: 0:1 Charisteas (57.)
Gelbe Karten: Costinha (12.), Nuno Valente (90.+4)
– Basinas (45.), Seitaridis (63.), Fyssas (67.), Papadopoulos
(85.)
Schiedsrichter: Dr. Markus Merk (Deutschland)
Adrian Bauer
::
Nach oben
Startseite
| Magazin
| EM
in L.E. | EMma
| Spiele
| Teams
Spielstätten |
EM-Historie
| Kontakt
| Gewinnspiel
| Impressum
|