Traum-Elf
Tschechen dominieren trotz Halbfinal-Aus
Erstellt am 12. Juli, 18:20 Uhr
Viele Stars waren angetreten, um sich in Portugal
unsterblich zu machen. Letztendlich triumphierten, bis auf
wenige Ausnahmen, jedoch Spieler, mit denen niemand gerechnet
hatte.
:: Tor
Petr Cech (CZE)
Trotz der Tatsache, dass der kommende Schlussmann des
FC Chelsea mit 22 Jahren der jüngste Torhüter des
Turniers war, erspielte sich der Tscheche seine Position in
der Top-Mannschaft. Mit tollen Paraden ließ er insbesondere
die Holländer verzweifeln, deren Angriffs-Versuche ein
ums andere Mal an seiner Reaktions-Schnelligkeit scheiterten.
:: Abwehr
Christian Wörns (GER)
Die alte teutonische Tradition des "Terriertums",
basierend auf Wadenbeißern wie Berti Vogts oder Jürgen
Kohler, führte in diesem Jahr der Dortmunder Christian
Wörns fort. Zwar blieb seiner Mannschaft der Erfolg verwehrt,
dennoch verdiente er sich mit seinen drei grundsoliden Partien
die Nominierung für die EM-OLÉ-Elf.
Traianos Dellas (GRE)
Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel. Klingt
wie eine Floskel, ist auch. Allerdings eine mit einem wahren
Kern: Herausragender Mannschaftsteil des neuen Europameisters
Griechenland war nämlich die Defensive, personifiziert
durch Traianos Dellas, den "Koloss von Rhodos" (Otto
Rehhagel). Auf seiner vermeintlich antiken Position des Ausputzers
war er ein Garant für den Final-Einzug der Hellenen.
Seine Leistung krönte der Wahl-Römer mit einem "Silver-Goal"
per Kopf gegen Tschechien.
Ricardo Carvalho (POR)
Die Ablösung der "Goldenen Generation" der
Portugiesen um Couto, Figo, Costa & Co. ist nicht zuletzt
mit dem Namen Ricardo Carvalhos verbunden. Nach der EM-Auftakt-Pleite
gegen Griechenland setzte Coach Scolari auf Carvalho; Fernando
Couto durfte fortan zuschauen. Der Spieler des FC Porto rechtfertigte
das Vertrauen seines Trainers und etablierte sich als feste
Größe im portugiesischen Team. Seine Leistungen
blieben nicht unbeachtet, der FC Chelsea und Real Madrid buhlen
um die Dienste des Abwehr-Mannes.
:: Mittelfeld
Karel Poborsky (CZE)
32 Jahre hat der Mittelfeld-Spieler von Sparta Prag bereits
auf dem Buckel. Aufgespielt hat er indes besser als viele
seiner jüngeren Kollegen. Unermüdlich präsentierte
sich der Routinier und bereitete vier Tore seiner Mannschaft
vor. Vor dem Turnier äußerte er noch Rücktrittsgedanken,
nach dem Halbfinal-Aus gegen Griechenland und einer insgesamt
grandiosen Endrunde beschloss Poborsky jedoch, seine Karriere
im Trikot der Nationalelf bis 2006 fortzusetzen.
Pavel Nedved (CZE)
Der ganz große Triumph scheint dem schussstarken Mittelfeld-Akteur
von Juventus Turin verwehrt zu bleiben. Bereits im Championsleague-Halbfinale
2003 holte sich der tschechische Kapitän die entscheidende
Gelbe Karte ab, welche seine Träume vom Endspiel zerplatzen
ließ. Im aktuellen Turnier bereitete die Knieverletzung
im EM-Halbfinale gegen Griechenland allen Illusionen ein Ende.
Schade, zumal der sympathische Tscheche insbesondere gegen
Holland mit grandiosem Offensiv-Fussball glänzte.
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Sieht aus wie ein Mönch und spielt
Fussball wie ein Gott: Zinedine Zidane.
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Zinedine Zidane (FRA)
Keine Top-Elf ohne den Franzosen mit dem mönchsartigen
Haupthaar. Das Spiel gegen England drehte er in nur zwei
Minuten im Alleingang, als er zunächst einen direkten
Freistoß verwandelte und wenig später David James
mit seinem Elfmeter keine Chance ließ. In einer insgesamt
schwachen französischen Elf präsentieret sich
"Zizou" wieder einmal als Aktivposten.
Maniche (POR)
Mit Bravour füllte Maniche die neue Königs-Position
im Fussball im defensiven Mittelfeld der Gastgeber-Mannschaft
aus. Der Spieler der FC Porto bestach in erster Linie durch
seine ungemeine Zweikampfstärke, doch auch in der Offensive
verstand er es vortrefflich, Glanzpunkte zu setzen. Mit seinem
20-Meter-Tor im Halbfinale gegen Holland gelang ihm zudem
der schönste Treffer des Turniers.
:: Angriff
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Mit 22 Jahren abgezockt wie ein Alter:
Milan Baros.
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Milan Baros (CZE)
Mit seinen fünf Treffern wurde der junge Tscheche vom
FC Liverpool zum Überflieger und Torschützenkönig
der EURO. Unglaublich abgebrüht verwertete der 22-jährige
seine Torchancen. Das Viertelfinale gegen Dänemark entschied
Baros mit seinem Doppelpack in nur zwei Minuten, den deutschen
Ambitionen auf das Viertelfinale versetzte er mit seinem Treffer
als Einwechselspieler den Todesstoß.
Ruud van Nistelrooy (NED)
Gleich im ersten Spiel seines ersten großen Turniers
zeigte "Van the Man", wieso ihm der Ruf vorauseilt,
aus keiner Chance ein Tor zu machen. Leidtragender dabei war
die deutsche Nationalmannschaft, welcher der Holländer
per Treffer aus unmöglichem Winkel den sicher geglaubten
Sieg entriss. Auch im weiteren Verlauf der kontinentalen Meisterschaft
stellte van Nistelrooy seine Treffsicherheit unter Beweis.
Angelos Charisteas (GRE)
Nach dem Double mit Werder Bremen scherzte der Hellene noch:
"Wenn ich jetzt in Portugal auch das Finale erreiche,
müsste ich eigentlich meine Karriere beenden." Das
Husarenstück gelang, Charisteas war sogar maßgeblich
an der Sensation beteiligt: Mit seinem dritten Turniertreffer
im Endspiel machte er sich unsterblich.
:: Trainer
Otto Rehhagel (GRE)
Wer einen der Top-Außenseiter der Europameisterschaft
ins Endspiel und gar zum Titel führt, kann an der Auszeichnung
zum besten Trainer des Turniers gar nicht vorbeikommen. Antiker
Mauer-Fussball wurde dem deutschen Trainer-Methusalem mitunter
unterstellt, sein Erfolg lässt alle Kritiker verstummen.
:: Co-Trainer
Karel Brückner (CZE)
Wettbewerbsverzerrung war man Brückner vor, als er im
Gruppenspiel gegen Deutschland sämtliche Stars schonte
und seiner Ersatz-Elf Auslauf gewährte. Der Plan ging
auf: Die zweite Reihe schickte den EM-Primus von 1996 mit
2:1 in den vorzeitigen Urlaub. Die tschechische Elf, einst
eine bloße Ansammlung großer Solisten, formte
der Trainer-Fuchs zu einer verschworenen Einheit, deren Individualisten
sich trotz aller Disziplin immer noch genügend Freiraum
für Geniestreiche bietet.
Michael Urbach
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