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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
FINALE :: KOMMENTAR

Portugal - Griechenland

Mehr als nur Defensive

Erstellt am 05. Juli, 13:00 Uhr

Griechenland ein destruktiver Europameister? Allen Unkenrufen zum Trotz sage ich eindeutig „Nein“! Es ist zwar richtig: Alte Weisheiten haben sich schon bewahrheitet „Offense wins games, defense wins championships“ oder „Modern ist, wer gewinnt“. Den Titel jedoch auf Griechenlands Defensivkünste zu beschränken, ist viel zu wenig.

Natürlich haben die Griechen dem spielerischen Trend der EURO 2004 weitestgehend nicht entsprochen. Was Zuschauern missfallen mag. Von den drei Attributen „offensiv, schnell und zweikampforientiert“ trafen nur die beiden letztgenannten hin und wieder zu. Nämlich immer dann, wenn `s drauf ankam: bei Kontern und beim Verteidigen. Was braucht man eigentlich mehr?

Nicht erst gestern haben die Griechen die besseren Chancen gehabt. Gegen Frankreich waren sie über weite Strecken gleichwertig, hatten in der ersten Halbzeit klarere Möglichkeiten. Gegen Tschechien boten sich ihre Großchancen zwar erst in der Verlängerung, dafür waren sie jedoch auch hier größer als die der Tschechen zuvor. Gegen Portugal hätten sie von den Chancen her mehr als nur ein Tor erzielen müssen. Auch nach der Führung noch. Aber wer möchte da gute Abwehrarbeit bitte kritisieren? Das, was Hellas geboten hat, war nicht Maurer- oder Defensivkunst, sondern kontrollierte Offensive.

:: Einheit statt Zauber

Gezaubert haben sie nicht, das können sie auch gar nicht. Wer will so etwas von einem krassen Außenseiter wie Griechenland auch erwarten? Als einzige Mannschaft präsentierten sich die Hellenen jedoch das gesamte Turnier über, vom ersten Spiel gegen Portugal bis zum Finale gegen Portugal, als Kollektiv. Keine Eifersüchteleien, keine Machtkämpfe. Kein Team war mannschaftlich so geschlossen wie die die Griechen. Der Star ist die Mannschaft! Das hat Otto Rehhagel seiner Truppe erfolgreich eingehaucht.

Die besseren Einzelspieler kommen natürlich aus Portugal, Spanien, Holland, Italien, Frankreich etc. pp. Aber auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Wunder von Bern hat sich Sepp Herbergers Weisheit “Elf Freunde müsst Ihr sein“ wieder bewahrheitet.

:: Gutes Signal

Und das ist ein gutes Signal. Natürlich lebt Fußball von Attraktivität und Offensive. Aber auch von Überraschungen: Und die gibt es, wenn die kleinen die großen schlagen. Und das geht nur mit Teamgeist. Wie bei Griechenland: Wenn sich eine Sammlung von Vereins-Reservisten endlich beweisen darf. Und das haben Charisteas, Dellas, Nikopolidis und Co. getan!

:: Otto: Mach Schluss!

Bleibt noch die notwendige Verneigung vor Otto Rehhagel. Man kann ihn mögen oder nicht. Seine einzigartigen Erfolge stehen für sich: Werder Bremen aus der zweiten Liga langfristig in die europäische Spitze, Kaiserslautern direkt aus Liga zwei zum Meistertitel und jetzt Nobody Griechenland aus dem Nirvana zum Europameister-Titel! Was will man mehr?

Das dürfte kaum zu toppen sein. Der einzige vernünftige Vorschlag, abseits der deutschen Trainersuche, wäre daher: Otto, mach Schluss. Beende Deine Trainerkarriere. Jetzt, wo es am schönsten ist!

Christoph Dziedo

 

 

 

 
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