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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
 SPIELE :: TOP-SPIELER

Traum-Elf

Tschechen dominieren trotz Halbfinal-Aus

Erstellt am 12. Juli, 18:20 Uhr

Viele Stars waren angetreten, um sich in Portugal unsterblich zu machen. Letztendlich triumphierten, bis auf wenige Ausnahmen, jedoch Spieler, mit denen niemand gerechnet hatte.

:: Tor

Petr Cech (CZE)
Trotz der Tatsache, dass der kommende Schlussmann des FC Chelsea mit 22 Jahren der jüngste Torhüter des Turniers war, erspielte sich der Tscheche seine Position in der Top-Mannschaft. Mit tollen Paraden ließ er insbesondere die Holländer verzweifeln, deren Angriffs-Versuche ein ums andere Mal an seiner Reaktions-Schnelligkeit scheiterten.

:: Abwehr

Christian Wörns (GER)
Die alte teutonische Tradition des "Terriertums", basierend auf Wadenbeißern wie Berti Vogts oder Jürgen Kohler, führte in diesem Jahr der Dortmunder Christian Wörns fort. Zwar blieb seiner Mannschaft der Erfolg verwehrt, dennoch verdiente er sich mit seinen drei grundsoliden Partien die Nominierung für die EM-OLÉ-Elf.

Traianos Dellas (GRE)
Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel. Klingt wie eine Floskel, ist auch. Allerdings eine mit einem wahren Kern: Herausragender Mannschaftsteil des neuen Europameisters Griechenland war nämlich die Defensive, personifiziert durch Traianos Dellas, den "Koloss von Rhodos" (Otto Rehhagel). Auf seiner vermeintlich antiken Position des Ausputzers war er ein Garant für den Final-Einzug der Hellenen. Seine Leistung krönte der Wahl-Römer mit einem "Silver-Goal" per Kopf gegen Tschechien.

Ricardo Carvalho (POR)
Die Ablösung der "Goldenen Generation" der Portugiesen um Couto, Figo, Costa & Co. ist nicht zuletzt mit dem Namen Ricardo Carvalhos verbunden. Nach der EM-Auftakt-Pleite gegen Griechenland setzte Coach Scolari auf Carvalho; Fernando Couto durfte fortan zuschauen. Der Spieler des FC Porto rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers und etablierte sich als feste Größe im portugiesischen Team. Seine Leistungen blieben nicht unbeachtet, der FC Chelsea und Real Madrid buhlen um die Dienste des Abwehr-Mannes.

:: Mittelfeld

Karel Poborsky (CZE)
32 Jahre hat der Mittelfeld-Spieler von Sparta Prag bereits auf dem Buckel. Aufgespielt hat er indes besser als viele seiner jüngeren Kollegen. Unermüdlich präsentierte sich der Routinier und bereitete vier Tore seiner Mannschaft vor. Vor dem Turnier äußerte er noch Rücktrittsgedanken, nach dem Halbfinal-Aus gegen Griechenland und einer insgesamt grandiosen Endrunde beschloss Poborsky jedoch, seine Karriere im Trikot der Nationalelf bis 2006 fortzusetzen.

Pavel Nedved (CZE)
Der ganz große Triumph scheint dem schussstarken Mittelfeld-Akteur von Juventus Turin verwehrt zu bleiben. Bereits im Championsleague-Halbfinale 2003 holte sich der tschechische Kapitän die entscheidende Gelbe Karte ab, welche seine Träume vom Endspiel zerplatzen ließ. Im aktuellen Turnier bereitete die Knieverletzung im EM-Halbfinale gegen Griechenland allen Illusionen ein Ende. Schade, zumal der sympathische Tscheche insbesondere gegen Holland mit grandiosem Offensiv-Fussball glänzte.

Sieht aus wie ein Mönch und spielt Fussball wie ein Gott: Zinedine Zidane.

Zinedine Zidane (FRA)
Keine Top-Elf ohne den Franzosen mit dem mönchsartigen Haupthaar. Das Spiel gegen England drehte er in nur zwei Minuten im Alleingang, als er zunächst einen direkten Freistoß verwandelte und wenig später David James mit seinem Elfmeter keine Chance ließ. In einer insgesamt schwachen französischen Elf präsentieret sich "Zizou" wieder einmal als Aktivposten.

Maniche (POR)
Mit Bravour füllte Maniche die neue „Königs-Position“ im Fussball im defensiven Mittelfeld der Gastgeber-Mannschaft aus. Der Spieler der FC Porto bestach in erster Linie durch seine ungemeine Zweikampfstärke, doch auch in der Offensive verstand er es vortrefflich, Glanzpunkte zu setzen. Mit seinem 20-Meter-Tor im Halbfinale gegen Holland gelang ihm zudem der schönste Treffer des Turniers.

:: Angriff

Mit 22 Jahren abgezockt wie ein Alter: Milan Baros.

Milan Baros (CZE)
Mit seinen fünf Treffern wurde der junge Tscheche vom FC Liverpool zum Überflieger und Torschützenkönig der EURO. Unglaublich abgebrüht verwertete der 22-jährige seine Torchancen. Das Viertelfinale gegen Dänemark entschied Baros mit seinem Doppelpack in nur zwei Minuten, den deutschen Ambitionen auf das Viertelfinale versetzte er mit seinem Treffer als Einwechselspieler den Todesstoß.

Ruud van Nistelrooy (NED)
Gleich im ersten Spiel seines ersten großen Turniers zeigte "Van the Man", wieso ihm der Ruf vorauseilt, aus keiner Chance ein Tor zu machen. Leidtragender dabei war die deutsche Nationalmannschaft, welcher der Holländer per Treffer aus unmöglichem Winkel den sicher geglaubten Sieg entriss. Auch im weiteren Verlauf der kontinentalen Meisterschaft stellte van Nistelrooy seine Treffsicherheit unter Beweis.

Angelos Charisteas (GRE)
Nach dem Double mit Werder Bremen scherzte der Hellene noch: "Wenn ich jetzt in Portugal auch das Finale erreiche, müsste ich eigentlich meine Karriere beenden." Das Husarenstück gelang, Charisteas war sogar maßgeblich an der Sensation beteiligt: Mit seinem dritten Turniertreffer im Endspiel machte er sich unsterblich.

:: Trainer

Otto Rehhagel (GRE)
Wer einen der Top-Außenseiter der Europameisterschaft ins Endspiel und gar zum Titel führt, kann an der Auszeichnung zum besten Trainer des Turniers gar nicht vorbeikommen. Antiker Mauer-Fussball wurde dem deutschen Trainer-Methusalem mitunter unterstellt, sein Erfolg lässt alle Kritiker verstummen.

:: Co-Trainer

Karel Brückner (CZE)
Wettbewerbsverzerrung war man Brückner vor, als er im Gruppenspiel gegen Deutschland sämtliche Stars schonte und seiner Ersatz-Elf Auslauf gewährte. Der Plan ging auf: Die zweite Reihe schickte den EM-Primus von 1996 mit 2:1 in den vorzeitigen Urlaub. Die tschechische Elf, einst eine bloße Ansammlung großer Solisten, formte der Trainer-Fuchs zu einer verschworenen Einheit, deren Individualisten sich trotz aller Disziplin immer noch genügend Freiraum für Geniestreiche bietet.

Michael Urbach

 
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